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19.11.2017
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Presseschau

02.02.2000 - Schwaikheim (Baden-Württemberg):
Niemand weiss wo das Ehrenmal geblieben ist
Eingetragen von Redaktion

Altes Ehrenmal an der Winnender Straße existiert nur noch auf der Postkarte

Von unserem Redaktionsmitglied Haike Kern

An die Schwaikheimer Toten des ersten Weltkriegs erinnert nur noch eine Postkarte, von der allerdings noch einige Exemplare "rumschwirren", wie Kurt Eble, der Autor der Reihe "Schwaikheim in alten Ansichten", weiß.

In dem zum nächsten Fleckenfest anno 2001 geplanten Band 3 soll das alte Postkartenfoto veröffentlicht werden. Wo des Ehrenmal mit seinen Holztafeln, an die sich zum Beispiel Heinrich Meßmer erinnern kann, geblieben ist, weiß er nicht, weiß niemand.

Auch Altbürgermeister Lothar Krüger, damals noch gar nicht in Schwaikheim, hat deshalb keine Ahnung. Und von den Gemeindearbeitern, die einst zugange gewesen waren, lebt heute keiner mehr. Selbst Günter Fritz, pensionierter Fronmeister, kann nicht weiter helfen, denn "das war vor meiner Zeit."

Konstruiert werden kann aber mit Hilfe der Schwaikheimer Chronik, der Erinnerung gebürtiger Schwaikheimer und Lothar Krügers Aktenstudium, dass das Ehrenmal ursprünglich vorne an der Winnender Straße stand, vor dem uralten Friedhof, gegenüber der evangelischen Kirche. Während dies Faktum ist, weichen die Erinnerungen an das Denkmal selbst und an bestimmte Zusammenhänge aber voneinander ab. Bei dem Denkmal sei nichts aus Holz gewesen, "das war ein Stein", so Lothar Krüger. Dies bestätigt übrigens auch Rudi Oetinger, der sich da "sicher nicht täuscht, denn als junge Kerle haben wir uns dort immer mit den Mädle getroffen. Das war kein hochwertiger Stein, aber es war Stein. Und in diesen waren die Namen eingehauen."

1958 wurde dann der alte, seit 1923 nicht mehr belegte und zwischenzeitlich total verwahrloste Friedhof als "Ehrenhain" angelegt. In diesem Zusammenhang wurde die Mauer erneuert und der Treppenaufgang gemacht. Das Denkmal war im Weg. Ausserdem wurde in der Anlage eine neue Gefallenen-Gedächtnisstätte mit einem Kreuz für die Toten beider Weltkriege aufgestellt. Dass das alte Denkmal beseitigt wurde, hält Lothar Krüger für "einen Blödsinn aus heutiger Sicht. Das hätte man trotzdem erhalten können."

Die neue Gefallenen-Gedächtnisstätte blieb im "Ehrenhain" bis 1974 und wurde dann in den neuen Friedhof bei der 1973 entstandenen Aussegnungshalle verlegt - auf Betreiben der Schwaikheimer Pfarrer, wie sich Pfarrer i. R. Eberhard Auer erinnert. Sie hätten sich gegen die Absicht der Gemeinde gewehrt, die Gedächtnisstätte im "Ehrenhain" zu lassen. "Wir haben gesagt, das Denkmal muss zur Aussegnungshalle, und haben uns auch durchgesetzt."

Altbürgermeister Lothar Krüger hat dies allerdings anders in Erinnerung. Der Antrag auf Umsetzung der Gedächtnisstätte sei vom VdK, nämlich vom damaligen Vorsitzenden und Mitglied des Gemeinderats Karl Müller, gekommen. Es könne ja sein, dass sich die Pfarrer an den Antrag angehängt hätten, aber dagegen gewesen sei niemand. "Ich war gleich dafür und alle waren sich einig." Sonst wäre die Gedenkstätte ja nicht zur Aussegnungshalle gekommen. "Das war ja schließlich Sache der Gemeinde."

Im Gegensatz zum alten Ehrenmal wurde bei dieser Gedächtnisstätte auf Namen verzichtet. "Das hat man bewußt so gemacht", sagt Lothar Krüger. Während es sich bei den Gefallenen des ersten Weltkriegs ausschließlich um Schwaikheimer gehandelt habe, lebten 1958 viele Flüchtlinge in Schwaikheim.

"Und deren Tote hätte man dann auch auf die Tafel nehmen müssen." Manche Flüchtlinge waren aber schon nicht mehr in Schwaikheim, waren weggezogen. "Wie hätte man das machen sollen?", so Altbürgermeister Lothar Krüger. Deshalb habe sich die Gemeinde dafür entschieden, mit der Gedächtnisstätte an alle Toten zu erinnern.

Quelle: Rems-Murr-Nachrichten, 02.02.2000
Ortsinformationen

Schwaikheim

Ort: Schwaikheim
PLZ: 71409
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Rems-Murr-Kreis


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