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Presseschau

02.07.2010 - Schwörstadt (Baden-Württemberg):
Geschichte Um Hunnenstein ranken sich viele Geschichten
Eingetragen von Redaktion

Ausflüge in Dossenbachs Frühgeschichte (I): Vielleicht ein Ort für Fruchtbarkeitsriten

Dossenbach (dor) Das Jahr 1848 bescherte Dossenbach einen Platz in der Weltgeschichte, als am 27. April Herweghs Truppen von den Württembergern vernichtend geschlagen wurden. Doch die Dinkelberggemeinde besitzt auch Zeugnisse weitaus früherer Epochen, denen man bei einem Waldspaziergang begegnen kann. In einer zweiteiligen Serie begeben wir uns heute zum sagenumwobenen Hunnenstein, im zweiten Teil geht es um die geheimnisvollen Steinhügelgräber.

Geschichte Um Hunnenstein ranken sich viele Geschichten
Quelle: suedkurier.de
Der sagenumwobene Hunnenstein im Dossenbacher Wald.
Der Stein steht im Dossenbacher Wald, der an der Stelle Kosilienwald genannt wird. Er ragt nicht ganz kerzengerade etwa einen Meter siebzig neben einem kaum genutzten Weg empor. Etwas Vogeldreck hat sich auf ihm festgesetzt. Der ehemalige Ortsvorsteher Kurt Vollmer weiß, dass es sich bei dem Stein um Albtalgranit handelt, eine Gesteinsart, die es auf dem Dinkelberg nicht gibt. Wer ihn überhaupt kennt, nennt ihn den Hunnenstein.“

„Hier sind alles Muschelkalkböden“, sagt Hobbyhistoriker Kurt Vollmer. Er steht neben dem Stein und streicht mit der Hand über die raue Oberfläche. Albtal-Granit stammt aus den Granitvorkommen des Albtals im heutigen Nachbar-Landkreis Waldshut-Tiengen. Wie der schwere Fels in den Dossenbacher Wald gekommen ist, weiß niemand so recht. Zudem gibt es auf der vorderen Seite unten eine Gravierung: „Hunenstein“ steht da nur schwer leserlich. Die Schriftgravur jedenfalls kann nicht helfen, Sinn, Zweck oder Herkunft des Steins zu bestimmen, denn die wurde laut Vollmer erst im letzten oder vorletzten Jahrhundert angebracht. Vollmer kennt drei Geschichten, die seine Herkunft erklären könnten, doch ob eine von ihnen der Wahrheit auch nur nahe kommt, weiß er nicht.

“ “Hunenstein könnte vom Wort Hüne abstammen“, erklärt er. Demnach könnte es sein, dass der aufgerichtete Stein ein Ort für Fruchtbarkeitsriten gewesen ist.

Als zweite These bringt er die einer frühen astronomischen Forschungen an. „Es gibt nämlich noch einen zweiten Hunnenstein“, sagt er. Vielleicht standen die einmal in einer astronomischen Verbindung zueinander. Allerdings dürfte auch diese These schwer nachzuweisen sein, denn ob der Stein an seinem ursprünglichen Platz steht, ist nicht klar. Um 1900 herum war der Stein aus dem Wald ins Dorf gebracht worden. Ein Maurer hatte die Idee, einen Brunnentrog daraus zu machen und beauftragte einen Fuhrunternehmer, ihm den Monolith anzuliefern. „Der Stein stand eine Nacht auf dem Wagen, aber als der damalige Bürgermeister das gesehen hat, hat er dem Maurer befohlen, den Stein zurückzubringen“, erzählt Vollmer.

Die dritte Geschichte wurde Vollmer von einer sehr alten Dossenbacherin zugetragen, die erzählte, dass im zweiten oder dritten Jahrhundert Hunnen den Rhein entlang gezogen seien. Sie hätten hier gelagert und bei einem Streit wurde der Anführer einer der Familien umgebracht. Ihm zu Ehren wurde der Stein aufgestellt.

Die Archäologie sieht diese These als nicht besonders glaubhaft an, wie Wolfgang Löhlein, Spezialist für die megalithische Ära, mitteilt. „Wir befinden uns in der Zeit von Ötzi“, sagt er, „also ungefähr 3200 vor Christus bis 2800 vor Christus. Solche Megalith-Denkmäler seien eine Spezialität dieser Gegend, ihre Funktion allerdings umstritten. Die aufrechten Steine könnten als Markierung für Gräber oder als Opferstätten gedient haben. Sie könnten genauso gut als Erinnerung an Verstorbene oder an besondere Ereignisse aufgestellt worden sein.

Tatsächlich seien auch schon archäologische Sondierungen um den Hunnenstein herum gemacht worden, allerdings war wohl nichts gefunden worden, was man mit dem Stein hätte in Verbindung bringen können.

Das Rätsel existiert also weiter, wieso Menschen einen solchen Felsen nach Dossenbach brachten, um ihn ausgerechnet hier aufzustellen. Klar ist aber, dass es ein Glücksfall ist, dass besagter Bürgermeister zur Jahrhundertwende es nicht zuließ, dass ein Brunnentrog daraus gemacht wurde, denn, so Löhlein: „Es gibt heutzutage nur noch sehr wenige dieser Menhire. Die meisten sind verschwunden, weil sie zu Zeiten der Maschinisierung der Landwirtschaft im Weg standen.“ Löhleins These für den Hunnenstein: „Solche Monumente konnten als Territorialmarkierungen oder als Erinnerung für wichtige Persönlichkeiten gedient haben.“

Lesen Sie im zweiten Teil der Serie von Dossenbach wichtigstem Bodenschatz und von gemeinen Grabräubern.

Quelle: suedkurier.de, 02.07.2010
Ortsinformationen

Schwörstadt

Ort: Schwörstadt
PLZ: 79739
Bundesland:Baden-Württemberg
Kreis: Lörrach


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