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19.11.2017
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Presseschau

19.11.1999 - Auerbach (Sachsen):
An der Friedhofsmauer ältester Grabstein zufällig entdeckt
Eingetragen von Redaktion

An der Auerbacher Friedhofsmauer vergessen - Historisch bedeutsame Patriziergeschlechter

Von Alfred Graf

Auf dem Auerbacher Friedhof findet man, außer in der Kirche selbst, keine althistorischen Grabsteine mehr. Vor etwa 100 Jahren ließ der damalige Stadtpfarrer Johann Nepomuk Neppenbacher alle geschichtsträchtigen Grabmäler wie auch die eisernen Grabkreuze aus der Rokoko- und Barockzeit wegräumen. Dabei verschwanden die Epithaphien der Pfarrer und der herausragenden Bürger der Stadt. Das ist vor allem bedauernswert, weil diese Denkmäler mit ihren alten Inschriften eine sinnfällige Illustration und ein wesentlicher Bestandteil der Auerbacher Stadtgeschichte waren. Per Zufall entdeckte ich an der Friedhofsmauer unter dichtem Laubwerk einen alten Grabstein aus dem Jahre 1619.

Bei Erweiterung eingemauert

Unser Chronist Joseph Köstler schrieb vor etwa 90 Jahren: "Ein einziger alter Grabstein aus dem Jahre 1619 liegt noch unbeachtet in einer Ecke des Friedhofs." Vermutlich wurde dieser bei der Erweiterung und Neugestaltung des Friedhofs in den Jahren 1923/24 zwischen Kirche und Beinhaus eingemauert. Der etwa 1,60 m hohe und 0,80 m breite Stein ist aus feinstem Quarz und kunstvoll bearbeitet. Leider haben ihm Wind und Wetter sowie die zunehmende Umweltverschmutzung der letzten Jahrzehnte sehr geschadet. Der nur noch schwer lesbare Text ist mit einer ornamentalen Einfassung umrahmt.

"Ehren- und tugendreiche Frau"

Joseph Köstler konnte im Jahre 1905 noch folgendes lesen: "Hie ligt begraben die ehren- und tugendreiche Frau Magdalena Kotzin, des Auerbachschen Hammerverwalters ehliche Hausfrau eine geborene Schreiberin, welche mit bemeldtem ihrem Ehegemahl 20 Jahre gelebet hat. Selig beschlossen den 30. Dezember anno 1619 im 68. Lebensjahr ... Herrn Wolf Zerreis ... ihrem Alden Matheus Negelein .... Mutter Barbara Negelein sanft bis än den großen Tag des Herrn zur allgemeinen Auferstehung zum ewigen Leben ruhen." Dankenswerterweise hat Otto Horn in mühevoller Arbeit den Sockel des Grabsteins freigelegt. Daher sind zwei sehr gut erhaltene Familienwappen zu sehen. Das linke zeigt einen Hirschrumpf mit achtendigem Hirschgeweih und gehört der Familie Kotz. Das rechte enthält vier Sterne und zwei gekreuzte Schreibgriffel auf einem Schild. Mit der Griffelspitze wurde in die Wachstäfelchen geschrieben, mit der breiten Platte an der Gegenseite wieder geglättet. Es ist ein "redendes Wappen", weil es den Namen des Inhabers symbolisiert. Die Kotz waren stets als Hammermeister in der Eisenverarbeitung tätig. Schon 1422 besaß Hans Kotz die Hammerstatt und die Glashütte oberhalb Neuhaus an der Pegnitz als Bamberger Lehen.

Hammergut Metzenhof

Angehörige des Geschlechts saßen auf vielen oberpfälzischen Hämmern als Eigentümer oder als Hammermeister, z.B. zu Bodenwöhr, Hellziechen oder Bruck. Die Auerbacher Familie Kotz war aus dem Hammergut Metzenhof östlich Kirchenthumbach gekommen. Hans Thomas Kotz war Forstmeister in Auerbach. Sein Bruder Hans Asmus Kotz, der Ehemann der auf dem Grabstein genannten Magdalena, war Hammerverwalter zu Ranna. Dies wird auch durch einen Eintrag im Totenregister der Pfarrei Auerbach bestätigt: "A.D. 1620 wurde begraben am 2. Januar die Hausfrau des Hammerverwalters Johann Erasmus Kotz von Ranna." Der Ehemann überlebte seine Frau und ging bereits im Jahre 1625 wegen seines protestantischen Glaubens ins Exil nach Creußen. Später ließ er sich in Wunsiedel nieder und forderte von Auerbach geliehenes Geld zurück. Daher lautet ein Eintrag ins Ratsbuch unserer Stadt: "A.0. 1625, 8. Dezember: Herr Kotz zu Wunsiedel und noch andere Gläubiger der Stadt künden ihre Kapitalien auf, wodurch dem Rat neue Schwierigkeiten entstehen.

Quelle: Der neue Tag/Amberger Zeitung, 19.11.1999
Ortsinformationen

Auerbach

Ort: Auerbach
PLZ: 09392
Bundesland:Sachsen
Kreis: Stollberg


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