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Presseschau

28.03.2002 - Pulheim (Nordrhein-Westfalen):
Kreuze dienten als Baumaterial
Eingetragen von Redaktion

Melaten ist auch im Umland der wohl bekannteste Kölner Friedhof. Doch auch auf dem kleinen Dorffriedhof in Geyen schlummern verborgene Schätze. Gedenkkreuze und Grabmale erinnern an längst vergangene Zeiten.

Als die damalige Gemeinde Brauweiler 1970 den neuen Friedhof in Geyen anlegen ließ, beschloss der Kirchenvorstand der Gemeinde Sankt Cornelius, den alten Friedhof unmittelbar neben der Kirche in einen Park umzuwandeln. Und damit drohte ein Stück Geschichte unterzugehen. Zwar blieben einige Grabstellen und Gedenkkreuze erhalten, ansonsten aber verwilderte der Kirchhof zusehends. Kreuze verwitterten, andere wurden zerstört oder gestohlen. Während in Köln schon in den 80er Jahren ein Umdenken begann und alte Friedhöfe mit ihren bedeutenden Grabstellen wieder gepflegt wurden, dauerte es in Geyen länger. Mitte der 90er Jahre aber besann man sich auch hier, dass Gedenkkreuze auch örtliche Geschichte erzählten und an bedeutende Bürger erinnerten. Der offizielle Beschluss, den alten Kirchhof an der Kirche in einen Park umzuwandeln, wurde fallen gelassen.

Damit begann die neue Arbeit von Florian Hüttenmeister. Der frühere Ortsbrandmeister und Hobby-Imker hatte schon immer Spaß an alten Sachen. Die alten Grabmale und Gedenksteine hatten es dem handwerklich begabten pensionierten Bezirksschornsteinfegermeister angetan. So arbeitet er zusammen mit Bekannten und Freunden einen Plan aus, wie der Kirchhof wieder zum Friedhof werden könnte. Und wie alte Grabeinfassungen, Kreuze und Grabmale für die Nachwelt erhalten werden könnten. Als Grundlage für die Planung diente ein Plan aus dem Jahr 1919, den das Vermessungsamt des alten Landkreises Köln erstellt hatte und der die Anordnung der Gräberreihen dokumentierte.

Schon vor sieben Jahren wurden Hüttenmeister und seine Helfer fündig. Bei der Befestigung der Hauptwege auf dem Kirchhof wurden alte Grabsteine und vier alte Grabkreuze gefunden, die 1893 dem Bau der Kirche weichen mussten und als Unterbau in die damaligen Wege eingearbeitet wurden. Hüttenmeister bedauerte: „Andere wertvolle Erinnerungsstücke waren nicht mehr zu retten. Sie waren in das Fundament der Kirche eingearbeitet worden.“ Im Schuppen von Hüttenmeister lagerten nicht nur diese alten Kreuze, auch andere Erinnerungsstücke sammelte er. Teilweise waren die Kreuze erheblich beschädigt und mussten mit Hilfe von Steinmetzbetrieben restauriert werden, andere konnte der Geyener selbst wiederherstellen. Dabei muss er auf unterschiedliche Materialien achten: Holz, Bronze, Grauguss, Sandstein, Grafit.

Wertvolle Tipps bekommt Hüttenmeister auch vom Kölner Steinmetz Johann Steinnus, dessen Betrieb gegenüber von Melaten liegt. Er bestärkt die Geyener in ihren Plänen: „Nicht nur auf Melaten gibt es viele Kostbarkeiten.“ Auch der Kölner Denkmalpfleger Dr. Johannes Beines ist vom Engagement der Geyener begeistert: „Es gibt viele Möglichkeiten, alte Grabdenkmäler neu zu gestalten.“

Zu tun gibt es in Geyen noch etliche Jahre sehr viel. So müssen Grabplatten und der Korpus (Abbilder des gekreuzigten Jesus Christus) ersetzt werden, die in den vergangenen 30 Jahren abfielen und verrotteten. Auch müssen nach und nach wieder Bäume und Pflanzen ersetzt werden, die bei der Aufgabe von Grabstellen (in der Regel 30 Jahre) einfach abgeholzt wurden. Die Mauer, die Friedhof und Kirsche von der Nachbarschaft abschirmen sollte, ist inzwischen vom Efeu befreit worden.

Die Gräber direkt an der Kirche werden nicht mehr belegt. Doch dafür, so Hüttenmeister, hätten sich längst Paten gefunden, die sie regelmäßig pflegten. Die Hochkreuze auf den Gräbern am Rand des Friedhofs längs der Burgstraße müssen auch an einigen Stellen restauriert werden. Hüttenmeister: „Da die Grabstellen längst abgelaufen sind, werden sie neu vergeben. Die Käufer übernehmen dann das Kreuz. Lediglich die Gedenkplatte muss ausgetauscht werden.“ Das, so der Kölner Steinmetz, sei auch früher häufiger vorgekommen. Finanziert wird die Restaurierung der Kreuze mit dem Verkauf von Grabstellen und Spenden.

Allmählich nimmt der alte Friedhof in seiner früheren Gestalt wieder Form an. So wurde das Hochkreuz wieder in die Mitte des Geländes versetzt. Es war vor etlichen Jahren umgefallen. Wer heute einen Blick auf das Gräberfeld wirft, kann auch die Entwicklung in den Ateliers der Steinmetze entdecken: Vor 300 Jahren war das überwiegende Material Sandstein. Aber auch Grauwacke und Drachenfels-Grafit kamen zum Einsatz. Als Transportmittel dienten Schiffe, die die Baustoffe über Rhein und Mosel aus von Trier oder Mayen ins Nordrhein-Gebiet brachten. Erst als Ende des 19. Jahrhunderts überall Eisenbahnstrecken eröffnet wurden, kamen auch edlere Werkstoffe wie Marmor oder Granit in den Kölner Raum.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 28.03.2002
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Pulheim

Ort: Pulheim
PLZ: 50259
Bundesland:Nordrhein-Westfalen
Kreis: Rhein-Erft-Kreis


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