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Presseschau

04.08.2015 - Hohentengen am Hochrhein (Baden-Württemberg):
Blick in die Geschichte: Das passierte mit den drei Grenzsteinen von 1810
Eingetragen von Redaktion

Drei Grenzsteine kennzeichnen seit 1810 auf den Brücken in Laufenburg, Bad Säckingen und Rheinfelden die Grenze zur Schweiz. Aufgrund von Abrissen und Sanierungen sind die Steine längst nicht mehr an ihrem ursprünglichen Ort: Die Steine aus Laufenburg und Bad Säckingen sind im Museum Schiff und im Haus Fischerzunft zu bewundern, der Rheinfelder Stein ist zerteilt in zwei Teile auf der neu aufgebauten Brücke.

Quelle: Bild: RICHARD KAISER
Zwei der historischen Landesgrenzsteine aus dem Jahre 1810 befinden sich nicht mehr an ihrem einst angestammten Platz. Der Laufenburger Stein (rechts) wird im Schweizer Museum Schiff verwahrt und der Säckinger Stein (links) im Haus Fischerzunft.
Drei Brücken überspannten vor 200 Jahren den Hochrhein im Gebiet der jetzigen Landkreise Waldshut und Lörrach. Sie verbanden bei den Waldstädten Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden die beiden benachbarten Länder. Auf jeder der drei Brücken wurde 1810 ein Markstein gesetzt, der die Grenze zwischen dem neu gegründeten Großherzogtum Baden und dem Schweizer Kanton Aargau kennzeichnete. Doch nichts ist heute mehr so, wie es seinerzeit war, obwohl es die Grenzsteine noch immer gibt. Der Steinsetzaktion ging der Staatsvertrag vom 17. September 1808 voraus, der die Landesgrenze dem Verlauf des Talwegs des Rheins vorsah. Für die Brücken wurde darüber hinaus bestimmt, dass „auf der Mitte derselben, oder wenn dies untunlich wäre, in der mindesten Entfernung vom Mittelpunkt mit beidseitigem Einverständnis ein Grenzzeichen errichtet werden soll“.


Laufenburg: Die derzeitigen Hochrhein-Brücken bei Hohentengen, Rheinheim und Waldshut gab es im Jahre 1810 noch nicht. Die Laufenburger Brücke war dagegen 1810 gerade fertiggestellt, nachdem 1796 die Franzosen das Vorgängerbauwerk zerstört hatten. Auf dem St.-Antons-Joch, dieser neu erbauten hölzernen Brücke, wurde ein 1,20 Meter großer Grenzstein mit dem badischen und dem aargauischen Wappen mit seiner unteren Hälfte eingelassen. Dort stand er bis zum Abbruch der Brücke aus Anlass des Kraftwerkbaus im Jahre 1911. Alsdann fristete der Stein ein verborgenes Dasein.


1929 wurde er auf Veranlassung von Professor Adolf Döbele (1884 bis 1966), der ihn allem Anschein nach ausfindig machte, in die rechtsrheinische Codmann-Anlage gebracht. Und erst 1967 erhielt er, auf Betreiben der aargauischen Denkmalpflege, auf der 1912 erstellten Rheinbrücke seinen ihm gebührenden Platz, wie Theo Nawrath (1914 bis 1989) im Band 2 der 1981 erschienenen Geschichte der Stadt Laufenburg erwähnte.Auf dieser nunmehr über 100 Jahre alten Brücke befindet sich also der Stein – sollte man meinen, denn ein etwas verwitterter aber dennoch beeindruckender Markstein mit den beiden Wappen und der Jahreszahl 1810 steht in der Tat auf dem Pfeiler der Brückenmitte. Es trügt jedoch der Schein, schließlich können Besucher des Museums Schiff im Schweizer Laufenburg den Originalstein von 1810 dort bestaunen. Und wie der Präsident des Museums, Hannes Burger, auf Nachfrage erklärte, ist der alte Grenzwächter dort schon seit mehr als 30 Jahren ausgestellt.Das Schweizer Bundesamt für Landestopografie Swisstopo, federführend für die Bestimmung der Koordinaten der Landesgrenze Schweiz-Deutschland, hatte die Grenzwächter-Versetzung wohl nicht registriert, denn es zeigt ihn mit einem aktuellen Vor-Ort-Bild in einer Dokumentation Ende 2012 und schreibt dazu: „Auf der Brücke befindet sich ein alter Grenzstein aus dem Jahr 1810, der am 7. Juni 1967 gesetzt wurde.“ So ist demnach neben zahlreichen Betrachtern selbst die Vermessungsoberbehörde auf der falschen Fährte.

Kein Wunder, sieht das markante Objekt doch wie ein restaurierter Originalstein aus, zumal darauf die Jahreszahl 1810 abgelesen werden kann.Des Rätsels Lösung ist die im Jahre 1982 erfolgte Brückensanierung. Bis zum 12. Mai 1982 stand der historische Stein auf der Brücke. Nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten sollte er wieder auf das Brückenjoch zurückkehren, wie Nawrath in einem Zeitungsbericht vom 2. Juni 1982 anmerkte. Doch es kam anders. Dem Bericht in der Zeitschrift „Schweizer Ingenieur und Architekt“, Ausgabe 29/1983 zufolge, wurde vom Grenzstein eine fachgerechte Kopie aus epoxidharzgebundenen Kunststein, der von einem Sandstein kaum zu unterscheiden ist, angefertigt. Diese steht nunmehr seit jener Zeit auf der Brücke; das Original von 1810 seit gleicher Zeit im Museum Schiff.
Bad Säckingen: Auf der ehrwürdigen alten Bad Säckinger Holzbrücke wurde 1810 ebenfalls ein Markstein mit den beiden vorgeschriebenen Wappen aufgestellt. Die Brückenmitte kam wegen des Holzbodens nicht infrage, so dass die 19 Meter davon in Richtung Schweiz gelegene Nepomuk-Kapelle ein besseres Fundament abgab. Dort stand der Stein, wohlgeschützt vor Witterungseinflüssen – bis er bei der Brückenrestaurierung 1989 im Wege war. Er ist bis zum heutigen Tag, trotz der im vergangenen Jahr erneuten Renovierung, nicht mehr an seinen angestammten Platz zurückgekehrt, sondern steht, ebenso wie der Laufenburger Stein, in einem Museum, nämlich im Bad Säckinger Haus Fischerzunft.
Rheinfelden: Anders ist es jedoch in Rheinfelden. Auf der dortigen Brücke befindet sich zweifellos der Stein von 1810. Denkmalschützer können sich allerdings nie und nimmer darüber freuen, denn im Zuge des dortigen Brückenneubaues 1912 wurde der historische Grenzstein vermutlich aus Platz-, beziehungsweise verkehrstechnischen Gründen weder am Rande der Fahrbahn, noch dem Gehweg der neuen Brücke aufgestellt, sondern, vertikal in zwei Teile halbiert, in die Brüstung der Brücke eingemauert. Ein Metallstreifen dazwischen markiert seither die Landesgrenze. Dieses Kleindenkmal ist zersägt, die Laufenburger und Säckinger Steine immerhin noch unversehrt.

Quelle: http://www.suedkurier.de/, 31.08.2015
Ortsinformationen

Hohentengen am Hochrhein

Ort: Hohentengen am Hochrhein
PLZ: 79801
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Waldshut


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