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Presseschau

19.09.2001 - Weismain (Bayern):
Marterln prägen die Landschaft am Obermain
Eingetragen von Redaktion

Ein Bildstock oder ein Marterl gehört zu fast jedem biedermeierlichen Stich aus unserer Landschaft. In modernen Fremdenverkehrsprospekten und auf Postkarten werden sie ebenfalls dargestellt. So bescheiden sich diese Bildstöcke auch ausnehmen, insgesamt prägen sie doch die Landschaft am Obermain, sagt Bezirksheimatpfleger Dr. Günter Dippold.

Trotz dieser Bedeutung steckt die Erforschung von Steinkreuzen, Marterln, Bildstöcken und Feldkreuzen noch in den Kinderschuhen. Im Landkreis Lichtenfels liegt aber jetzt eine Bestandsaufnahme der Marterln vor. Auch die Namen der Steinmetze sind teilweise bekannt.
Die Ursprünge der Marterln liegen weitgehend im Dunkeln. Im fränkischen Raum stammen die ältesten erhaltenen Exemplare aus dem 14. Jahrhundert. Im Spätmittelalter handelte es sich meist um einfache Pfeiler mit Bildhäuschen oder Reliefdarstellungen. Diese Typen waren bis etwa 1600 in ganz Franken gebräuchlich. Im Gefolge der Gegenreformation erlebten die Marterln und Bildstöcke eine Renaissance, wobei sich auch regionale Unterschiede ausbildeten.
Die Passion Christi, namentlich der Gekreuzigte mit Maria und Johannes werden in der Hauptsache dargestellt. In Weismain bilden sieben Marterln sogar einen Kreuzweg zur Kreuzkapelle. Man findet außerdem Marienthemen und populäre Heilige oder Heiligengruppen, die Namenspatrone der Stifter, Viehpatrone, die Dreifaltigkeit oder die 14 Nothelfer.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg errichteten die Katholiken verstärkt Marterln, die nun ihre Blütezeit erlebten. Grundlegende Veränderungen in der Gestalt gab es kaum. Daneben entstanden Bildstöcke, gemauerte Säulen mit einer Figurennische und Feldkapellen. Nach 1770 verschwand, wohl nicht zuletzt unter dem Einfluss der aufklärerisch geprägten Obrigkeit das Marterl. An ihre Stelle traten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts große, meist steinerne Kruzifixe, wie sie an Häusern oder in der Flur errichtet wurden. Eine Praxis, die mit dem Ersten Weltkrieg fast zu Ende ging.


Gott zu Ehren

Neben den Marterln, Bildstöcken und Kreuzen stand häufig ein Ruhestein, eine Bank oder ein schattenspendender Baum, der die Vorübergehenden zu Rast und Gebet einlud. Die Motive für die Aufrichtung einer Marterl kennt man meist nur aus der Inschrift. Und die ist oft knapp gehalten. Ein schlichtes "Gott zu Ehren" ist wohl am häufigsten.

Selten einmal erzählt eine Inschrift eine ganze Geschichte, wie auf dem Marterl von 1694, die in der Nähe von Krassach steht. Ihr Stifter war Johann Hopfenmüller, ein kaiserlicher Offizier, der sich in Wien als Hofmeister des Fürsten Dietrichstein niedergelassen hatte. Offenbar hielt er Kontakt mit seinem Bruder, dem fürstbischöflichen Steuerbeamten Nikolaus Pankraz Hopfenmüller in Bamberg. Man ist offenbar davon ausgegangen, dass dieser Hopfenmüller noch zwei Brüder, nämlich Nikolaus und Pankraz, gehabt hat. Deshalb hat sich wohl der Name "Drei-Brüder-Marterl" eingebürgert.

Gelegentlich erscheinen Marterln in der Funktion von Grenzzeichen, die sie entweder von Anfang hatten oder erst nach ihrer Aufstellung erhielten. Auch an Geleitstraßen standen sie. Vor allem aber begleiteten Marterln die Wallfahrer, die seit dem 17. Jahrhundert prozessionsweise zu einer Gnadenstätte zogen, auf ihrem Weg. Marterln verdanken ihre Entstehung sicherlich nicht zuletzt einem "frommen Wettstreit" zwischen Nachbarn. Ein Marterl war früher gewissermaßen auch ein Statussymbol.

Marterln und Feldkreuze sind ein landschaftsbestimmendes Element am Obermain. In den Fluren sind sie Mahnmale, aufgestellt von den Vorfahren als Zeugnis einer tief verwurzelten Gläubigkeit. Sie sind ebenso Erinnerungsstätten eindrucksvoller Ereignisse, Zeichen des Dankes oder der Sühne. Der Bauer hoffte und betete um den Segen für seine Äcker und Früchte. Sie bezeichnen oft auch markante Punkte und sind Ziel von Prozessionen und Wanderern. Verlassene oder aufgegebene Marterln, wie man sie leider auch findet, sind jedoch kein Ort zum Verweilen mehr.

Quelle: Obermain.de, 19.09.2001
Ortsinformationen

Weismain

Ort: Weismain
PLZ: 96260
Bundesland:Bayern
Kreis: Lichtenfels


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