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Presseschau

13.09.2001 - Baden (Schweiz):
Detektiv Huber und das Steinkreuz
Eingetragen von Redaktion

Das barocke Kunstwerk von St. Cyriak zwei Jahre restauriert / Landeskriminalamt eingeschaltet

Der Fall beschäftigte auch das Landeskriminalamt: In akribischer Feinarbeit hat Steinbildhaumeister Michael Huber das historische Steinkreuz von der Pfarrkirche restauriert. Seit gestern steht es wieder am Kirchplatz. Von Timon Müller Oberkirch. »Das war bislang mein aufwendigstes Kreuz«, berichtet Steinbildhaumeister Michael Huber. Auf der Pritsche seines Kleintransporters liegt frisch herausgeputzt Jesus.

Das kunstvolle Sandsteinkreuz ist in »unzähligen Arbeitsstunden« restauriert worden. Nahezu zwei Jahre nahmen die Ausbesserungsarbeiten in Anspruch: »Wie ein Patient mit Spritzen, Kanülen und Infusionen« wurde der Sandstein chemisch behandelt und aufgefrischt. Fehlende Teile mussten nachgebildet, Risse ausgebessert und Gravuren vorgenommen werden. Gestern konnten Huber und seine beiden Mitarbeiter Christian Göppert und Andreas Müller das historische Steinkreuz wieder an seinen angestammten Platz an der Pfarrkirche aufstellen.

Dort steht es seit dem 18. Jahrhundert. »Es ist zwischen 1750 und 1770 entstanden«, erklärt Huber. Eine genaue Zeitbestimmung sei nicht möglich, da Quellen zur Entstehungsgeschichte des Kreuzes ebenso fehlten, wie historische Skizzen oder Baupläne. Umstände, die detektivischen Spürsinn erforderlich machten, um das Sandsteinkreuz wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Stark vermodert war das historische Steinkreuz, als es Huber 1998 zum Restaurieren abmontierte. Der Zahn der Zeit hatte dem Kunstwerk schwer zugesetzt. Vor allem der untere Sockel war von Autoabgasen so zerfressen, dass er komplett ersetzt und nachgebildet werden musste. Aber wie? Ornamente waren zerbröselt, die Schriftzeichen nicht mehr zu erkennen. Rätselhafte Schrift Öffentlich wurden die Oberkircher aufgerufen, nach alten Bildern von dem Steinkreuz zu suchen. Ohne Erfolg. Doch dann der Glücksfall: Im Stadtarchiv fand sich ein Dia, das 1939 vom damaligen Kaplan Herrmann aufgenommen wurde. »Die Ornamente haben wir so originalgetreu nachbilden können«, so Huber. Nur die Schrift war nicht zu entziffern. Daraufhin setzte sich Huber mit den graphologischen Experten vom Landeskriminalamt in Verbindung: »Ich habe einfach mal frech angefragt und die waren froh, nicht immer nur schlechte Nachrichten analysieren zu müssen«, schmunzelt Huber. Aber auch die Experten des Landeskriminalamts konnten mit ihren digitalen und hochmodernen Apparaten nur einige Buchstaben entschlüsseln. Einen zusammenhängenden Sinn ergaben sie nicht. »Der Urtext des Steinkreuzes wird für immer Rätsel bleiben«, vermutet Huber, dass es sich um eine Bibelstelle gehandelt haben könnte. Warten auf den Segen Auf einen neuen Bibelspruch einigte sich daraufhin der Pfarrgemeinderat.

Auf dem Steinkreuz ist nun eine Stelle aus dem ersten Korintherbrief zu lesen: »Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt!« »Steter Tropfen höhlt den Stein«, fällt Huber zu dem Spruch ein. Das vermeintlich Schwächere würde sich oft als das Stärkere erweisen. Und Wasser sei ein christliches Symbol für Nächstenliebe. Huber ist froh, dass das Kreuz noch im heiligen Jahr der katholischen Kirche fertig geworden ist. Die offizielle Einsegnung des Kruzifixes wird jedoch erst im kommenden Jahr erfolgen, so Huber. Ein Termin stehe noch nicht fest.

Quelle: Baden Online, 01.12.2000
Ortsinformationen

Baden

Ort: Baden
PLZ: 5406
Land:Schweiz


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