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20.10.2017
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Presseschau

10.09.2007 - Walldürn (Baden-Württemberg):
Flurdenkmäler häufig zu finden
Eingetragen von Redaktion

Bildstöcke und Mariensäulen am Tag des offenen Denkmals am Sonntag zu sehen

Unter dem Motto Orte des Einkehr und des Gebets historische Sakralbauten findet am 9. September bereits zum 17. Mal europaweit der Tag des Offenen Denkmals statt. Zu dieser Gelegenheit veranstaltet das Unesco Geopark-Informationszentrum Walldürn neben anderen Angeboten unter anderem auch eine Führung zu Bildstöcken und religiösen Kleindenkmälern in der Walldürner Altstadt.

Eines der prägenden landschaftlichen Merkmale von Odenwald und Bauland sind die zahlreichen religiösen Flurdenkmäler. Bereits 1804 erwähnte der Romantiker Clemens Brentano, der von Heidelberg nach Berlin unterwegs war, die häufigen Heiligenbilder, die er mit kindischer Freude in der Walldürner Gegend gesehen hatte. Etwa hundert Jahre später begeisterte sich auch der Freiburger Schriftsteller Hermann Eris Busse über den Reichtum an Bildstöcken in der Region und schuf daraufhin den poetischen Namen Madonnenländchen, der seitdem zur gebräuchlichen Bezeichnung der Region zwischen Main, Tauber und Neckar avancierte.

In ihrer Ursprungsform gehen die Bildstöcke auf ein einfaches hölzernes Balkenstück zurück, das in einer Nische, vor Wind und Wettereinflüssen geschützt, ein kleines Andachtsbild barg. Verschiedene Bildquellen deuten darauf hin, dass Bildstöcke dieser Art mindestens seit dem späten Mittelalter bekannt waren. Die ersten Bildstöcke aus Stein tauchen im Odenwald nicht vor Ende des 15. Jahrhunderts auf, während im benachbarten Franken Steindenkmäler schon im 14. Jahrhundert nachgewiesen werden können. Der älteste nachweisbare Bildstock steht bei Ziegelhausen und ist auf 1478 datiert. Die formale Abhängigkeit von den hölzernen Urformen ist bei dieser roh behauenen viereckigen Säule mit eingeschlossener halbrunder Bildnische noch klar ersichtlich.

Bei einem nur wenig jüngeren Werk in der Ortsmitte von Weilbach ist trotz aller noch vorhandenen Ähnlichkeiten zur Grundform des Stockes bereits eine Weiterentwicklung zu erkennen. Über dem vorderseitig abgeschrägten Schaft umfasst ein auskragender Kopf die Bildnische. Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts sind zunächst am Rande des Odenwaldes (Altheim 1607) und etwa 100 Jahre später auch im Odenwald zunehmend Tafelbildstöcke zu beobachten. Die Formenvielfalt erreicht im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt und kulminiert in barocken Prachtkreationen wie dem Träubelesbild bei Walldürn (1744). Als Innovationszentrum für die Region diente dabei vor allem Mainfranken mit Würzburg, wohingegen die direkten Vorbilder für die Formen der Bildstöcke unter anderem in steinernen Totenleuchten, Grab-Steinkreuzen, Epitaphen, geschreinerten Bildkasten aber auch kreativen Eigenschöpfungen zu finden sind.

Der ursprüngliche Zweck eines Bildstocks war es, den Segen Gottes oder der Heiligen herab zu bitten oder für erfahrene Gnaden zu danken. Seltener sollte an Todesfälle erinnert werden, diese Funktion hatte in der Regel das Steinkreuz inne. Angesichts ihres religiösen Wertes wird oft übersehen, dass Bildstöcke und andere Kleindenkmäler auch ein wichtiger Indikator für kulturelle Prozesse und soziale Verhältnisse sind. Anhand der Häufigkeit ihres Vorkommens, ihrer Ikonographie, Machart und ihres Materials geben sie Einblick in die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit und lassen je nach sozialer Herkunft und Intention ihrer Stifter klare Distinktionen zu. So deuten Stifterinschriften nicht nur auf den religiösen Zweck der Bildstöcke hin, sondern zeugen unmissverständlich auch von Standesstolz und persönlichem Geltungsbewusstsein.

Eine Führung zu den interessantesten Bildstöcken in der Walldürner Altstadt findet am Tag des Offenen Denkmals am 9. September statt. Hier können die Teilnehmer die versteckten Geschichten und Anekdoten hinter den Denkmälern entdecken. Der Treffpunkt für die Führung ist um 15 Uhr vor dem Stadt- und Wallfahrtsmuseum.

Quelle: Fränkischer Tag, 10.09.2007
Ortsinformationen

Walldürn

Ort: Walldürn
PLZ: 74731
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Neckar-Odenwald-Kreis


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