monumentum.net  
Presseschau Termine ebay Alarm Forum Bücherecke Surftipp Lexikon
Anmelden / Mein Konto
18.11.2017
Drucken | Senden | Bookmark

Presseschau

13.07.2000 - Mittelsinn (Bayern):
Die Kirche ruht auf alten Grabplatten
Eingetragen von Redaktion

Eine findige, aber etwas pietätlose Art der Untergrund-Befestigung hatten die alten Mittelsinner

.
Quelle:
Auf über 300 Jahre alte Grabplatten stützte sich zum Teil das Schiff der Mittelsinner Kirche. Jetzt werden die schweren, eichenen Stützen fachgerecht mit einem "Fußbett" aus Beton untermauert.
Unter dem Dielenfußboden des Kirchenschiffes der 700 Jahre alten Jakobuskirche kam bei der Renovierung die ursprüngliche Bodensohle aus Sandstein zum Vorschein. Und zu ihrem Erstaunen entdeckten die Arbeiter auch Grabplatten. Auf den zirka 300 Jahre alten Sandsteintafeln sind eingemeißelte Namen, Geburts- und Sterbedaten, aber auch Kreuze und andere christliche Ornamente teilweise noch gut zu erkennen.

Da die großen Grabsteine überwiegend unter den tragenden Stützpfosten der schweren, eichenen Empore lagen, ist zu vermuten, dass die Steine beim späteren Anbau des Kirchensaales als Fundamente für das Trägergebälk dienten. Nach historischen Angaben lag die gotische Kapelle noch im Mittelalter inmitten des Kirchhofes (Friedhofes), der bei der Erweiterung im Jahre 1734 mit dem Kirchenschiff überbaut wurde.

Die auf Antrag des Kirchenvorstandes bereits 1996 begonnene Renovierung mit einem Gesamtkostenaufwand von 1 250 000 Mark erfolgt in drei Bauabschnitten. Die Außenrenovierung und der Neubau der Sakristei sind bereits abgeschlossen. Angesichts der enormen Kosten beteiligte sich bereits in der Vergangenheit die Kirchengemeinde mit Eigenmitteln, Eigenleistungen und Spendenaktionen in Höhe von 470 000 Mark.

Mit der auf 412 000 Mark veranschlagten Innenrenovierung begann nun die letzte Bauphase, in der allein durch die tatkräftige und uneigennützige Mithilfe freiwilliger Helfer zirka 50 000 Mark eingespart werden sollen. Mitglieder des Kirchenvorstandes, der Kirchengemeinde, des Kirchen- und Posaunenchores und auch Bürgermeister Karl Kratz legen in ihrer Freizeit in den altehrwürdigen Gemäuern des Kirchleins selbst Hand an, um mit Presslufthammer, Pickel, Schaufel und Kelle den Grund und Boden vor einem weiteren Verfall zu retten.
Die schweren Kirchenbänke wurden abmontiert und in einer Scheune zwischengelagert. Nach Abbau der Holzdielen, an denen der Zahn der Zeit und auch der Holzwurm kräftigt genagt hatten, stand den Helfern Schwerstarbeit bevor: In reiner Handarbeit wurden in knapp zwei Tagen die Zentner schweren Sand- und Grabsteine heraus gemeißelt und per Schubkarre abtransportiert.

Die nun freiliegenden, teilweise verfaulten und porösen Enden der Emporen-Stützen wurden abgesägt, durch neue Teilstücke aus Rundhölzern ergänzt und anschließend fachgerecht mit Betonfundamenten untermauert. Kirchenvorstand Henning: "Das alles ist harte Knochenarbeit. Aber das ist uns unsere Kirche wert." Pfarrer Gunnar Zwing äußerte besondere Hochachtung vor den Leistungen der älteren Generation. Die Mehrzahl der zehn bis zwölf Helfer ist zwischen 65 und 70 Jahren alt.

Aufgrund des hohen Alters der Kirche erfolgen alle Baumaßnahmen in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege, vor Ort vertreten durch das Landratsamt Main-Spessart. Soweit wie möglich wird versucht, die altersschwache Bausubstanz durch gleichwertige Materialien zu ersetzen.

Nach Isolierung der feuchten Wände und des Untergrundes erhält die Kirche eine Bodenplatte aus Beton, auf der neue Dielen aus Lärchenholz montiert werden. Für eine bessere Innenbeleuchtung wird die Elektroinstallation erneuert. Laut Pfarrer Zwing werden die Protestanten, die zur Zeit ihre Predigt in der katholischen Kirche zu hören bekommen, zur Adventszeit wieder ihrer eigenen Orgel lauschen können.

Quelle: Volksblatt Gemünden, 13.07.2000


Weitere Bilder zum Thema:
.
Ortsinformationen

Mittelsinn

Ort: Mittelsinn
PLZ: 97785
Bundesland:Bayern
Kreis: Main-Spessart


Verwandte Beiträge

Totenmal(e) (65)
Bayern (202)
Home | Newsletter | Impressum | Urheberrecht © 1995 - 2008 monumentum.net -- Beachten Sie unseren Haftungsausschluß