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Presseschau

01.11.2001 - Erfurt (Thüringen):
Das Totengedenken währt über Jahrhunderte
Eingetragen von Redaktion

Ob Fürstengruft in Weimar, barockes Grabmal für eine im Kindbett gestorbene Frau oder ein schlichtes Holzkreuz für einen im Krieg gefallenen Soldaten - die so unterschiedlichen Grabanlagen haben eines gemeinsam: Sie sind Ort der Besinnung und des Totengedenkens. "Sie widerspiegeln aber auch die damalige Auffassung zu Tod und Sterben", sagt Monika Kahl vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege in Erfurt. Sie geben Auskunft über Kunstgeschichte und handwerkliches Können über die Jahrhunderte.

Mehr als 1500 historische Friedhöfe mit seltenen Einzelobjekten gibt es zwischen Rhön und Apolda, Eichsfeld und Altenburger Land. Im November schmücken die Thüringer wie überall die Gräber, um ihrer gestorbenen Angehörigen zu gedenken. Allerheiligen beginnt am 1. November die Reihe der Gedenktage mit Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag und Totensonntag.

Seit 1990 läuft die große Welle der Neuerfassung und Eintragung in das Thüringer Denkmalbuch. "Oft stehen die alten Grabmale wegen der Neubelegung nicht mehr an originaler Stelle", erklärt Kahl. Die wertvollsten wurden meist an die Kirchenmauer gesetzt. Aufwändig in Stein gehauen, berichten sie vom Schicksal der Gestorbenen und der Trauer der Hinterbliebenen. In Seebergen bei Gotha erinnert ein barocker Grabstein von 1722 an den Tod einer Frau im Kindbett. In Dornheim bei Arnstadt starb 1784 ein Vater mit seinen Kindern. In Apfelstädt bei Erfurt erzählt ein aufwändiges Grab vom Tod eines hoffnungsvollen Studenten der Theologie. Auf dem historischen Friedhof in Weimar findet der Besucher nicht weit von der Fürstengruft mit den Zinksärgen von Goethe und Schiller das Familiengrab des Dichters Johannes Daniel Falk. Er musste in den napoleonischen Kriegswirren sechs seiner Kinder beerdigen und gründete daraufhin ein Heim für verwahrloste Kinder.

Zeitgeist soll erhalten bleiben

Der Gottesacker von Espenfeld mit der romanischen Wehrkirche gehört wegen seiner Geschlossenheit zu den Lieblingsanlagen von Kahl. Efeubewachsene Gräber vermittelten gerade im Spätherbst mit seinen Nebeln eine eigenartige Atmosphäre, meint sie und warnt davor, durch Abholzen, weiße Kiesel oder ausländische Steine das Gesamtbild nach heutigen Auffassungen zu verändern. "Es muss der Zeitgeist erhalten bleiben." Denkmalpfleger in Weimar stritten für die einfachen Holzkreuze der Kriegsgräber. Sie sollten durch Steinkreuze ersetzt werden.

In Buttstädt (Kreis Sömmerda) gibt es mit dem Camposanto eine in Deutschland seltene frühprotestantische Bestattungsanlage aus dem 16. Jahrhundert. Zwei mit Ziegeln gedeckte Säulengänge mit Glockenturm bewahren einen reichen Grabbestand aus Renaissance, Barock und Rokoko. Im mit alten Obstbäumen bestandenen Garten stehen Totensäulen und Grabsteine bis zur Zeit der Romantik. Friedhöfe waren früher auch Ort für Feste. "In Vachdorf in der Rhön haben sich die Marktstände erhalten".

Grabgestaltung und Wahl des Materials war und ist eine Frage des Ansehens und des Geldes. Auch im Tod soll die Sonderstellung sichtbar bleiben. In Gera-Untermhaus wurde 1886 ein Friedhof mit neogotischer Kapelle und großen Familiengrüften angelegt. Er war bevorzugte Begräbnisstätte der aufstrebenden Industriellen und des wohlhabenden Bürgertums.


Quelle: Thüringische Landeszeitung, 01.11.2001
Ortsinformationen

Erfurt

Ort: Erfurt
PLZ: 99084
Bundesland:Thüringen
Kreis: Kreisfreie Stadt Erfurt


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