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Presseschau

09.12.2001 - Hameln (Niedersachsen):
Grabsteine vom jüdischen Friedhof unter Asphalt verborgen
Eingetragen von Redaktion

Stück für Stück meißelten die Steinmetze den Asphalt vom Scheunenboden, legten fünf Grabsteine frei, die bis in die dreißiger Jahre auf dem jüdischen Friedhof in Grohnde standen. Bernhard Gelderblom ist mehr als zufrieden: "Die Grabsteine sind in einem hervorragenden Zustand."

Der Lehrer und Geschäftsführer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Hameln e.V. hat die Geschichte der Juden in Grohnde erforscht - und dabei auch die Vergangenheit deren Friedhofs. Er sei 1938 vom Nachbarn für 230 Reichsmark gekauft worden, nachdem das Gelände zuvor 30 Jahre lang nicht mehr belegt gewesen sei. Rund 20 Grabsteine soll es gegeben haben, doch sie galten als verschollen. Über deren Verbleib hörte Gelderblom von Zeitzeugen höchstens Andeutungen, eher hinter der vorgehaltenen Hand. "So richtig etwas Konkretes wollte aber eigentlich niemand sagen", berichtet er. Dann kam doch Licht ins Dunkel - und alles war einfacher als erwartet, nachdem klar war, dass einige Grabsteine in einer Scheune in der Weserstraße als Untergrund dienten. Für den heutigen Eigentümer war es selbstverständlich, die Bergung zu unterstützen. Ein früherer Pächter hatte die Platten, wahrscheinlich 1938, an sich genommen. "Das waren damals ganz praktische Gründe, die Steine weiter zu verwenden", meint Gelderblom. Ähnlich werde manchmal mit den Steinen von christlichen Grabstätten verfahren, wenn die Ruhezeit abgelaufen sei. Nur: Im Judentum gilt eine so genannte ewige Ruhezeit. Obwohl auch schwere landwirtschaftliche Maschinen in der Scheune standen, sind die Grabsteine gut erhalten. Sie lagen auf dem Erdboden, so dass dieser wie ein Puffer wirkte. Die Schriften sind noch gut zu entziffern, nur vereinzelt kam es zu Bruchschäden. Vor allem: Der frühere Pächter hatte sich für die großen Platten interessiert, so dass nun die aufwändigen Steine wohlhabender Juden ans Tageslicht kamen. Zu finden sind Namen wie Rothenstein. Diese Familie hatte Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutendes Getreidegeschäft übernommen, das zuvor der Familie Wollberg gehörte, die mehrfach den Vorsteher der Gemeinde im Synagogenverband Grohnde-Ohsen gestellt hatte.

Die Steinmetzfirma wird jetzt die Funde restaurieren, wobei die Finanzierung noch nicht ganz gesichert ist. Die Grabsteine sollen dann zunächst auf dem ehemaligen Friedhof in Kirchohsen eine würdige Stätte erhalten. "Das ist natürlich nicht der passende Ort", hofft Gelderblom gemeinsam mit dem Landesverband der jüdischen Gemeinden Niedersachsen, dass der frühere Friedhof "Am Teich" wieder seinen ursprünglichen Nutzen erhält - das Gelände wird heute als Garten genutzt.

Quelle: Pyrmonter Nachrichten, 08.12.2001
Ortsinformationen

Hameln

Ort: Hameln
PLZ: 31785
Bundesland:Niedersachsen
Kreis: Hameln-Pyrmont


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