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18.11.2017
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Presseschau

06.10.2001 - Röllbach (Bayern):
Ein Bildstock ist vorbildlich restauriert
Eingetragen von Redaktion

Das Röllbacher Verkündigungsbild strahlt wieder in seiner ursprünglichen Farbe.

Morgen, Sonntag, findet diözesanweit der Tag der Marienverehrung statt. Hierzu wird um 19 Uhr ein Gottesdienst in der Röllbacher Maria-Schnee-Kapelle gefeiert. Bei der anschließenden Lichterprozession wird das renovierte »Verkündigungsbild« an der Mönchberger Straße gesegnet.

Bildstöcke prägen nicht nur das Gesicht der Heimat, sie sind auch Zeugen der Geschichte. Schon seit Jahren erforscht und dokumentiert sie Kreisheimatpfleger Winfried Müller mit dem Ziel, die Hintergründe dieser Kleindenkmäler aufzudecken, Zusammenhänge herzustellen und sie zu erhalten. Manchmal gelingen dabei überraschende Entdeckungen – etwa Zusammenhänge mit Hexenverfolgungen, Pestepedemien, Überfällen oder Kriegen.

Besonderen Wert legt der Heimatpfleger auf akribische Befundsicherung. Wie haben die Bildstöcke und Wegekreuze einmal ausgesehen? Den Kleindenkmälern droht nicht nur Gefahr durch Nachlässigkeit, Verkehr, Luftverschmutzung, Diebstahl und Beschädigung. Genauso bedroht sind sie auch durch – oft gut gemeinte – modische Veränderungen.

Bescheidener Stifter

Wie ein Bildstock wieder in seine ursprüngliche Fassung gebracht werden kann, zeigt das Verkündigungsbild in Röllbach. Über den genaueren historischen Hintergrund konnte der Heimatpfleger nichts erfahren, denn der bescheidene Stifter ließ auf der Säule lediglich seine Initialen »J:S« und die Jahreszahl »1680« einmeißeln. Er muss ein einfacher Mann gewesen sein, meint Müller, denn höher gestellte Persönlichkeiten wie Schultheißen oder Schöffen pflegten ihren ganzen Namen darzustellen, dem dann zum Beispiel das Wort »ehrsam« vorgesetzt war. Auch der Bildhauer war – wenn auch handwerklich geschickt – kein berühmter Künstler: Er hatte mit Sprache, Schrift und Aufteilung Probleme.

So befindet sich auf den beiden Seiten der Laterne die Inschrift: »DER ENGEL/DES HERRN/BRACHT/MARIA DIE/BOTSCHAFT/UND SIE EMPFING VON/DEM H. GEIST.

Im 30-jährigen Krieg wurde Röllbach beim Schwedeneinfall 1631 zerstört. Die Kirche wurde 1660 wieder aufgebaut, 1680 die Kapelle, die hierbei erweitert wurde. Das Röllbacher Verkündigungsbild muss wohl, wie auch ein weiterer Bildstock aus dem gleichen Jahr, mit dem Kapellenneubau zusammenhängen, vermutet Müller. Der andere Bildstock steht an der Abzweigung der Rosenstraße von der Großheubacher Straße. Errichtet haben ihn der »EHRENHAFT HANS DAUM« und dessen Kinder »DER MUDER GOTTES ZU EHREN«. Hans Daum war Schöffe in Röllbach. Hier lässt sich der Zusammenhang mit dem Kapellenbau nachweisen. Daum stiftete für die Kapelle 30 Gulden.

Mit dem 30-jährigen Krieg kamen auch viele Seuchen, die man generell Pest nannte. Diese wüteten auch noch, nachdem der Krieg 1648 vorbei war. Oft konnten die Sterbenden nicht priesterlich betreut und ordentlich beerdigt werden. Bildstöcke wurden gesetzt, gerne an Wallfahrtswegen: Dort verrichtete Gebete, so glaubte man, erleichterten den Verstorbenen den Weg zum Himmel. Auch die beiden Röllbacher Bildstöcke stehen am Pilgerweg zur Kapelle. Von Großheubach kommend, biegen die Prozessionen auch heute noch in die Rosenstraße am Bildstock des Hans Daum ein.

Gottvertrauen in der Pestzeit

In der damaligen Zeit waren es häufig die Pestwallfahrten. Der Sage nach wollten die Röllbacher nicht, dass die Pilger die Pest in den Ort schleppen. Nach dem Gebet beim Pestpatron Rochus und dem Gnadenbild Maria Schnee durfte – und so ist es bis heute geblieben – die Großheubacher Prozession durch den Ort (heute Hauptstraße) zurückkehren. Das zeugt vom Gottesvertrauen der Röllbacher, aber auch von der praktischen Haltung der Gastwirte, denn zu einer richtigen Wallfahrt gehört nun einmal die anschließende Einkehr im Wirtshaus.

Die ausweglose Not der damaligen Zeit wird aus einer Beschreibung einer Röllbacher Pestwallfahrt aus dem Jahr 1654 deutlich: Es werden zahlreiche Prozessionen aus der Umgebung zur Maria-Schnee-Kapelle »am Tage nach Mariä Himmelfahrt, dem Tag des hl. Rochus« geschildert. »Klerus und Volk kamen voller Andacht mit dem Beerdigungskreuz allein voran, als ob sie Teilnehmer ihrer eigenen Beerdigung und ihres eigenen Sterbens wären.«

Bildstöcke wollen aufmerksam machen. Daher waren sie meist farbig gefasst. Bei Restaurierungsversuchen wurden sie oft übermalt oder die Farbe wurde entfernt. Als der Kreisheimatpfleger seine Aufmerksamkeit dem Verkündigungsbild widmete, ahnte er nicht, was sich in der desolaten Bildnische verbarg.

Eine Kostbarkeit entdeckt

Als die drei Einsatzteile von ihren Farbresten befreit waren, entdeckte er einen wertvollen, seltenen Alabaster-Stuckgips. Als er die Nische näher untersuchte, stieß er in der untersten Sicht auf winzige Spuren von Ultramarinblau. Das war damals eine sehr wertvolle Farbe. Blau war auch die Farbe der Himmelskönigin Maria. Zusammen mit dem zarten Rot des Sandsteins ergibt dies einen harmonischen Farbdreiklang.

Seine Untersuchungen hat Müller sorgfältig fotografisch dokumentiert. Bis die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden konnten, war es ein langer Weg. Die Steinbildhauerarbeiten wurden von der Firma Miseer in Röllfeld erbracht. Die Renovierung des Bildstockeinsatzes übernahm Kirchenmalermeister Christopher Betzwieser aus Miltenberg. Er beriet auch Kreisheimatpfleger Müller, der die Arbeiten an der Nische ausführte. Ebenfalls kostenlos fertigte Klaus Speth das Glastürchen aus Edelstahl an.

Es war die Absicht von Bürgermeister Hermann Schwing, alle Bildstöcke und Steinkreuze von Röllbach zu restaurieren. Mit der Wiederherstellung des Verkündigungsbildes konnte dieses Vorhaben im Wesentlichen abgeschlossen werden.

Quelle: Main-Echo, 06.10.2001
Ortsinformationen

Röllbach

Ort: Röllbach
PLZ: 63934
Bundesland:Bayern
Kreis: Miltenberg


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