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24.04.2017
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Lexikon

Wehrsteine .. Zeugen einer gefährlichen Handelsroute restauriert
erfasst von Redaktion 

Der Schwarzwaldverein hat die Wehrsteine entlang der alten Straße nach Löffingen gerichtet.

Für manche mögen es nur Steine sein. Für die, die ihre Bedeutung kennen, ist jeder einzelne ein schützenswertes Denkmal. Gemeint sind die Wehrsteine entlang der alten Straße von Bonndorf über Boll, das Obere Dietfurt, Reiselfingen nach Löffingen. Friedbert Zapf, Vorsitzender der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Bonndorf, hat ihre Herkunft und Bedeutung recherchiert, sich mit anderen Mitgliedern auf die Suche nach herausgerissenen und abgerollten Wehrsteinen gemacht und diese wieder eingesetzt. Gefördert wurde die Aktion durch den Naturpark Südschwarzwald.

Einst führte eine uralte Fernstraße vom Hochrhein über Bonndorf und Reiselfingen in Richtung Hüfingen zum oberen Neckerraum. Diese Straße überquerte die Wutach bei der Unteren Dietfurt. Erstmals wird dort 1614 eine Brücke erwähnt. Dass im 16. Jahrhundert schon zwischen Bonndorf und Löffingen eine Straße bestand, auf der landwirtschaftlichen Erzeugnisse vom Löffinger Furchtmarkt nach Schaffhausen und Zurzach transportiert wurden, davon zeugen Urkunden aus dem Fürstlichen Fürstenbergischem Archiv.

Die Brücke an der Unteren Dietfurt wurde jedoch im Lauf der Jahre mehrfach zerstört. Da die Wutach bei Boll die Hoheitsgrenze zwischen den Gebieten von Fürstenberg und der Grafschaft Bonndorf bildete, waren nach einer abermaligen Zerstörung der Brücke 1778 durch ein Hochwasser, langwierige Verhandlungen notwendig, bis sich alle Seiten auf einen Wiederaufbau einigen konnten. Man kam überein, die Brücke an einem neuen Standort an der Oberen Dietfurt zu bauen.

Dadurch wurde aber auch der Bau einer neuen Straße erforderlich. Von Reiselfingen durch die „Finstersteig“ trug Fürstenberg die Kosten von 550 Gulden. Die Kosten von Boll bis hinunter zur Brücke (1175 Gulden) musste die Grafschaft St. Blasien übernehmen. Da sich nach Ansicht der Fürstenberger der Handelsverkehr über diese Brücke zum Nachteil der Straße über Hüfingen und den Randen entwickeln könnte, verlangte Fürstenberg, dass die Brücke für Frachtfuhren verschlossen bleibt. Erst als dieser Streit beigelegt wurde, konnte 1785 mit dem Bau der Brücke begonnen werden, im folgenden Jahr war sie bereits vollendet.

Das Problem der neuen Straße war, dass sie ein großes Gefälle aufwies. So kam es, dass diese Straße als der gefährlichste Handelsweg im Großherzogtum Baden galt. Waren doch zwischen der Reiselfinger Höhe und dem Oberen Dietfurt 13 bis 24 Prozent, bis Boll 16 bis 18 Prozent und bis Bonndorf 11 bis 12 Prozent an Gefälle und Steigungen zu bewältigen. An den gefahrvollen Steilstrecken wurden seitlich des Weges im Abstand von zirka drei Metern so genannte Wehrsteine gesetzt, welche ein Abstürzen der Fuhrwerke verhindern sollten.

Als im Jahres 1857 die Wutachbrücke eine Hauptreparatur benötigte, kam deshalb erneut die Frage auf, ob es nicht besser sei, eine neue Brücke zu bauen, dieses Mal an einer Stelle, wo auf die Bedürfnisse der Fuhrwerke mehr Rücksicht genommen werden könnte. Mit dem Bau der neuen Route über die Schattenmühle wurde 1872 begonnen und 1876 vollendet, nachdem 1875 und 1876 mehrere Rutschungen eingetreten und wiederhergestellt waren.

Die alte Straße vom Rathaus Bonndorf über Boll bis zur Straße bei Reiselfingen wurde indes aufgegeben. Heute führen nur noch Fußwege des Schwarzwaldvereines (Querweg Freiburg – Bodensee) zur alten Dietfurt.
Quelle: Badische Zeitung, 28.11.2001
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