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19.11.2017
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Presseschau

14.08.1999 - Stuttgart (Baden-Württemberg):
Des Erzpriesters Ruhestätte
Eingetragen von Redaktion

Von Daniela Mack

Lange Jahre war sein Grabmal auf dem Hoppenlaufriedhof vergessen. Jetzt ist die letzte Ruhestätte von Erzpriester Wassilij Athanasieff, Beichtvater der Königin Katharina, geweiht worden. Eine private Spenderin und der Förderverein Alt-Stuttgart haben die Restaurierung ermöglicht. Weitere Grabsteine werden folgen.

¸¸Hier ruhet die irdische Hülle des Hof Caplans Wassilij Athanasieff, Beichtvatters Ihrer Majestät der Königin von Würtemberg Catharina Pawlowna, geboren zu St. Petersburg, den 6./17. April 1788, starb er zu Stuttgart, den 13./25. Februar 1823. Die trostlose Wittwe hat ihm dies Denkmal errichtet.'' Wesentlich mehr als das julianische beziehungsweise gregorianische Geburts- und Sterbedatum wissen die Nachfahren nicht vom ersten Priester der russisch-orthodoxen Gemeinde Stuttgarts.

¸¸Wir müssen die Dokumente in Russland erst aufspüren'', sagt sein aktueller Nachfolger, Priester Johannes Kaßberger. Immerhin konnte die russisch-orthodoxe Gemeinde gestern das restaurierte Grabmal im Rahmen eines Totengedenkens feierlich weihen. Die Erhaltung des schlichten Steinquaders mit der russischen und deutschen Inschrift auf gegenüberliegenden Seiten ist einer privaten Gönnerin zu verdanken, die nicht genannt werden möchte. Die ältere Dame hat dem Förderverein Alt-Stuttgart die stolze Summe von 100 000 Mark gespendet, die zur Sanierung und Restaurierung des Hoppenlaufriedhofs eingesetzt werden soll.

Das Grab des Erzpriesters, das für 4000Mark hergerichtet wurde, hat den Anfang gemacht. ¸¸Jetzt wollen wir uns anderer restaurierungsbedürftiger Gräber annehmen'', versprach gestern Peter Wetter, der gemeinsam mit Gerhard Lang dem Verein vorsitzt. Der Hoppenlaufriedhof ist als sechster Friedhof der Stadt zur Pestzeit 1626 angelegt worden. Seit 1880 finden hier keine Beerdigungen mehr statt. Der Förderverein, der bereits die Restaurierung des Wilhelmatheaters in Cannstatt, der Veitskapelle in Mühlhausen und des Marmorsaals im Weißenburgpark ermöglicht hat, dürfte hier also ein breites Betätigungsfeld vorfinden.

Dass Wassilij Athanasieffs Grab überhaupt gefunden wurde, verdankt sich einer glücklichen Fügung. Priester Kaßberger hatte selbst schon vergeblich auf dem Friedhof gesucht, als ein junger Mann aus Sibirien nach Stuttgart kam, um hier Kunst zu studieren. Er lernte Deutsch, indem er die alten Grabinschriften entzifferte - und dabei stieß er auf das Denkmal des Erzpriesters.

Dieser war am 13. April 1816 im Gefolge der russischen Großfürstin Katharina Pawlowna in die Landeshauptstadt eingezogen. Neben ihrem Beichtvater brachte die spätere Königin Württembergs einen Psalmenleser und drei Chorsänger mit. Der Dankgottesdienst für die glückliche Reise, den Athanasieff noch am selben Tag hielt, markiert den Beginn der regelmäßigen russisch-orthodoxen Gottesdienste in Stuttgart. Die Gemeinde, die heute wenige Gehminuten entfernt vom Grab ihres Gründers in der Nikolauskirche ihr Domizil hat, sei damit ¸¸die älteste aktive russisch-orthodoxe Gemeinde in Deutschland'', so Kaßberger.

Im Mai 1820 weihte Wassilij Athanasieff den Grundstein zur Grabkapelle für seine früh verstorbene Königin Katharina auf dem Württemberg. Die Vollendung der ersten ständigen russisch-orthodoxen Kirche erlebte er nicht mehr.

Quelle: :Stuttgarter Zeitung, 14.08.1999
Ortsinformationen

Stuttgart

Ort: Stuttgart
PLZ: 70173
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Kreisfreie Stadt Stuttgart


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