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19.11.2017
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Lexikon

Eingeschlagene Nägel
erfasst von Redaktion 

Heute stiftet ein mittlerweile fast vergessener Brauch Verwirrung; die in Steinkreuze, Säulen und Grenzsteine eingeschlagenen Nägel. Dabei ist die Suche nach der Antwort längst selbst Geschichte.

Als 1907 ein vergrabenes Wappen mit eben solchen eingeschlagenen Nägeln gefunden wurde, war es Anlaß genug, daß Kurat Frank einen Aufruf zur Lösung dieses Rätsels machte.

Hier nur einige der mehr oder weniger seriösen Interpretationen: Es soll vielleicht einen Gutsherrn daß Wappen zum Zeichen der Schmach vernagelt worden sein. .. Es soll ein Zeichen der Tapferkeit und eiserne Beharrlichkeit sein. .. .. Bei Rodenbrunn (Altdorf, Mtfr.) stand vor dem Kriege an einem Fußpfad ein Holzpfahl, etwa 1 m. hoch, in welchen gewohnheitsmäßig Vorübergehende aus unbekannten Gründen Kupfermünzen einschlugen. .. .. Vielleicht wollte man mit dem Einschlagen Krankheiten "vertragen" .

Wie nah der Kaufbeuerer Kurat Frank an des Rätsels Lösung war, schien er nicht geahnt zu haben, denn ein Jahr später schrieb er: Nägel in Steinkreuzen: ..Die Ursache dieser Sitte ist noch nicht erklärt.

Was Raich entgangen war, bereits 1895 hatte F. Grabowsky eine Antwort auf die "Nagelungen":

Die benagelte Linde auf dem Tumulus in Evesen

In den Stamm derselben sind nämlich eine Menge Nägel verschiedenster Form, alte und neue, selbst moderne Drahtnägel eingeschlagen, und hörten wir von einem Bewohner Evessens, daß in früheren Zeiten Handwerksburschen auf der Durchreise einen Nagel in der Linde einzuschlagen pflegten. Wir haben es hier also mit demselben Gebrauch zu thun, durch den der "Stock im Eisen", eines der Wahrzeichen der Stadt Wien, besonders bekannt geworden ist, denn daß er gar den Namen davon bekommen hat, scheint nach den neuesten Forschungen in Frage gestellt zu sein.

.. Nur die vordere Seite ist mit mehreren Tausend dicht nebeneinander eingeschlagenen Nägeln bedeckt, die in weiteraus überwiegender Zahl eine große Gleichartigkeit zeigen. 1533 ist derselbe urkundlich zuerst erwähnt, aber von einer Benagelung desselben wird 1789 zuerst gesprochen; dieselbe soll im wesentlichen in kurzer Zeit vollendet gewesen und in unserem Jahrhundert nur wenige Nägel hinzugekommen sein. .. .. Die Gewohnheit, Nägel in einem Baum zu schlagen, ist nun eine alte und weit verbreite; sie beruhte auf dem Glauben, daß man sich damit von gewissen körperlichen Übel befreien könne, indem man sich dachte, das jeden Baum, jeden Berg, jede Quelle ein schützendes höheres Wesen einnehme. .. ..

Unger weist darauf hin, ..heutigentags in Kroatien, Galizien und Italien frei am Wege stehende hölzerne Kreuze benagelt werden, wobei bisweilen auch Zähne statt der Nägel gebraucht werden. Auf dem Prager Hradschin stand angeblich noch vor nicht allzulanger Zeit ein altes hölzernes Kreuz, das ganz mit Nägeln bedeckt war. Die benagelten Bäume sind also in ihrer Bedeutung nur andere Formen der Lappen- oder Fetzenbäume (und der Steinhaufen). "An ihnen wurden Fetzen vom Kleide als Votivgaben aufgehängt, man findet sie z.B. bei den Kelten Schottlands und den Schweden .. auch in Ägypten sind sie unter dem Namen der Marabutbäume bekannt und mit dem Fetzen, den man an sie knüpft, glaubt man alles Üble oder Krankheiten auf ihn zu übertragen. Ähnliches bereitet Mungo Park aus dem Reiche Wolli (Westafrika).

Auch in Asien, Indonesien und der Neuen Welt finden wir ähnliches verzeichnet.

Heute, fast hundert Jahre später, ist selbst unter "Insidern" dieser Aberglaube, der auch an Steinkreuzen betrieben wurde, fast vollkommen in Vergessenheit geraten. Dabei gibt es durchaus auch neuere Publikationen die sich dem Phänomen annehmen.

In der ehemaligen DDR wurden im Rahmen verschiedenster Arbeiten über Steinkreuze nochmals auf die hierzulande vergessenen "Nagelungen" hingewiesen.

1987 schreibt Gerhard Ost über ein Steinkreuz im Kreis Stadtroda: Jenaer Heimatfreunde wollten Nagelspuren entdeckt haben, in denen sogar noch Reste von Nägeln stecken sollten. Auch davon konnte ich nichts erkennen, ich hielt außerdem den harten Sandstein als "Nagelstein" in den Nägel zum Zwecke der Beschwörung eingeschlagen wurden, für ungeeignet.

Über andere "genagelte" Steine, wenn auch nicht direkt Steinkreuze, berichtet E. Riske:

"Schnellmannshausen, Kirchhofmauer: Nagelstein"

Unter der alten Dorflinde befand sich der Angertisch. .. 1933 wurde die Tischplatte an die Kirchhofmauer angelehnt und dann in diese eingefügt. ..

In der Platte erkennt man Nagelköpfe und einige verbogene Nägel. Diese rühren von dem alten Aberglauben her, daß Kranke, zum Angertisch gebracht, gesund werden, sofern sie einen Nagel in den Stein zu schlagen vermochten. Daß davon rege Gebrauch gemacht wurde, beweisen die verrosteten Nägel in der Platte. Diese Nagelsteine sind ebenfalls eine Seltenheit. Mir sind noch drei Stück bei Nordhausen bekannt. Bei Mühlhausen wurde die bereits im 13. Jh. Bekannte "St.Killianslinde" (gefällt 1857) genagelt. (Stätte des Flurgerichts). ..

.. in Süddeutschland

Interessanterweise findet sich dieser Brauch in Norddeutschland ebenso wie in Bayern oder Österreich. Der sog. Pfaffenwinkel (südlich von München) kennt alleine fünf solcher Kreuze. Leider existieren davon nur noch zwei.

Eines davon ist jenes bei Iffeldorf. Die Nägel finden sich an Stellen am Kreuz, an denen weder ein Zaun noch eine Tafel einst befestigt war. Sie sind mit Sicherheit nicht um des Gebrauchszwecks wegen ins Kreuz eingeschlagen worden, sondern dienten vielmehr dem beschriebenen Aberglauben.
Quelle: Jürgen Janku
Steinkreuz bei Iffeldorf
Steinkreuz bei Iffeldorf
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