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25.09.2017
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Lexikon

Totenbretter
erfasst von Redaktion 

Der Brauch Totenbretter aufzustellen, wird heute nicht mehr praktiziert.
Wenn es eine rote Liste der Kleindenkmale gäbe, so würden die Totenbretter wohl einen der ersten Plätze belegen. Schon wegen des vergänglichen Materials (Holz!) werden die letzten wohl nur im Schutz von Kirchen und Museen der Nachwelt erhalten bleiben.
Kurz nach der Jahrhundertwende schrieb Schnetzler einen sehr ausführlichen Artikel zu diesem Denkmal, der bis heute aktuell, hier in Auszügen wiedergegeben wird.

Was es ist
Unter Totenbrett versteht man kurz gesagt im engeren Sinn ein in der Hauptsache aus einem Brett bestehendes Denkmal an einen Verstorbenen (eigentliches Totenbrett), im weiteren Sinne ein Brett, das zur Aufbahrung einer Leiche gedient hat. ..

Wie es entstand und was es will
Mit dem Leichnam machte man in früheren Zeiten wenig Umstände. Man wickelte ihn nach uralter Sitte in ein Leinentuch, nähte dies zusammen und legte ihn auf ein Brett, auf welchem er zum Grab gebracht und in daselbe hinuntergelassen wurde. ..

Es diente einem doppelten Zweck:


  • Zwischen zwei Stühlen oder auf eine Bank gelegt, bahrte man auf ihm
    die eben erstarrte Leiche bis zum Begräbnis auf;

  • fuhr oder trug man sie auf dieser Unterlage festgebunden zum Friedhof. Dort
    ließ man entweder

    • mit und auf dem Brett ins Grab hinunter, oder

    • schob ihn, die Füße voraus, auf dem Brett schief in die Grube,
      löste die Fesseln und zog es wieder hoch, so daß der Leichnam
      langsam von seiner Unterlage auf den Grabboden rutsche.




.. Wenn das Bahrbrett nicht mit ins Grab wanderte, aber dem Toten
gegenüber seine Schuldigkeit getan hatte, wurde damit in verschiedener
Weise verfahren:



  • Man verbrannte es.

  • Man beließ es nach dem Begräbnis im Friedhof.

  • Man verbrachte es irgendwohin ins Freie und überließ es als zu
    profanen Zwecken fernerhin unbenützbar sich selbst.

  • Man hob es für weitere Todesfälle auf.

  • Man gestaltete das Aufbahrungsbrett zum christlichen Errinnerungszeichen an
    den Verstorbenen - zum eigentlichen Totenbrett. ..



Wo man es kennt

(1911!) .. In Bayern ist das Totenbrett bis jetzt in den Regierungsbezirken Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken und Schwaben festgestellt. ..
Außerhalb Bayerns wird die Existenz des Totenbrettes bestätigt in der Schweiz (Züricher-, St. Gallener- und Appenzeller-Land) und Österreich. Hier treffen wir Denkmalsbretter in Tirol und Oberösterreich. In Böhmen reichen Sie, ebenfalls an das bayerische Totenbrettergebiet .. .

Wie es aussieht
Die Beschaffenheit und Beschaffung des Aufbahrungsbrettes war eine sehr einfache. ..
Bevor das Brett aus dem Hause geschafft wurde, schnitt, brannte oder zeichnete man gewöhnlich auf die Seite, wo der Tote niedergelegt war, drei Kreuze. Das war die Urform des Totenbrettes.
Dann kamen die Anfangsbuchstaben des Namens und das Todesjahr des Verstorbenen hinzu. ..

Der Handwerksmann beließ es nicht beim alten. Er hob an es zu verfeinern. Zunächst hobelte und säumte er nur das Brett. Dann gings über die Form. Die Ecken fielen. Oben, wo der Kopf des Verlebten geruht hatte, wurde es abgerundet; die langen Seitenkanten erhielten Einkerbungen usw. usw. Einer verkleinerte das Brett bis auf 80 cm, andern war eins von 2 m Länge viel zu kurz.

Die Inschriften, die nach und nach umfangreicher wurden, malte der Meister, mit deutlichen Buchstaben in Druckschrift auf das vorher gefärbte Brett. Un da er nun doch einmal über die Farben geraten war, fügte er mit dem Pinsel allerlei Schönes und Sinniges hinzu, je nach persönlichen Geschmack und Künnen und - nicht zu vergessen - nach dem Geldbeutel des Bestellers.
Quelle: Schnetzler, H.: "Das Totenbrett", in "Deutsche Gaue", Kaufbeuren, 1911, S. 16ff
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