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18.11.2017
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Presseschau

21.08.2007 - Seehausen (Sachsen-Anhalt):
Umsetzung zum Landesmuseum nach Halle geplant
Unklare Besitzansprüche halten die Rettung des 6000 Jahre alten Steins auf
Eingetragen von Redaktion

Wieder haben Unbekannte sich an dem Langen Stein in Seehausen zu schaffen gemacht. Die Ritzerein sind deutlich im Sandstein zu erkennen. Um den Menhir vor weiteren Vandalismusschäden zu schützen, hat das Landesmuseum in Halle jetzt einen Antrag auf Umsetzung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde gestellt.

Seehausens " Langer Stein " sollte eigentlich schon längst in Halle im Landesmuseum stehen. Doch die immer noch ungeklärten Besitzansprüche halten den Umzug weiterhin auf.


" Der Grundstückseigentümer ist nicht ermittelbar, jetzt soll ein Verwalter eingesetzt werden. Wer das sein wird, ist allerdings immer noch unklar ", erklärt Dr. Thomas Weber vom Landesamt für Denkmalpfl ege und Archäologie.

Die Klärung der Grundstückseigentümer-Frage hatten durch Fehler bei der Flurvermessung den Wissenschaftlern extrem viel Zeit gekostet ( die Volksstimme berichtete ).

Schutz vor mutwilliger Zerstörung gefordert

Neue Schnitzerein an dem 6000 Jahre alten Sandstein bereiten den Wissenschaftlern nun neue Sorgen.

" In den vergangen 50 Jahren hat der Menhir unter so mancher Zerstörungswut gelitten. Bevor der Stein noch weiter mutwillig zerstört und beschädigt wird, müssen wir ihn jetzt so schnell wie möglich umsetzten. Dieses wichtige Erbe der Jungsteinzeit mit seinen ursprünglichen künstlerischen Verzierungen ist stark gefährdet ", sagt Dr. Detlef Müller vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Landesmuseum für Frühgeschichte in Halle.

Der Wissenschaftler erforscht die Geheimnisse um solche Brocken wie den Seehäuser Menhir seit 20 Jahren intensiv.

Der riesige Stein wiegt etwa eine Tonne

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat nur einen Antrag auf Umsetzung bei der Unteren Denkmalschutzbehörde gestellt. Wenn es nach den Wissenschaftlern geht, soll der 1000 Kilogramm schwere Stein noch in diesem Sommer nach Halle umziehen. " Denn die Witterung ist neben Vandalismus der zweite Feind des Steins ", erzählt Dr. Thomas Weber.

Der rund 6000 Jahre alte Menhir soll dann in der für 2008 geplanten Ausstellung " Jungsteinzeit " einen besonderen Platz bekommen. Denn verzierte Menhire sind sehr selten.

Der Lange Stein von Seehausen gehört zu den seltenen Fundstücken und ist sogar der einzige in ganz Mitteldeutschland, der von Menschenhand aufgerichtet wurde und frei im Gelände steht, erklärt Dr. Müller. Bundesweit gebe es nur noch rund 300 Exemplare. Menhire dienten rund 4000 Jahre vor Christus einem heidnischen Kult – Phallussymbole, die die Fruchtbarkeit darstellen sollen, aber auch Huldigung an die so genannte Dolmengöttin und somit Bestandteil von Steingräbern.

Für einen Besuch im Landesmuseum Halle hat sich bereits Seehausen Bürgermeister Eckhard Jockisch angemeldet. " Bevor der Stein noch mehr zerstört werden kann, sollen sie ihn lieber ins Museum stellen. Außerdem gehört der Stein dem Land, nicht der Stadt Seehausen. " Mit einer originalgetreuen Kopie des Steins in Seehausen könne er gut leben.

Die Kopie wird ebenfalls in Halle gefertigt. Hier wartet bereits ein Restauratorenteam auf das Eintreffen des Langen Steins. Für die Freilegung vor Ort bräuchten die Experten höchsten zwei Tage. Erst werde der Sockel freigelegt. Dann würden Spezialmaschinen den Sandstein, mit einem Gewicht von rund einer Tonne, anheben. In Halle angekommen, würde er digital vermessen werden. Mit Hilfe der Daten könnte die originalgetreue Kopie angefertigt werden.

" Die Kopie wird kaum von dem Original zu unterscheiden sein ", verspricht der Archäologe Dr. Detlef Müller.

Was ist ein Menhir ?

Es ist eine ursprünglich bretonische Bezeichnung für einen hochkant aufgerichteten " mehr oder minder großen Stein " oder Monolithen. Sie bedeutet " Langer Stein " ( maen = Stein und hir = lang ) und fand bereits Ende des 18. Jahrhunderts als wissenschaftlicher Begriff Eingang in die archäologische Fachliteratur Frankreichs. Vorkommen : Der europäische Schwerpunkt liegt in Westeuropa. Von Skandinavien über Irland, Großbritannien, Belgien, Frankreich und der Schweiz sind sie im westmediterranen Raum von Portugal bis Italien verbreitet. In Deutschland : Steinsetzungen unterschiedlicher Größe findet man vom Saarland über Rheinland-Pfalz und Hessen bis nach Mitteldeutschland. Die Menhire von Benzingerode ( Harz ), der " Lange Stein " von Seehausen, die " Speckseite " von Aschersleben und der " Hünenstein " bei Nohra ( Lkr. Nordhausen ) fanden sich in der Nähe bronzezeitlicher Anlagen.

Quelle: volksstimme.de, 21.08.2007
Ortsinformationen

Seehausen

Ort: Seehausen
PLZ: 39615
Bundesland:Sachsen-Anhalt
Kreis: Stendal


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