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Presseschau

17.03.1999 - Balgstädt (Sachsen-Anhalt):
Kreuz bleibt im Verborgenen
Eingetragen von Redaktion

Die Gemeinde Balgstädt hat die Schilderbäume, die zum Sühnekreuz führten, ,,gepflanzt". Diese mußten sie auf Weisung der Naturschutzbehörde komplett wieder entfernen. ..

Quelle:
Nicht ohne Stolz hatte man in der Gemeinde Balgstädt vor wenigen Tagen die Schilderbäume des neuen Touristenleitsystems ,,gepflanzt" und einige der davon ausgehenden Wanderwege mit den entsprechenden Symbolen markiert. Kurz darauf bekamen die Initiatoren des Leitsystems zu spüren, daß sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht hatten bzw. im Dienste des regionalen Tourismusaufschwungs ungewollt einige Meter zu weit vorgeprescht sind. Auf Weisung der Oberen Naturschutzbehörde mußten sie die Wegweiser, die zum Balgstädter Sühnekreuz führten, komplett wieder entfernen.

Ältere Balgstädter, die davon erfuhren, faßten sich an den Kopf. Viele Jüngere hingegen wußten nicht einmal von der Existenz des steinernen Zeitzeugen. Auch diese Wissenslücke sollte ja mit der Installation des neuen Touristenleitsystems wieder geschlossen werden.
Bis Anfang der 60er Jahre wanderten ganze Schulklassen im Rahmen des Heimatkunde-Unterrichts zum Balgstädter Sühnekreuz. Dann sorgte bis zur Wende das Dröhnen von Panzermotoren immer mehr dafür, daß es aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit entschwand. Irgend jemand kippte in dieser Zeit das uralte Wanderziel vom Sockel.

Mit der Wende machten sich heimatgeschichtlich interessierte Bürger aus Balgstädt und Umgebung auf und stellten das Schwergewicht per Muskelkraft wieder auf. Das Sühnekreuz samt seiner Nebenanlage gehört heute zu den sehenswertesten der gesamten Saale-Unstrut-Region. Touristen werden das im Buchenwald versteckte Stück Mittelalter oberhalb des Balgstädter Markstiegs in Richtung Flurstück Amselgesang ohne Leitschilder wohl kaum entdecken.

Die Idylle des Ortes wird dennoch zuweilen gestört. Am vergangenen Donnerstag schoß ein Kampfjet der Bundeswehr mit ohrenbetäubenden Lärm im Tiefflug über dieses Gebiet - und damit auch über jenes Objekt, daß auf Grund der Weisung der Oberen Naturschutzbehörde dem regionalen Tourismus offenbar nur unter Vorbehalt gezeigt werden soll. Es heißt, daß das Terrain um das Sühnekreuz mittlerweile zum besonderen Eldorado für Greifvögel geworden sein, was der Hauptgrund für die Maßnahme gegen die Ausschilderung zum mittelalterlichen Denkmal sein soll.

Bei der Attacke des Kampfjets allerdings flog nicht ein einziger Greifvogel auf. Eine Erklärung dafür könnte natürlich sein, daß die edlen Vögel zuvor schon vom Lärm zahlreicher Kettensägen verscheucht worden sind. Denn im sensiblen Stück Naturschutzgebiet werden seit Tagen massenhaft Kiefern geerntet

Quelle: Naumburger Tageblatt, 17.03.1999
Ortsinformationen

Balgstädt

Ort: Balgstädt
PLZ: 06632
Bundesland:Sachsen-Anhalt
Kreis: Burgenlandkreis


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