monumentum.net  
Presseschau Termine ebay Alarm Forum Bücherecke Surftipp Lexikon
Anmelden / Mein Konto
19.11.2017
Drucken | Senden | Bookmark

Presseschau

28.12.2009 - Elsenfeld (Bayern):
Geheimnisvolles, Trauriges und Schauriges
Eingetragen von Redaktion

Ortsdurchfahrt Rück: Brunnen bis Bildstock - Stein gewordene Geschichte im Blickfeld - Grenzwanderung startet am Dienstag am Festplatz

Elsenfeld . Kann der Ausbau einer Ortsdurchfahrt spannend sein? Er kann - wie in Rück bewiesen. Vier Kapitel Stein gewordener Geschichte rücken mit Hilfe des Heimat- und Museumsvereins ins Blickfeld der Öffentlichkeit, hergerichtet im Rahmen der Dorferneuerung. Beim traditionellen Grenzgang zwischen den Jahren, zu dem der Verein am Dienstag, 29. Januar, einlädt, werden ihnen die Wanderer einen Besuch abstatten.
Get Adobe Flash player
Zwei mächtige Sandsteinscheiben
Wenn schweres Gerät beim Straßenbau eingesetzt ist, wird nicht unbedingt alles platt gemacht. Im Sommer förderte es knapp einen Meter unterhalb des Gehsteigs zwei mächtige Sandsteinscheiben zutage - eine zerbrochen, die andere mit der Zahlen- und Buchstabenkombination 18CLB17, was auf die Jahreszahl 1817 und Namensinitialen hindeutet. Wer CLB war, wird wohl nicht mehr zu klären sein (die Person muss auch gar nicht in Rück gewohnt haben), aber die Funktion der Steine scheint geklärt. Nach einer Veröffentlichung im Main-Echo meldeten sich Spessarter Landwirte, Müller und Historiker bei Joachim Oberle, dem Zweiten Vorsitzenden des Heimatvereins. Der erfuhr, dass es sich wohl um alte Mahlsteine handelt.
Wenn diese abgenutzt waren, fanden sie oft eine Zweitverwendung - etwa als Brunnenabdeckung oder, wie in Rück , im Unterbau von Straßen. Der datierte Mahlstein wird gerade saniert und dann am Straßenrand aufgestellt: nahe einem etwa sieben Meter tiefen, freigelegten Brunnen, der früher der Wasserversorgung diente. Sein Rand wird aufgemauert und abgedeckt. Ein »Plätscherbrunnen« wird allerdings nicht daraus, obwohl die Quelle noch vorhanden ist, wie Joachim Oberle weiß.
Schräg gegenüber verdienen als Zeugen Rücker Vergangenheit zwei schlichte Kleindenkmale Beachtung, die zwischen den Anwesen Elsavastraße 73 und 75 von Büschen völlig verdeckt waren und inzwischen frei geschnitten worden sind: ein Bildstock mit schwerem Sandsteinsockel und ein Steinkreuz. Beim Neubau des benachbarten Geschäftshauses sind sie 1960 hierhin versetzt worden. Das Kreuz war zuvor in einer Mauer eingelassen. Nach der Sanierung werden sie ebenfalls an den Straßenrand rücken. Beim Umsetzen des Bildstocks fand man nach Aussage des Bauherrn eine größere Menge menschlicher Knochen.
Massengrab aus Pestzeiten
Ein Massengrab aus Pestzeiten, vermuten die Heimathistoriker und meinen sogar, sich auf den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) festlegen zu können, denn in Streit steht ein sehr ähnlicher Bildstock mit einer Pieta-Darstellung und der Inschrift 1626. In dem einem Häuschen ähnelnden Aufsatz des Rücker Exemplars trägt ein seitliches Feld in Versalien die Inschrift »Hans Sumerbeck zu Ruck hat für sich und seine Vrfarn dieses Bild auflasen richten Gott zu Lob und Ehren amen«, ein weiteres beherbergt eine Madonnenfigur aus Plastik.
Überlegungen im Museumsverein gehen dahin, sie nach dem Streiter Vorbild durch die Darstellung der trauernden Maria mit dem toten Jesus auf dem Schoß zu ersetzen.
Ein noch größeres Rätsel gibt das unscheinbare Steinkreuz auf. Besteht ein Zusammenhang mit dem Pestgrab? Oder ist es eins der mittelalterlichen Sühnekreuze, wie sie im Zusammenhang mit Verbrechen errichtet wurden?
Zwei schaurige Begebenheiten geben Anlass zu Spekulationen: Zu Zeiten Napoleons sollen Russen in einem längst abgerissenen alten Bauernhaus einquartiert gewesen sein. Im Streit sei einer erschlagen und dann beseitigt worden. Das wäre dann allerdings nicht mittelalterlich, sondern gerade mal 200 Jahre her.
Keine Erzählung, sondern Fakt ist: Am 25. Januar 1962 berichtet das Main-Echo von einem Skelettreste-Fund beim Abriss eines Hauses in der Hauptstraße nahe der Mauer mit dem Steinkreuz. Der Tote lag 50 Zentimeter unterm Hausflur. Dabei: Sichel, Lederstücke und »Topfwerk«. Die Knochen wurden dem Gesundheitsamt überstellt. Was dessen Untersuchungen ergeben haben, ist nicht bekannt; das Rätsel um den Toten ist wie das um das Steinkreuz bis heute ungelöst.
Dies und mehr wird Joachim Oberle, der fleißig recherchiert hat, bei der morgigen sechs Kilometer langen Wanderung in Rück-Schippach vor Ort berichten. Treffpunkt ist um 13 Uhr am Festplatz in der Antoniusstraße.

Barbara Schmidt

Quelle: http://www.main-netz.de/nachrichten/region/obernburg/obernburg/art4001,1039925, 28.12.2009
Ortsinformationen

Elsenfeld

Ort: Elsenfeld
PLZ: 63820
Bundesland:Bayern
Kreis: Miltenberg


Verwandte Beiträge

Bildstock (89)
Bayern (202)
Home | Newsletter | Impressum | Urheberrecht © 1995 - 2008 monumentum.net -- Beachten Sie unseren Haftungsausschluß