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12.12.2017
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Presseschau

11.08.1999 - Kastel-Staadt (Rheinland-Pfalz):
"Friedhof nicht nur Ruhestätte "
Eingetragen von Redaktion


Denkmalschutz will die kulturgeschichtliche Bedeutung stärker würdigen

KASTEL
Kunsthistoriker würden von einem Aedicula-Grab sprechen. Das Grabmal, mit dem die die Nachfahren eines Kasteler Seemannes ihrem Verstorbenen posthum ein Denkmal setzten, verfügt über den Charme einer längst vergessenen Zeit. Es datiert aus dem Jahr 1910 und ist mit seinen unter einem schützenden Dach angeordneten nautischen Motiven wie Anker und Segelschiff bestimmt nicht die einzige Grabstelle auf dem Kasteler Friedhof, die prächtig anzuschauen ist. Wegen seiner Besonderheiten in der landschaftsarchitektonischen Gestaltung wollen Grünflächenamt und Denkmalpflege wenigstens einen Teil des Friedhofs an der Boelckestraße zu einer kulturgeschichtlich bedeutsamen Stätte aufwerten.

Denkmalpflegerin Anja Beisiegel und der Leiter des Grünflächenamts, Dieter Kopp, erläuterten den auf eine lange Zeitspanne angelegten Umbauprozeß. Ziel sei es, die alten, klar gegliederten Strukturen der in der Zeit um 1820 entstandenen Begräbnisstätte behutsam zu rekonstruieren und Menschen zu finden, die als Paten die teilweise aufwendig ausgestatteten Grabstellen restaurieren und pflegen. Als Gegenleistung für diese enormen Anstrengungen biete ihnen die Stadt die kostenlose Überlassung der Gräber an. Normalerweise seien für Gräber auf den städtischen Friedhöfen mindestens 8000 Mark zu bezahlen. Dass eine Restaurierung auch ganz schön ins Geld gehen kann, sei ohne Zweifel richtig. Deswegen biete das Grünflächenamt seine Mithilfe bei der Vermittlung von Kontakten zu Steinmetzen an und gebe Hinweise für eine neue Beschriftung der alten Grabdenkmäler. In dem geplanten Umbauprozeß sollen die Sünden, die in den vergangenen Jahrzehnten aus Mangel an historischem Gespür sowie unter dem Druck der Wirtschaftlichkeit begangen wurden, rückgängig gemacht werden. Die Stadt scheue weder Kosten noch Mühen, um die für Kastel wertvollen Strukturen zu erhalten. Das Interesse der Denkmalpflege konzentriert sich auf den mittleren Teil des Friedhofs, wo abweichend von der üblichen Gestaltung jeweils vier Gräber zu einem Karree zusammengefasst wurden. Viele der quadratisch angelegten Grabfelder, die zum Teil mit schönen Denkmalen und schmiedeeisernen Einfriedungen versehen sind, haben im Originalzustand die stürmischen Zeiten überlebt, in denen Wege gezogen und Grabstellen aufgeteilt wurden. Weitere Karrees wurden nach Ablauf der 30-jährigen Ruhezeit von den Angehörigen aufgegeben und warten nun auf weitere Verwendung. Auf ihnen wächst nun Gras. Diese Flächen böten die besten Ansatzpunkte, um eine Restaurierung vorzunehmen. Bei ihrem Projekt können sich Denkmalpflege und Grünflächenamt auf der Gestaltungssatzung für die städtischen Friedhöfe stützen. Weder die Pietät noch die Würde des Ortes würden gestört, wenn nach und nach neue Gräber zu historisch getreuen Abbildern der alten Ensembles zusammengeführt würden. Um die kulturhistorische Bedeutung dieses Umbaues zu betonen, wolle die Stadt die dabei entstehenden, vergleichsweise große Grabstellen zum Preis von kleinen Gräbern zur Verfügung stellen. Die Gestaltungssatzung siehe für die Friedhöfe im Stadtgebiet eine Art Zwei-Felder-Bewirtschaftung vor. Da nicht die ganzen Friedhofsflächen zu Gesamtdenkmalen erhoben werden können, weil die Bürger über einen Anspruch auf individuelle Gestaltungsfreiheit verfügten, sollen nur die historisch wertvollen Teile konserviert werden. In Kastel stehen nach Auskunft von Dieter Kopp vorwiegend die Grabreihen am Hauptweg unter dem Schutz der Satzung. Um diese Strukturen zu schützen, wolle die Stadt erst mal so gut wie nichts tun und neuen Grabstellen einen Platz an den Rändern zuweisen. Aufmerksam wurden die Denkmalpfleger auf den Kasteler Friedhof, als hinter auf den ersten Blick recht merkwürdigen Strukturen ein strenges Rasterschema zum Vorschein kam. Es orientierte sich an einer konsequenten Gestaltung nach geometrischen Mustern, in denen Obelisken und aus Sandstein gefertigte Denkmale für das Auge Bezugspunkte bildeten. Die Untere Denkmalpflege hat den Kasteler Friedhof inzwischen zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege kartografiert, um einen Gesamtplan erarbeiten zu können, der im nächsten Jahr Ortsbeirat, Magistrat und Stadtparlament zur Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Eine Erhöhung der Friedhofsgebühren wegen der denkmalschützerischen Aktivitäten sei nicht zu befürchten. Da die Gebühren für 30 Friedhöfe im Stadtgebiet auf der Grundlage der Mischkalkulation berechnet würden, seien die Kosten, die umgelegt werden müssten, nicht übermäßig hoch . Dieter Kopp erinnerte daran, dass die Grabstellen in Kastel schon heute größer seien als auf den anderen Friedhöfen. Aus Gründen der Kulturpflege wolle die Stadt die Friedhöfe betriebswirtschaftlich nicht bis in den hintersten Winkel durchdringen. Sie nehme es daher in Kauf, wenn große Gräber subventioniert werden müssten. Unabhängig davon werde mit alten Bäumen und Hecken bestandene Kasteler Friedhof schon heute mit hohen Kosten unterhalten und gepflegt.

Quelle: Main-Rheiner, 11.08.1999
Ortsinformationen

Kastel-Staadt

Ort: Kastel-Staadt
PLZ: 54441
Bundesland:Rheinland-Pfalz
Kreis: Trier-Saarburg


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