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Presseschau

12.11.2001 - Denkendorf (Baden-Württemberg):
Wo ein Bitzer und ein Zandter aneinander gerieten
Eingetragen von Redaktion

Nur von wenigen beachtet wird das Marterl mit Allerseelenbild auf Blech gemalt an einem Eichenpfahl, das einen Kilometer westlich von Denkendorf in der Nähe der Kläranlage steht. Kaum einer kennt auch die tragische Geschichte, die sich um das Kleinod rankt. Nun hat sich der Denkendorfer Agenda-Arbeitskreis 1 unter der Federführung des zweiten Bürgermeisters Rudolf Götz um das kleine Denkmal gekümmert und es rundum erneuert.

Der Denkendorfer Kunstmaler Johann Schuster schuf kostenlos ein neues Allerseelenbild, und in 42 Arbeitsstunden, so Rudolf Götz, wurde auch der Bereich um das Erinnerungsmarterl hergerichtet und teilweise gepflastert. Trotz der viel befahrenen Staatsstraße unmittelbar daneben lädt der Platz jetzt wieder zum Verweilen und zu einem kurzen Gebet ein.
Vor langer Zeit stand ein Steinkreuz an dieser Stelle, das aber um das Jahr 1910 einem Straßenausbau zum Opfer fiel. Unbekannt ist, wer dann das Marterl errichten ließ. Vermutlich steht es in einem Zusammenhang mit einem Vorfall, der, so ist es in historischen Blättern unter Mithilfe des legendären Böhminger Heimatpflegers Gäck aufgezeichnet, bis ins Jahr 1465 zurückgeht. Da gerieten nämlich der Überlieferung nach an dieser Stelle der Bauer Leonhard Rollmann aus Zandt und der Bitzer Ulrich Reytzner aneinander.

Dabei schlug der Bitzer auf den Zandter so ein, dass dieser an den schweren Verletzungen im Kipfenberger Krankenhaus, das es damals schon gab, verstarb. Im ehemaligen Kipfenberger Friedhof, an der heutigen Försterstraße, fand der Zandter seine letzte Ruhestätte. Aufgezeichnet ist auch, dass unter dem Vorsitz von Bischof Wilhelm von Reichenau vor dem bischöflichen Gericht in Eichstätt am 13. Juli 1465 ein mildes Urteil gefällt wurde. Ulrich Reytzner versöhnte sich nämlich vor den Schranken des Gerichts mit den Anklägern, das waren die Schwager des Opfers, der Breitenhiller Krämer Kunz Jagel und der Denkendorfer Leonhard Walther. Das Urteil lautete folgendermaßen: Reytzner hatte für die Kosten bezüglich "Krankenhaus, Arzt, Tod, Aufbahrung und Leichenbegängnis" aufzukommen. An die Waisen hatte er 45 Gulden in drei gleichen Raten zu zahlen, und für das Seelenheil des Toten musste der Mörder in der Pfarrkirche zu Kipfenberg 30 Seelenmessen lesen lassen, 30 Pfund Wachs und zwei Wandlungskerzen opfern, die bei den Messen zu brennen hatten. Außerdem wurde ihm die Stiftung eines ewigen Jahrtages mit einer gesprochenen "stillen" Seelenmesse in Kipfenberg auferlegt, wovon der Pfarrer jährlich einen kleinen Teil erhalten sollte.

Kläger und Angeklagter mussten versprechen, dass jeglicher Streit zeitlebens ein Ende habe. Sie mussten sich zum Zeichen der Versöhnung die Hände reichen. Von Reytzner stammte das über zwei Meter hohe Steinkreuz, das dann etwa 1910 den Straßenbauern zum Opfer fiel, die damals schon die Kurve entschärften.




Quelle: Donaukurier, 06.03.2001
Ortsinformationen

Denkendorf

Ort: Denkendorf
PLZ: 73770
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Esslingen


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