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Presseschau

02.01.2002 - Kriftel (Hessen):
Als Straßenbauer ein Kleinod zerstörten
Eingetragen von Redaktion

Der heilige Bonifatius gilt als derjenige, der unsere Region zum Christentum bekehrt hat, wird deshalb auch der Apostel der Deutschen genannt.

Dabei ist klar, dass eine solche Entwicklung nie das Werk eines Einzelnen ist, dass dieser höchstens eine herausragende Rolle in einem umfassenderen Prozess spielen kann. Es mischen sich Tatsachen und Legenden – und der Krifteler Gemeindearchivar Wilfried Krementz war den Überlieferungen über Bonifatius im Ort auf der Spur. Die Resultate seiner Recherchen hat er in der jüngsten Ausgabe des MTK-Jahrbuches veröffentlicht.

Im Jahre 721 kam der aus Südengland stammende Mönch Winfried mit einem Missionsauftrag nach Hessen, wo er vereinzelte christliche Gemeinden antraf. Seine Missionsarbeit muss Papst Gregor III. überzeugt haben – er ernannte ihn zum päpstlichen Vikar des ostfränkischen Reichsgebietes. Bonifatius gründete mehrere Bistümer und übernahm 747 das damals schon lange bestehende Bistum Mainz. 754 ging er in missionarischer Arbeit nochmals nach Friesland und wurde von heidnischen Friesen erschlagen. Seinem Wunsch gemäß sollte er in seinem Lieblingskloster Fulda beigesetzt werden; deshalb wurde der Leichnam zu diesem Zweck zunächst per Schiff nach Mainz gebracht. Am 4. Juli 754 legte das Boot dort an. Weithin gilt es als sicher, dass Bonifatius über Wicker, Weilbach, Marxheim und Kriftel nach Fulda gebracht wurde, wobei in Kriftel Nachtruhe eingelegt worden sein soll. Belegt ist das allerdings nicht – die erste schriftliche Erwähnung Kriftels stammt etwa aus den Jahren 780 bis 782.

Immerhin gibt es Hinweise darauf, dass einst ein Kloster Relinz in Kriftel existiert haben soll. Ein Indiz ist die Flurbezeichnung Mönchhof südöstlich des Bahnhofs, und dort brach vor Jahrzehnten ein Fuhrwerk durch die Decke eines bis dahin unbekannten Kellergewölbes ein – möglicherweise der Rest eines Klosters. Belegbar ist, dass verschiedene andere Klöster Grundbesitz in Kriftel hatten. Könnte also ein solches heute unbekanntes Kloster dem Leichenzug für eine Nacht Obdach gegeben haben, so sagt die Überlieferung, dass man vielmehr dort campierte, wo sich damals die Wege aus Hofheim, Hattersheim,. Marxheim, Weilbach und Kriftel kreuzten. Bis 1959 stand an dieser Stelle in unmittelbarer Nähe der Eisenbahnstrecke die Bonifatiuskapelle. Von hier aus folgte der Zug der alten Römerstraße, die von Mainz über Hofheim in die Wetterau führte; bei Eschborn soll man eine Mittagsrast eingelegt haben.

Die Kapelle befand sich einst auf dem Gebiet des Hofes Hadekam, einer kleinen Ansiedlung, die sogar einen eigenen Schultheißen hatte. 1954 wurden in dem Gebiet auch Reste eines mittelalterlichen Friedhofes gefunden. Wann die erste Kapelle gebaut wurde, ist unbekannt, belegt ist sie schon im Jahre 1266. Anlässlich des 1000. Todestages des Bonifatius erbaute Kriftel an dieser Stelle wieder eine Kapelle.

Krementz weist in seinem Beitrag für das Main-Taunus-Jahrbuch auch nach, dass die Kapelle keineswegs gegen den Widerstand des Erzbistums Mainz erbaut wurde, wie noch im Jahre 1990 behauptet. Im 19. Jahrhundert scheint das Kirchlein über Jahre hinweg nicht genutzt worden zu sein, denn sie verfiel so stark, dass 1842 eine umfassende Sanierung notwendig wurde. In der Folgezeit gab es keine gravierenden Veränderungen mehr – bis zum Dezember 1959. Bis dahin führte die Straße von Hofheim nach Hattersheim in einer S-Kurve an der Kapelle vorbei, die den Autofahrern die Sicht nahm. Das Straßenbauamt verlangte den Abbruch. Zwar stand die Kapelle unter Denkmalschutz, aber der Kirchengemeinde kamen die Fordeurngen der Straßenbauer nicht ungelegen. Auf diese Weise ersparte man sich neuerliche Renovierungskosten konnte sogar noch eine Entschädigung einstreichen. Zunächst gab es die Idee, die Kapelle Stein für Stein abzutragen und an anderer Stelle wieder aufzubauen; man verwarf dies aber zugunsten eines Neubaus im Jahre 1958. An die alte Kapelle erinnert an ihrem einstigen Standort ein Gedenkstein. Eine Sandsteintafel mit dem Hinweis auf den Kapellenbau im Jahre 1755 wurde in den Neubau Auf der Hohlmauer gebracht. Eine hölzerne Bonifatiusfigur wurde in die Pfarrkirche St. Vitus überführt, andere Figuren befinden sich im Heimatmuseum. Schließlich gibt es noch ein Steinkreuz, das „Bonifatiuskreuz“ genannt wird und 1976 nach einer Restaurierung am Platz an der Linde aufgestellt wurde. Über Alter, Herkunft und Bedeutung des Kreuzes gibt es allerdings keine Hinweise; die Bezeichnung Bonifatiuskreuz wurde auch erst 1924 verwendet. Wilfried Krementz weist auch nach, dass es im Gegensatz zu früheren Vermutungen mit einem Mord an einem Studenten namens Dorn im Jahre 1681 ebenfalls nichts zu tun haben kann.

Quelle: Rhein-Main-Net, 02.01.2002
Ortsinformationen

Kriftel

Ort: Kriftel
PLZ: 65830
Bundesland:Hessen
Kreis: Main-Taunus-Kreis


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