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Presseschau

20.08.2007 - Jessen (Elster) (Sachsen-Anhalt):
Die Reise einer Anzeige zu einem verschwundenen Grenzstein in Jessens Külz-Straße
Eingetragen von Redaktion

Eine Posse erlebte jüngst ein Anwohner der Wilhelm-Külz-Straße (sein Name ist der Redaktion bekannt). Weil da der Amtsschimmel mal wieder so herrlich schildbürgerlich wieherte, vertraute der Jessener seine Erlebnisse der MZ an. Ausgangspunkt der "lustigen" Geschichte ist ein verschwundener Grenzstein.

Im Oktober vorigen Jahres kam der Neubau der Külz-Straße, einschließlich der Gehwege, zum Abschluss. Und im Nachgang bemerkte besagte Familie, dass der Grenzstein, der immer unmittelbar am rechten Torpfeiler ihres Grundstücks gestanden hatte, verschwunden war. Ordnungsliebend wie der Hausbesitzer ist, informierte er die Jessener Stadtverwaltung über den abhanden gekommenen Stein - zunächst unkompliziert telefonisch.

Die Reaktion aus dem Verwaltungssitz im Jessener Schloss: So gehe das nicht. Da müsse er schon eine schriftliche Anzeige verfassen. Was der Mann aus der Külz-Straße auch prompt tat. Und da er eh noch was zu erledigen hatte in der Verwaltung, nahm er den Brief gleich mit, um ihn dort persönlich an der Rezeption abzugeben.

Doch da hatte er die Rechnung ohne den Amtsschimmel gemacht. Der wieherte ihm was und ließ ihn abblitzen. Solch eine Anzeige müsse er per Post schicken, hieß es. Schließlich benötige man für die Bearbeitung der Anzeige eine Postzustellungsurkunde oder so was Ähnliches. Also steckte er sein Schreiben wieder ein und tappelte damit zur Poststelle in der Drogerie Bernharend, vielleicht 500 Meter vom Schloss entfernt.

Dort gab er seinen Brief als Einschreiben auf. Das machte zwei Euro und irgendwas, kein Problem. Nebenbei erklärte ihm die nette Frau am Schalter, welchen Weg diese Sendung nun nimmt: Also, sie gehe nach Halle zum Vorsortieren und vielleicht sogar bis Frankfurt / Main, um dann etwas später wieder am Ausgangspunkt, in der Drogerie Bernharend in Jessen, zu landen. Hier lege man sie in das Postfach der Stadt, das von Verwaltungsmitarbeitern regelmäßig geleert werde.

Für alle, denen sich jetzt ein breites Grinsen ins Gesicht schiebt, hier noch das traurige Nachspiel der Geschichte: Die Stadt zweifelt an, dass an dem Torpfeiler der Familie aus der Külz-Straße jemals ein Grenzstein gestanden hat. Die Anzeige komme sehr spät, und die dort tätig gewesenen Baufirmen, drei an der Zahl, bestreiten, dass sie etwas zu tun haben mit dem Verschwinden des Steins. Es wäre also am Grundstücksbesitzer, nun den Beweis für seine Behauptung anzutreten, erläuterte man ihm. Oder er könne sich auf eigene Rechnung einen neuen Stein setzen lassen.

Dem Bürger schwante jedoch, dass da was nicht stimmen kann. Und seine Erkundigungen bei Vermessungstechnikern ergaben, dass der Stein ihm korrekterweise ja nur zu einem Viertel gehöre. Das andere Viertel seinem Nachbarn und die restliche Hälfte der Stadt als Eigentümer der vor beiden Grundstücken verlaufenden öffentlichen Verkehrsfläche.

Und nun? Ausgehen wird die Sache wohl wie das Hornberger Schießen. Keine Seite will Geld ausgeben für den Stein, also wird es an der Stelle vorerst keinen mehr geben. Wenigstens verliert der geplagte Hausbesitzer dadurch nicht auch gleich noch die Grundstücksgrenze. Die ist in Karten erfasst und per Satellit eingemessen.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, 20.08.2007
Ortsinformationen

Jessen (Elster)

Ort: Jessen (Elster)
PLZ: 06917
Bundesland:Sachsen-Anhalt
Kreis: Wittenberg


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