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Presseschau

28.11.2008 - Münster (Nordrhein-Westfalen):
Bildstock wird renoviert: Aus Schemen werden Menschen
Eingetragen von Redaktion

Eigentlich ist nicht viel mehr als eine stark verwitterte Sandsteinoberfläche mit sanften Wölbungen und Vertiefungen zu erkennen. Doch wer den Blick etwas länger auf der Fläche ruhen lässt und die kaum erkennbaren Formen leicht von der Seite gegen das Licht betrachtet, der kann doch die Heilige Familie erkennen. Maria, neigt sich sanft zum Kind und hält dessen Hand. Ganz rechts steht Josef, wahrscheinlich mit einer Lilie in der Hand. Die Darstellung der Heiligen Familie begleitete die Angelmodder mehr als zweieinhalb Jahrhunderte, wenn sie den Verbindungsweg zwischen Twenhöven- und Brandhoveweg entlang liefen. Wind und Wetter hatten der Bildhauerarbeit aus Baumberger Sandstein so stark zugesetzt, dass die Heimatfreunde den Bildstock abbauen ließen. Nun liegt er im Atelier von Bildhauerin Ingrid Janning, die im Auftrag des Angelmodder Heimatvereins eine Replik des ältesten Angelmodder Bildstocks erstellt.

Quelle: beg
Schon recht weit ist das Tonmodell für die Replik des Therink‘schen Bildstocks gediehen. Anhand anderer historischer Bildstöcke rekonstruierte Bildhauerin Ingrid Janning die Heilige Familie, wie sie ausgesehen haben könnte.
Eine originalgetreue Rekonstruktion ist nicht mehr möglich. Aber anhand sehr genauer Recherchen ermittelte Ingrid Janning, wie der Bildstock wohl einmal ausgesehen hat. „Diese Darstellung der Heiligen Familie entsprach der damaligen Auffassung von Religiösität und Gläubigkeit“, erklärt Ingrid Janning. Das Motiv taucht im 18. Jahrhundert auf zahlreichen Bildstöcken im Münsterland auf. Allein anhand der Kleidung und Statur der dargestellten Menschen lässt sich erkennen, ob die Auftraggeber wohl eher bäuerlich-arm oder etwas betuchter waren. „Angelmodde war zu dieser Zeit sehr arm. Es ist wohl davon auszugehen, dass die Heilige Familie eher einfach und schlicht dargestellt war“, meint Ingrid Janning.

Für ihre Recherchen zog sie Daten und Fakten aus den Angelmodder Chroniken heran, verglich mit zeitgenössischen Bildstöcken und beriet sich mit der Kunsthistorikerin und Vorsitzenden des Stadtheimatbundes, Dr. Ute Ewering. „Wir hatten beide einen unterschiedlichen Blickwinkel auf den Bildstock, aber in den Grundzügen waren wir uns einig, wie er wohl einmal ausgesehen hat.“

In Modellierton hat Ingrid Janning inzwischen den Bildstock in Originalgröße nachgebildet. Maria, Josef und das Jesuskind haben wieder ein Gesicht bekommen, in natürlichen Falten fallen wieder die Gewänder und sogar die Taube als Symbol für Gottvater schwebt wieder über der Szenerie. Wahrscheinlich wölbte sich einst ein stilisierter Himmel unter den Voluten des Bildstocks. Auf ihn hat Ingrid Janning in ihrer Replik aber verzichtet.

Die Rekonstruktion der Bildplatte ist keine schnelle Arbeit. „Man muss immer wieder Abstand gewinnen“, erzählt Ingrid Janning über den Schaffensprozess. Die zeitliche Distanz schärft den Blick für Ungenauigkeiten. Josef, so ist sie sich nach einer kreativen Pause sicher, muss noch schmaler werden und setzt beherzt das Werkzeug an, um Ton abzutragen.

Findet das Tonmodell die Zustimmung der Heimatfreunde, wird es mit flüssigem Kautschuk übergossen. Wenn der Kautschuk fest geworden ist, wird ein Gipsmantel aufgetragen. Von diesem Negativ kann dann aus Gips ein Positiv gefertigt werden, das als Vorlage für die Bildhauerarbeit in Stein dient.

Die Rückseite des Bildstocks zeigt die Wundmale: Hände und Füße. Das Herz, das in der Mitte dargestellt war, ist nur noch zu erahnen. Von der Rückseite des Bildstocks wird wohl ein Abguss erstellt. Der original alte Bildstock wird indes einen sicheren Standort im Gallitzin-Haus erhalten.

Quelle: Ahlener Zeitung, 28.11.2008


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Ortsinformationen

Münster

Ort: Münster
PLZ: 48143
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Kreis: Kreisfreie Stadt Münster


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