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19.11.2017
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Presseschau

21.01.2000 - Mainz (Rheinland-Pfalz):
Justitias Schönheit bröckelt
Eingetragen von Redaktion

Hauptfriedhof: Paten für 13 denkmalgeschützte Grabstätten gesucht
Kunstvoll behauene Sandsteinkreuze, Marienstatuen, Reigen tanzende Putten – der Hauptfriedhof ist nicht nur letzte Ruhestätte, sondern auch Freilichtmuseum. Rund 220 historische Grabmäler stehen unter Denkmalschutz. Doch der Zahn der Zeit nagt an den steinernen Zeugen einer prachtvollen Friedhofskultur. Für 13 Grabstätten sucht der städtische Eigenbetrieb Friedhofs- und Bestattungswesen Paten. Die erhalten dann auch das Nutzungsrecht.

Von Anke Mordhorst

Bereits vergeben sind vier weitere Grabstätten. Mit der Übernahme der Patenschaft tun die Bürger nicht nur ein gutes Werk, sondern sichern sich auch frühzeitig eine Bestattung auf dem Hauptfriedhof. Denn zwei Drittel der Anlage sind wegen der Bodenverhältnisse komplett gesperrt. „Nur im aktuellen Todesfall kann normalerweise nach einem freien Grab für das letzte Drittel gefragt werden. Wenn gerade eins abgelaufen ist, haben die Leute Glück“, sagt Karl-Wilhelm Noltemeier, Leiter des Eigenbetriebs Friedhofs- und Bestattungswesen. Vorsorge auf dem Hauptfriedhof kann also nur treffen, wer eine Patenschaft übernimmt.

Restaurierung Pflicht

Aufgabe des Paten ist, seine historische Grabstätte restaurieren zu lassen und dafür zu sorgen, dass sie in gutem Zustand bleibt. Die erste große Investition kann erheblich zu Buche schlagen. Für die meisten Objekte liegen Kostenschätzungen des Friedhofsbetriebes vor. Sie reichen von 3000 bis rund 68000 Mark.

Doch dafür können die Paten auch imposante Grabmäler ihr Eigen nennen. Wie die Justitia mit Schwert und Waage, gehauen aus Sandstein – letzte Ruhestätte von Elias Stephan Melchiors und seiner Familie. Sie ist noch zu vergeben. Der promovierte Jurist war Vizepräsident des Kreisgerichts und starb 1820. Moos kriecht den Sockel herauf, abgeplatzt ist der Stein insbesondere am Sims und am Urnengefäß, das auf dem Grabmal thront. Wie der Pate sich selbst oder Angehörige nach einer Beisetzung auf dem denkmalgeschützten Stein verewigen kann? „An einer unauffälligen Stelle auf einer Tafel, nach Absprache mit der Denkmalpflege“, so Noltemeier. Zwischen 100000 und 150000 Mark gibt der Friedhofsbetrieb jedes Jahr für die Sicherung der Objekte aus, die es am nötigsten haben, Gruftanlagen eingeschlossen.

Grabstätten – Spiegel ihrer Zeit. 1802/03 wurde der Hauptfriedhof von den Franzosen angelegt. Von bürgerlicher Empfindsamkeit zeugt das Grabmal der Catharina Margaretha Probst, geborene Eberhard, gestorben 1824. „Schönheit und Tugend mit Sanftmuth vertraut machten das eheliche Glück ihres Gatten waehrend seinen Ehejahren“, ließen die Angehörigen der Verstorbenen in den Sandstein meißeln: „Tief gebeugt durch den Verlust der geliebten Gattin und Mutter, setzten die Zurückgelassenen, der Vorausgegangenen diesen Stein zum Denkmal ihrer Liebe und Verehrung.“ Ein Jüngling in antiker Kleidung und Trauerhaltung illustriert diese Worte: Auf einem Stein sitzend, stützt er den Kopf auf die rechte Hand, vor ihm ein Gefäß, an dem eine verlöschende Fackel lehnt. Für diese Grabstätte sucht der Friedhofsbetrieb ebenso einen Paten wie für die von Künstlerstolz kündende Anlage der Bildhauerfamilie Scholl. Franz Joseph Scholl, gestorben 1842, verewigte sich auf dem hoch aufragenden Grabmal mit seiner Büste. Rechts daneben: eine Säule mit gotischem Maßwerk, die an früher Verstorbene erinnert.

Gesichter verwittert

Offensichtlich die Schäden, die Wind und Wetter der gen Himmel strebenden Grabstätte der Familie Volk zugefügt haben: Verwittert die Gesichter der Kreuzigungsgruppe, bereits geflickt die Jesusfigur. Dass nach dem Ablaufen der Nutzungsrechte Gräber neu vergeben werden, die sterblichen Überreste dort gebettet werden, wo vorher Fremde ihre letzte Ruhe fanden, gerät in Vergessenheit, wenn der eigene Grabstein steht. Bei den denkmalgeschützten Grabmälern ist das anders. Valentin Volk, gestorben 1909, und seine Frau fänden die Patenschaften sicher eine gute Idee. Ihr Appell: „Wanderer stehe hier still und bete für mich, was du bist, bin ich, was ich bin, wirst du sein.“

Quelle: Main-Rheiner, 21.01.2000
Ortsinformationen

Mainz

Ort: Mainz
PLZ: 55116
Bundesland:Rheinland-Pfalz
Kreis: Kreisfreie Stadt Mainz


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