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Presseschau

08.03.2011 - Weilheim an der Teck (Baden-Württemberg):
Ein grausliger Mordfall endet unter dem Fallbeil
Eingetragen von Redaktion

Ein Gedenkstein im Wald zwischen dem Weilheimer Gewann Gründen und dem Weiler Herzogenau: Wer ihn nicht kennt, wird ihn schwerlich finden. Wer ihn dennoch findet, hat Mühe, die verwitterte Inschrift zu entziffern. Doch vor bald 90 Jahren waren die Stelle und das Geschehen im Zähringerstädtle und in der Umgebung in aller Munde.

Am 26. Juni 1921, einem Sonntag, hatten sich in dem ansteigenden Waldgelände die 19-jährige Marie Frank, Tochter eines Weilheimer Messerschmieds, und ihr ein Jahr älterer Freund, ein Bauernsohn, zu einem Spaziergang getroffen. Allerdings muss das Stelldichein zumindest aus der Sicht des jungen Mannes alles andere als unbeschwert gewesen sein - war doch die Marie von ihm schwanger, ein Umstand, der ganz offenbar die Lebensperspektive des 20-Jährigen zu überschatten drohte.

Dennoch zählte an jenem hellen Sommersonntag wohl der Moment, und die jungen Leute lagen sich liebend in den Armen. Doch dann soll der 20-Jährige der jungen Frau plötzlich einen Strick um den Hals geschlungen und ihn so lange zugezogen haben, "bis das Gesicht und der Körper der Marie keine Zuckungen mehr gemacht hätten", wie es etliche Monate später in einem Gerichtsbericht des "Teckboten" heißen wird. Anschließend habe der Täter eine Selbsttötung der 19-Jährigen vortäuschen wollen, indem er die Leiche an einem Baum aufhängte, wobei allerdings der Strick gerissen sei. Um jeglichen Verdacht zu zerstreuen soll sich dann der Bauernbursch unter ein ausgelassenes Völkchen im Hirschkeller gemischt und drei Glas Bier getrunken haben. Doch die Gesetzesschlinge zog sich zu, der junge Mann wurde festgenommen und kam nach Ulm in Haft. Als man ihm im Oktober desselben Jahres den Prozess machte, hat der Angeklagte laut Gerichtsprotokoll noch versucht, die Tat als Tötung auf Verlangen hinzustellen, auch reichte er ein Gnadengesuch ein. Aber es half alles nichts: Am frühen Morgen des 14. Dezember 1921 starb der Weilheimer wegen erwiesenen Mordes durch das Fallbeil. Geblieben ist der Stein mit dem Hinweis, wonach Marie Frank im Alter von erst 19 Jahren "durch eine schauerliche Mordtat ihr junges Leben lassen musste".

Der Stein und der ihm zugrundeliegende Kriminalfall zählen zu einem Fundus von bald 3000 Kleindenkmalen, die seit Mai 2009 kreisweit erfasst, digitalisiert und inventarisiert worden sind. Etwa ein Zehntel davon soll Eingang in einen handlichen Denkmalführer finden, der zum Jahresende erscheint. Zu den über 80 ehrenamtlichen Erfassern im Kreis zählen auch Wilhelm Braun und Manfred Eppinger, die im Bereich Weilheim nicht nur Recherchen zum traurigen Los der Marie Frank angestellt haben, sondern insgesamt 50 Kleindenkmale erfasst und näher erforscht haben.

Maßgeblich angestoßen vom Schwäbischen Heimatbund, hat sich vor zehn Jahren eine große Phalanx zur landesweiten Erfassung von Kleindenkmalen formiert. Dazu zählen Albverein und staatliche Denkmalpflege ebenso wie Kreis- und Gemeindeverwaltungen. Es gehe darum, das Bewusstsein für die Bedeutung der historischen Zeugnisse zu schärfen, sagt der Esslinger Kreisarchivar Manfred Waßner. Bei ihm laufen die organisatorischen Fäden der großen "Kleindenkmalinventur" zusammen, als Koordinator vor Ort fungiert der frühere Berufsschulrektor Norbert Häuser. Für Waßner ist klar, dass so ein Erfassungsprojekt wie das laufende eigentlich "nie fertig ist" - und er weiß bei den Helfern vor allem ein zählebiges "richtiges Virus" im detektivischen Spiel.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten, 08.03.2011

Weitere Informationen zu diesem Thema:
Von Gunther Nething
Ortsinformationen

Weilheim an der Teck

Ort: Weilheim an der Teck
PLZ: 73235
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Esslingen


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