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Presseschau

22.05.2007 - Waiblingen (Baden-Württemberg):
Geschichten über Denkmäler im Rems-Murr-Kreis auf CD
Eingetragen von Redaktion

Steine sind nicht tot - Gerhard Moser erzählen sie Geschichte(n). Der frühere Leiter des Kreismedienzentrums hat zu rund 130 stummen Zeitzeugen gründlich recherchiert. Die Ergebnisse sind auf einer CD zusammengefasst.

Von Frank Rodenhausen

Die Mauerreste, Wachturmüberbleibsel und nachgebildeten Meilensteine des Limes im Schwäbischen und im Welzheimer Wald sind keine wirklichen Geheimnisträger mehr. Das Weltkulturerbe ist populär, die Zeitzeugen der Römerzeit sind gut herausgeputzt, das Wissen darüber ist auf Schautafeln oder in Museen dokumentiert und katalogisiert. Doch nicht jedem geschichtsträchtigen Stein widerfährt so viel Beachtung.

"Wir gehen oder fahren an vielen hochinteressanten Denkmälern achtlos vorbei", sagt Gerhard Moser. Der Mann war mehr als ein Vierteljahrhundert lang Leiter des Kreismedienzentrums, zudem im Hauptberuf Lehrer an der Grund- und Hauptschule in Schwaikheim. Jetzt, im Ruhestand, hat er sich mit viel Akribie um die heimischen Naturdenkmäler gekümmert. Die zahlreichen Gespräche mit Ortskundigen und Zeitzeugen über Gruebstätten, Sühnekreuze, Grabstätten oder Grenzsteine sind an seiner alten Arbeitsstätte auf einer CD zusammengefasst worden. Die Fotos dazu hat Gerhard Neusser beigesteuert, für die Gestaltung und technische Umsetzung zeichnen Nicole Männer und Helmut Bähr verantwortlich.

Natürlich wird die Geschichte vom Mops von Winnenden erzählt, dem im 18. Jahrhundert sein Herrchen Herzog Karl Alexander vor dem Schloss Winnethal ein Denkmal setzte. Das von ihm so geliebte Tier war während der Schlacht um Belgrad 1717 gegen die osmanischen Truppen abhanden gekommen. Monate später traf der totgeglaubte treue Begleiter mit blutig gelaufenen Pfoten wieder im Schloss ein.

Aber auch Geschichten, die höchstens im eigenen Flecken weitererzählt werden, hat Moser aufgetan, jene über die unscheinbaren Steinkreuze am Ortseingang von Unterweissach beispielsweise, sie zeugen von einer grausigen Nacht, in der ein rechtschaffener Ochsentreiber und sein Hund von einem Unbekannten des Geldes wegen erschlagen wurden. Banale Dinge werden aufgedeckt: die Herkunft des großen Felsblocks etwa, der an den Waldarbeiter Gottlieb aus Eselshalden erinnert. Dieser war beim Ausheben einer Jauchegrube auf den sperrigen Sandsteinklotz gestoßen. Weil ihm das Zerkleinern zu mühselig war, warf er den Stein einfach in den Wald.

Viele Gedenkstätten haben über die Generationen hinweg die Fantasien angeregt. Um den Opferstock am Eingang der Walterichskirche bei Murrhardt ranken sich viele Legenden. Er ist 1612 aus den Teilen der Grabplatte des frommen Walterich gemauert worden. Dem wird nicht nur nachgesagt, dass er ein illegitimer Sohn Karls des Großen war, sondern auch ein wundertätiger Mann, der viele Krankheiten lindern konnte. An seinem Grab, so die Berichte von Pilgern, seien Wunderheilungen geschehen.

Autofahrer werden noch heute an die bremswürdige Topografie zwischen Schloss Ebersberg und dem Tal im heutigen Auenwald erinnert, wenn sie den um 1800 aufgestellten Stein an der rechten Straßenseite beachten: "Wer ohne Radschuh spert und an die Rebenwengert und Seitengraben fahrt wird v. us. hr. gestr.", hat mit ihm einst der Schultheiß verfügt. Wer die Straße benutzen wollte, hatte eine spezielle Bremsvorrichtung anzubringen, ein keilförmiges Eisen, das mit einer Kette an den Hinterrädern festgezurrt wurde. Wer dies nicht beachtete, musste mit einer empfindlichen Strafe rechnen.

130 solcher Geschichten sind auf der CD verewigt. Dass es eine so umfangreiche Sammlung wird, hat Gerhard Moser anfangs selbst nicht geglaubt. Rund 2700 Kilometer, schätzt er, hat ihn die Suche herumgeführt. Seine Informationen hat er bei Gemeindeverwaltungen, Heimatvereinen, Pfarrämtern oder in Zeitungsarchiven gesammelt. Er habe viele interessante Menschen getroffen, sei mit ihnen ins Gespräch gekommen, habe sich ganze Lebensgeschichten angehört. Alles aufzuschreiben hätte den vorgegebenen Rahmen gesprengt. "Das Schwierigste war", sagt Moser, "die Fülle von Informationen auf wenige Sätze zu reduzieren."

Die CD soll jetzt allen Schulen im Kreis kostenlos zur Verfügung gestellt werden, den ehemaligen Lehrer Gerhard Moser freut das natürlich. Es sei nie daran gedacht worden, mit dem Projekt Geld zu verdienen, versichert der agile Pensionär: "Ich will die Leute neugierig machen."

Die CD-ROM "Lebendige Geschichte - Steine erzählen . . ." ist für fünf Euro beim Kreismedienzentrum in Waiblingen, Dammstraße 50, Telefonnummer 0 71 51/ 5 01 15 10, und in Backnang, Erbstetter Straße 58, Telefon 0 71 91/8 95 40 21, erhältlich.

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 22.05.2007


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Orginal-Zeitungsartikel
Ortsinformationen

Waiblingen

Ort: Waiblingen
PLZ: 71332
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Rems-Murr-Kreis


Schlagwörter:

Cd-rom,


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