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Presseschau

28.12.2001 - Campen (Niedersachsen):
Ein Grabstein-Fragment und seine denkwürdige Geschichte
Eingetragen von Redaktion

Helmut Roß aus der Krummhörn hatte das querformatige Steinstück neben einer Garage in Pewsum entdeckt. Und weil Aufmerksamkeit zum Berufsbild des ehemaligen Polizisten gehört, war ihm auch gleich aufgefallen, dass sich auf dem Stein ein wappenähnliches Zeichen befand.

Also erbat er das offenbar historische Fragment, das stark von Algen überzogen war, und brachte es zur Johannes a Lasco Bibliothek. "Wo sollte man ein solches Stück sonst unterbringen. Es gehört ja offenbar in einen sakralen Zusammenhang", dachte sich Roß.

Der Norder Heimatforscherin Gudrun Dekker-Schwichow hat sich nun daran gemacht, dieses Fragment zu identifizieren. Nach ihren Untersuchungen gehört es allerdings nicht nach Emden, sondern dorthin, wo es auch gefunden wurde, nach Pewsum. Wie kam sie nun darauf, wo doch der Stein selber zunächst wenig Aussagekräftiges vermitteln konnte?
Zunächst fiel der begeisterten Genealogin auf, dass das "Wappen", das der Sandstein zeigt, gar keines ist, sondern dass hier anscheinend ein Weihekreuz darstellt wurde.


Einige Zahlen oberhalb dieses Kreuzes deuten zudem auf eine Jahreszahl, die offenbar nachträglich in den Stein geritzt worden war. Denn Weihekreuze gehören in die gotische Zeit, die Schreibung der Zahlen und die Jahreszahl, die sich daraus ergab, passten nicht zu diesem Befund.
Gudrun Dekker-Schwichow griff nun in ihren Bücherschrank und blätterte sich durch das Büchlein von Gerhard de Buhr von 1937 mit dem Titel "Die Kirche von Pewsum". "Das erschien mir am Sinnvollsten, da ja der Stein in Pewsum gefunden wurde."
In dem Heft sind alle Grabsteine im Innern der Kirche inventarisiert. Und dort fand sie in der Tat den Nachweis für einen Grabstein von 1603. In diesem Jahr, am 7. April, "Is de dogetsame Frouwe Aleit Wibbes von Jemgum Christlich in den Heren entslapen unde verwachtet mit alle Gelovigen eine frolike Operstandinge" (übersetzt: ist die tugendsame Frau Aleit Wibbes von Jemgum christlich in dem Herrn entschlafen und erwartet mit allen Gläubigen eine fröhliche Auferstehung).
Gudrun Dekker-Schwichow war schon fest davon überzeugt, hier den Rest dieses Grabsteines der Aleit Wibbes vor sich zu haben. Aber: "Es stimmt zwar die Jahreszahl überein, doch das allein wäre noch keine exakte Bestimmung", meint die Norderin. Doch auch bei de Buhr findet sich der Hinweis auf sekundäre Verwendung des Steins. Außerdem belegt auch er, dass der Wibbes-Grabstein mit einem Weihekreuz versehen ist. Solche Steine, schreibt de Buhr, ließen darauf schließen, dass sie als Altarplatten Verwendung fanden.
Gudrun Dekker-Schwichow - solchermaßen in ihrer Annahme unterstützt - geht nun davon aus, dass es sich bei dem Fragment um eine kostbare mittelalterliche Rarität handelt.

Womöglich, so meint sie, habe man hier sogar das Teil eines gotischen Altars der Pewsumer Kirche vor sich. Denn die heutige lutherische Kirche stammt zwar aus dem 19. Jahrhundert, doch nachweislich hat es hier schon um 1360 einen Sakralbau gegeben.

Quelle: Emder Zeitung, 27.12.2001
Ortsinformationen

Campen

Ort: Campen
PLZ: 26736
Bundesland:Niedersachsen
Kreis: Aurich


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