monumentum.net  
Presseschau Termine ebay Alarm Forum Bücherecke Surftipp Lexikon
Anmelden / Mein Konto
19.11.2017
Drucken | Senden | Bookmark

Presseschau

06.11.2008 - Karlstadt (Bayern):
Madonnenhandel erhitzte 1978 die Gemüter
Eingetragen von Redaktion

Kurze Exkursion führt 30 Jahre zurück – Marienstatue auf Kirchplatz stand ab 1733 im Weinberg
Die letzten Jahre war die Madonna auf dem Kirchplatz selten beachtet. Die Menschen hasteten an ihr vorbei. Vor 30 Jahren kämpfte man in Karlstadt um sie, denn die Figur war nach Baden-Württemberg verkauft worden und sang- und klanglos von ihrem Standort in einem Himmelstadter Weinberg „entführt“ worden.

Quelle:
Die „Dolorosa Mater Maria“ erlebt eine Beachtung in Schüben. Vor dem Jahre 1978, als der „Madonnenhandel“ für Schlagzeilen sorgte, stand sie, schutzlos den Wetterwidrigkeiten ausgesetzt, in einem aufgelassenen Weinberg auf Himmelstadter Gemarkung direkt an der Bundesstraße 27. Bis zu jenem 8. September 1978 fuhren die Autofahrer achtlos an ihr vorbei und nahmen sie nur aus dem Augenwinkel wahr als verwitternden steinernen Bildstock an der Straße. Bis sie plötzlich nicht mehr da war.

Das Verschwinden der Marienstatue fand große Beachtung bei den Karlstadtern. Die Main-Post berichtete ausführlichst vom Verschwinden bis zu ihrer Rückkehr nach Karlstadt drei Jahre später. Die Denkmalschützer, das Landratsamt, die Stadt Karlstadt, der Kreisheimatpfleger, und Steinmetze beschäftigten sich mit ihrem Wert. Eigentümer, Vorbesitzer, Verkäufer und Käufer standen im öffentlichen Fokus. Ihr Handeln wurde in Leserbriefen analysiert und kommentiert.

Was war geschehen? Die lebensgroße Freifigur aus rotem Sandstein und auf rotem Sockel aus dem Jahre 1733 war als Teil des Weinbergs aus dem Eigentum der Karlstadter Familie Geist/Ramsch in den Besitz eines Himmelstadters geraten. Dessen Schwiegersohn verkaufte die Madonna am 26. August 1978 an einen Architekten in Baden-Württemberg, der sie, restauriert, in sein Schloss stellen wollte.

Anfang September fiel einem Karlstadter Autofahrer ein seltsames Benehmen am Weinberg auf: Die Statue wurde auf einen Lkw geladen. Der „Madonnenhandel“ begann.

Der Himmelstadter Verkäufer dachte nicht ans Denkmalschutzgesetz, das damals noch neu war. Der Schlossbesitzer und Architekt allerdings hätte wissen müssen, dass er nicht so einfach einen fränkischen Marienbildstock nach Baden-Württemberg überführen darf. Über den Wert der Figur gab es erst ein Jahr später Klarheit. Am 16. August 1979 bescheinigte das Landesamt für Denkmalpflege der Figur und den Inschriften einen schlechten Zustand. Der denkmalwerte Bestand sei in großen Teilen vernichtet. Wegen der Stiftung eines Karlstadter Ratsherren attestierte das Bamberger Amt aber der Statue noch eine lokalhistorische Bedeutung.

Angeführt von Pfarrer Paul Steinert hatten einige Karlstadter, unter ihnen der Direktor des Zementwerks Erwin Maier, längst alle Hebel in Bewegung gesetzt, die „Karlstadter Madonna heimzuholen“. Die Pläne des umtriebigen Stadtpfarrers: Mit ihr in einem Brunnen als Mittelpunkt wollte er den Kirchplatz neu gestalten. Die Pläne dazu lagen seit 1966 in seiner Schublade.

Der Schlossbesitzer und Architekt verkaufte am 30. Oktober 1979 die Statue für 2000 DM an Steinert. Die Maria mit den verschränkten Armen vor der Brust hatte nie badischen Boden erreicht, sondern wartete die Entwicklung in einer Bildhauerwerkstatt in Kleinrinderfeld ab.

Mit Hilfe Karlstadter Spenden wurde sie restauriert und als Teil eines Brunnens auf den Kirchplatz gestellt. Nach einer Zwischenstation in der Rienecker Kapelle in St. Andreas segnete Pfarrer Paul Steinert unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 31. Mai 1982 die heimgekehrte Madonna auf dem Kirchplatz.

Quelle: Main-Post, 06.11.2008


Weitere Bilder zum Thema:
Ortsinformationen

Karlstadt

Ort: Karlstadt
PLZ: 97753
Bundesland:Bayern
Kreis: Main-Spessart


Verwandte Beiträge

Bildstock (89)
Bayern (202)
Home | Newsletter | Impressum | Urheberrecht © 1995 - 2008 monumentum.net -- Beachten Sie unseren Haftungsausschluß