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Presseschau

24.05.2011 - Riederich (Baden-Württemberg):
Das steinerne Geheimnis
Eingetragen von Redaktion

Riederich. Einen rätselhaften Grenzstein hat Heinz Bösch in Riederich entdeckt - bei der Suche nach nicht dokumentierten Kleindenkmalen. Auch Experten konnten das Zeichen darauf bisher nicht eindeutig klären.

Kleindenkmale sind zwar, wie der Name sagt, klein in den Ausmaßen, können aber durchaus auch größere Bedeutung haben. Sie können zum Beispiel Dokumentationen sein von Leben, Wirtschaft, Kultur und Glauben im Laufe der Zeit.

Für die Erfassung solcher Kleindenkmäler haben sich Ehrenamtliche Riedericher wie Heinz Bösch im Auftrag der Denkmalpflege auf den Weg gemacht. Ihre Aufgabe: sie zu finden, zu beschreiben und zu fotografieren für eine Gesamtdokumentation.

Dabei schaute sich der langjährige Riedericher Gemeinderat Heinz Bösch sich einen Grenzstein auf Riedericher und Metzinger Gemarkung genauer an, der mitten auf den Wiesen steht zwischen Riederich und Neugreuth - mit Zufahrt vom Gemeindeverbindungsweg aus Grafenberg. Genauer gesagt, nahm er zuerst einmal eine große Bürste und viel Wasser, um den schief stehenden Stein von Schmutz und Verwitterungsrückständen zu befreien.

Und dabei kamen zwei Ringe zum Vorschein, die aus dem scheinbaren Findling einen interessanten Stein machten. Die Einkerbung als Unterteilung für den Bereich, der zu Metzingen und der zu Riederich gehört, wurde ebenfalls erst dann deutlich sichtbar bei dem Stein, der nun als Kleindenkmal erfasst ist. Die Besonderheit daran ist, dass der Stein auch Experten Rätsel aufgibt.

"Bei der Abschlussveranstaltung im Landratsamt wurden Besonderheiten der erfassten Objekte rausgestellt. Der Stein war das Einzige, was nicht genau erklärt werden konnte", erzählt der geschichtlich interessierte ehemalige Kommunalpolitiker beim Ortstermin in Riederich. "Alle Nachforschungen mit Fachleuten haben das Rätsel bisher nicht gelöst", so Bösch.

Eindeutig sei nur, dass es keine Trauringsymbole seien sondern Zeichen von Besitztum, wie er im Kreisarchiv in Reutlingen erfahren hat.

Das Zeichen ist auf Metzinger Seite sichtbar, aber "man kann nicht mehr in Metzinger Grundbüchern von damals nachschlagen, die beim Rathausbrand 1578 vernichtet wurden", erklärt Bösch.

Seiner Vermutung nach könne es das Zeichen aus dem Wappen vom Kloster Zwiefalten sein.

Das ließe sich aus dem Bempflinger Vertrag von 1098 erklären und der 1135 verfassten Zwiefalter Chronik mit der Schenkung der Grafen von Achalm, die die Hälfte ihres Besitzes von Metzingen und Dettingen und die Hälfte ihrer Kirchen an den Abt vom Kloster Hirsau schenkten zum Bau des Klosters Zwiefalten.

"Aber um 1100 gab es noch keine Grenzsteine", erklärt Bösch, dass der Stein vermutlich aus der Zeit zwischen 1200 und dem Bauernkrieg stamme. Wahrscheinlich wäre er schon längst entsorgt worden, wenn nicht die Grundstücke zu Wiesen eingesät wären.

Wenn der Stein erzählen könnte, kämen sicher viele Zusammenstöße mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen zur Sprache, denn so einige Kollisionen dürfte er überstanden haben. Schmutz, Moos und Hinterlassenschaften tierischer Lebewesen haben außerdem das Ihrige zum Erscheinungsbild des Grenzsteines beigetragen.

Ein unscheinbarer grauer Stein von geringem Materialwert, den kaum jemand beachtet, gibt jetzt Rätsel auf über genaue Herkunft beziehungsweise Kennzeichnung und wird als dokumentiertes und registriertes Kleindenkmal in den Unterlagen der Landesdenkmalpflege verewigt.

Quelle: http://www.swp.de/metzingen/lokales/alb-neckar/Das-steinerne-Geheimnis;art5678,975566, 24.05.2011
Ortsinformationen

Riederich

Ort: Riederich
PLZ: 72585
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Reutlingen


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