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Presseschau

17.06.2002 - Dieburg (Hessen):
Neue Spitze für den alten Bildstock
Eingetragen von Redaktion

Im Hof des Dieburger Landratsamtes, dessen ältesten Teile vor hundert Jahren errichtet worden sind, ragt jetzt wieder eindrucksvoll der historische Bildstock aus dem Jahre 1592 nach erfolgreicher Restaurierung auf. Zur offiziellen Präsentation konnte Anne Sattig, die Vorsitzende des Heimatvereins Dieburg, die den Anstoß für die Restaurierung gegeben hatte, auch Landrat Alfred Jakoubek sowie auch Kreis-Denkmalpfleger Dr. Peter Prüssing begrüßen.

Dem engagierten Dieburger Heimatverein war bei einem Rundgang der akut vom Verfall bedrohte jahrhundertealte Bildstock in einem Winkel des Innenhofes hinter dem Landratsamt aufgefallen, der ganz hinter wucherndem 2Gebüsch zu verschwinden drohte. Anne Sattig war sich sicher: Es bestand akuter Handlungsbedarf. Vor allem der Kopf des mehrere Meter aufragenden Sandstein-Bildstocks drohte vollends zu verwittern. Das eingemeisselte Kruzifix, das Wappenbild mit dem „Mainzer Rad“ und andere Skulpturen, waren nur noch schemenhaft zu erkennen.

Der Heimatverein startete eine Rettungsaktion, sammelte Geld, nahm Kontakt mit dem Kreis und der Denkmalschutzbehörde des Kreises auf. Der Landkreis ließ ein vorläufiges Sanierungsgutachten mit Kostenvoranschlag von der Fachfirma Hangleiter (Lengfeld) einholen. Die Fachleute schlugen vor, die Säulenspitze abzunehmen und durch eine Kopie zu ersetzen und den gesamten Säulenschaft zu reinigen. Die Kosten waren mit rund 6500 Mark veranschlagt. Vor einem Jahr erging der Auftrag an die Restauratoren auf Basis des Kostenvoranschlags.

Im August 2001 erfolgte die Abnahme der Spitze des Bildstocks, um sie zu sanieren und eine Kopie aus eingefärbtem Zement zu fertigen. Die Säule des Bildstocks wurde von Algen und Flechten gesäubert und mit einer Lösung aus Kieselsäure gefestigt. Die Restauratoren übergaben die verwitterte alte Originalspitze der Denkmalschutzbehörde. Sie ist derzeit Bestandteil einer Ausstellung im Landratsamt. Auf dem Bildstock tront eine Kopie, die den Ist-Zustand des Originals zeigt, also nicht mehr so gestaltet wurde, wie das Original vor mehr als 400 Jahren aussah. Auf ein „Face-Lifting“ wurde also verzichtet. Die alte Spitze soll übrigens später einmal in das Dieburger Kreis- und Stadtmuseum Bestandteil einer Schausammlung werden.

Der Bildstock stand ursprünglich nicht im Hof des Landratsamtes, sondern an der Straße zwischen Dieburg und dem benachbarten Münster. Und selbstverständlich ranken sich um den Bildstock Legenden. Eine davon besagt, dass der Reformator Martin Luthers auf seinem Weg nach Worms einen Stopp einlegen wollte, aber von den Katholiken verjagt wurde. Deshalb sei zur „Erhaltung des katholischen Glaubens“ der vier Meter hohe Bildstock aufgerichtet worden.

Als gesichert gilt lediglich und dies verraten alte Inschriften, dass er einst von Hans Brücher und Hans Libert gestiftet worden ist.

Im Dreißigjährigen Krieg war der Bildstock umgestürzt worden. Die Stadt ließ ihn, was aus einer Rechnung aus dem Jahr 1624 hervorgeht, für zwei Gulden und zehn Albus wieder aufrichten. Als die Eisenbahn vor mehr als hundert Jahren kam, stand die Säule beim Bau der Strecke Dieburg – Offenbach im Weg und wurde zur Böschung hin versetzt. Als „böse Buben“ den Bildstock zum Ziel für Steinwürfe machten und dabei auch vorbeifahrende Züge gefährdeten, drängte die Bahn auf eine Versetzung. Schließlich fand das alte religiöse Denkmal 1922 einen ruhigen Platz im im Innenhof des Kreisamtes, wurde dort allerdings „vergessen“ und verwitterte deshalb zusehens.

Landrat Alfred Jakoubek und die Vorsitzende des Heimatvereins, Anne Sattig, dankten allen, die zur Rettung und Restaurierung des Bildstocks beigetragen haben. Der restaurierte Bildstock versteckt sich jetzt auch nicht mehr hinter Gebüsch, sondern zeigt sich frei.

Quelle: Darmstädter Echo, 00.00.0000
Ortsinformationen

Dieburg

Ort: Dieburg
PLZ: 64807
Bundesland:Hessen
Kreis: Darmstadt-Dieburg


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