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Presseschau

08.11.2008 - Paderborn (Nordrhein-Westfalen):
Ortsheimatpfleger Reinhold Mertens holt alten Bildstock zurück nach Marienloh
Eingetragen von Redaktion

Kunstwerke und andere Liebhaberstücke wechseln schon mal den Besitzer, das ist nicht ungewöhnlich. Doch Denkmäler? Zeugnisse der Vergangenheit, die an einen Ort oder eine persönliche Geschichte gebunden sind? Sie gelten gemeinhin als unverrückbar. Ein Bildstock bildet die Ausnahme.

Quelle: FOTO: REINHARD ROHLF
Herbert Görder ist dabei, den alten Bildstock vor der Rückkehr nach Marienloh zu restaurieren. Hier frischt er gerade eine der alten Inschriften auf. Und dabei hat er bereits eine Entdeckung gemacht.
Der Bildstock, vor 304 Jahren gebaut, zieht jetzt um nach Paderborn-Marienloh. Es ist eine Art Heimkehr. Bis vor rund 40 Jahren hatte er schon immer dort gestanden.

Die Geschichte, wie es das mittelalterliche Heiligenhäuschen vorübergehend ins Gütersloher Exil verschlagen hatte, ist schöner Erzählstoff unter Heimatforschern. Angeblich, so geht die Geschichte, hatte der Gütersloher Sammler Heinrich Horsthemke den Bildstock Mitte der 70er Jahre bei einer Fahrt durchs Paderborner Land entdeckt. Beim Ausbau der Bundesstraße 1 habe das Monument wohl im Weg gestanden, die Straßenarbeiter hätten es einfach auf eine Wiese abgelegt, berichtete er. Horsthemke stoppte, lud es auf und ergänzte damit seine Sammlung von alten Steintrögen, Kirchenbildern und Teilen eines Altars.

Der Platz, den der Bildstock fand, war höchst ungewöhnlich. Zwischen Rhododendren und Rosen stand er im Garten der Datscha-Bar, eines Nachtclubs an der Gütersloher Carl-Zeiss-Straße, mitten im Blickfeld der Bordellbesucher. Doch das störte niemanden, weder in Gütersloh noch in Marienloh.

Bis sich in Marienloh Ortsheimatpfleger Reinhold Mertens auf Spurensuche begab. Mertens hatte erfahren, dass der Bildstock, der in Marienloh als verschollen galt, in Gütersloh gesichtet worden war. Gemeinsam mit dem früheren Marienloher Ratsherrn Heinrich Greitemeier trat er an den Eigentümer heran und bat ihn, den Bildstock wieder herauszurücken, zurück an seine historische und damit richtige Stelle.

Doch Horsthemke weigerte sich. "Das Ding bleibt, wo es ist. Basta", lautete seine Antwort. Um den Bildstock wenigstens vor einem Weiterverkauf zu sichern, schalteten die Marienloher den Denkmalschutz ein. Die Gütersloher Politiker stimmten nach munterer Debatte zu - wenngleich sie den Standort im Garten eines Nachtclubs als "historisch deplatziert" empfanden.

Parallel ließen die Marienloher in ihren Bemühungen nicht nach. "Wir haben jedes Jahr bei dem Eigentümer angerufen, wir wollten ihn erweichen", sagte Mertens. Doch ohne Erfolg. Horsthemke blieb hart.

Erst als Horsthemke starb, kam wieder Bewegung in die Sache. Zwar ließ sich auch die Witwe einige Jahre Zeit, doch dann, Anfang 2008, stimmte sie der Translozierung endlich zu. Mertens, selbständiger Bäckermeister in Marienloh, zeigte sich erkenntlich und legte aus eigener Tasche einige tausend Euro auf den Tisch. "Das war es mir wert", sagt der Ortsheimatpfleger. "Wir in Marienloh sind glücklich, den Bildstock wieder unser eigen nennen zu können." Am Ortseingang soll er seinen Standort finden.

Seit zwei Monaten liegt der Bildstock nun schon bei dem Paderborner Bildhauermeister und Restaurator Herbert Görder Auf dem Dören.

Bauleute waren mit einem Pritschenwagen in den Garten der mittlerweile geschlossenen Datscha-Bar gefahren und hatten das Heiligenhäuschen behutsam und mit Zustimmung des Denkmalschutzes in drei Teilen abgebaut. Görder ist nun dabei, den alten Bildstock zu restaurieren. "Das ist ein wirklich schönes Exemplar", sagt der 65-Jährige. Beim Überholen der Inschrift hat er bereits eine Entdeckung gemacht. Der Text, den ein Lehrer überliefert und 1986 in die Festschrift zur 950-Jahr-Feier Marienlohs aufgenommen hatte, ist in Teilen falsch. Görder: "Der hat ein französisches Wort übersehen."

Quelle: Neue Westfällische Zeitung, 08.11.2008
Ortsinformationen

Paderborn

Ort: Paderborn
PLZ: 33098
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Kreis: Paderborn


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