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25.06.2017
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Lexikon

10. Die Symbole
erfasst von Redaktion 

Auf den Grabsteinen jüdischer Friedhöfe findet sich eine Vielzahl von Symbolen. Insbesondere zeichnen sich die Begräbnisplätze des osteuropäischen Judentums durch ihre reiche Bilderwelt aus. Im deutschsprachigen Raum sind die Darstellungen weniger variantenreich.
Doch gibt es eine Reihe von Zeichen und Symbole, die im gesamten Judentum verbreitet sind. Die jüdische Religion verbietet die Abbildung menschlicher Gestalten, sie sind daher auf Grabsteinen nur sehr selten zu sehen. Als Ornamente finden sich häufig Pflanzenmotive, Tiere, mit dem Kult oder dem Beruf des Verstorbenen verbundene Gegenstände und auch allgemeine Symbole des Todes wie sinkende Schiffe, verlöschende Fackeln, abgeknickte Blumen, abgebrochene Bäume oder Säulen.
Viele dieser letztgenannten Zeichen finden sich auch auf christlichen Friedhöfen, wurden von dort im Rahmen der Emanzipation und der Assimilierung übernommen. Sie entstammen oft der antiken Vorstellungswelt und wurden durch den Klassizismus allgemein beliebt. Da die Frauen keine allgemeinen Aufgaben im religiös-rituellen Bereich wahrnehmen durften und auch keine Berufe ausübten, finden sich auf ihren Steinen keine funktional bezogenen Symbole, mit Ausnahme des Leuchters als Hinweis auf die Schabbatlichter, die von der Frau entzündet werden.Diese Darstellung ist jedoch weitgehend auf Osteuropa begrenzt.

Die rein jüdischen Symbole und Ornamente nehmen Bezug auf Herkunft und Funktion der Verstorbenen. Zeichen, die sich eher auf Vergänglichkeit, Leid, Tod oder auch das Leben beziehen, finden auf Grabsteinen weniger Verwendung. Die Welt dieser Symbole und Ornamente ist von der der klassizistischen ganz verschieden.
Alles bleibt auf das Leben der Verstorbenen bezogen, mehr oder weniger individuell. Die im christlich-bürgerlichen Bereich einsetzende Rückbesinnung auf das Erbe der Antike brachte bei der Symbolik einen einschneidenden Wandel. Viele dieser Symbole sind universeller Art, das Leben, den Tod allgemein darstellend: Ehrenkränze, Sanduhren, Genien, nach unten zum Verlöschen gerichtete Fackeln, Efeuranken, Urnen, Schmetterlinge, gebrochene Säulen.

Das Zeichen der Priestergräber sind die segnenden Hände mit den gespreizten Fingern, bei denen Daumen und Zeigefinger sich berühren. Genau genommen handelt es sich bei den Bestatteten nicht um Priester, sondern um Nachkommen der Priesterschaft aus der Zeit des Tempels (die Zugehörigkeit ist erkennbar an Namen wie Kohn, Kahn, Katz etc.).
Mit erhobenen Händen segnen die Kohanim die Gemeinde mit dem "aronitischen SegenEs segne dich der Ewige und behüte dich, es lasse der Ewige sein Antlitz dir leuchten und gebe dir Gunst, es wende der Ewige sein Antlitz dir zu und gebe dir Frieden ... und sie sollen meinen Namen auf die Kinder Israels legen, und ich werde sie segnen.", einstmals täglich im Tempel, heute beschränkt auf Festtage und feierliche Anlässe.
Doch seit der Zerstörung des Tempels üben sie keine weiteren kultischen Handlungen mehr aus. "

Die Gräber der Leviten, der Priestergehilfen, werden durch einen Krug bzw. eine Kanne, die Levitenkanne, symbolisiert. Die Leviten hatten im Tempel u.a. Reinigungsaufgaben wahrzunehmen. Ihre Nachkommen tragen oft Familiennamen wie Levi, Lewin, Löwe, Löwenthal o.ä. Die Kanne, auch in Verbindung mit einer Wasserschale, wird in verschiedenen Varianten dargestellt.

Der Davidstern, ein altes Symbol, das aus verschiedenen Kulturen bekannt ist, diente seit alters her als magisches Zeichen. Im Mittelalter nahm die Prager Gemeinde den Stern als Zeichen in ihr Wappen auf. Seit dem 18. Jahrhundert wird er zu dem Symbol des Judentums und kennzeichnet fortan viele Grabsteine.

Die abgeknickte Blume oder der Baumstumpf sind auch im Judentum Symbole für die Endlichkeit des Lebens; oft auch ein Zeichen dafür, daß der Verstorbene aus der Blüte seines Lebens gerissen wurde. Diese Symbole finden sich auch auf christlichen Friedhöfen, von denen sie wohl übernommen wurden.

Die Rabbiner oder Lehrer werden mit einem Buch als die Schriftgelehrten gekennzeichnet. Hin und wieder findet sich dieses Symbol auch bei Kantoren.

Den Schreiber der Tora kennzeichnet eine Hand, die den Gänsekiel hält, aber auch Bücher.

Die Krone ist das Zeichen der Tora. Die Torarolle in der Synagoge ist entweder mit zwei kleinen oder einer großen Krone geschmückt. Die Krone kann aber auch das Oberhaupt einer Familie bezeichnen. Häufig wurde sicherlich an einen Vers aus den Sprüchen der Väter gedacht: "Drei Kronen können den Menschen zieren: die Krone der Tora, des Priestertums, des Königtums, aber die des guten Namens überragt alle drei

Ein Messer auf dem Stein zeigt an, daß der Verstorbene das ehrenvolle Amt des Mohels, des Beschneiders innehatte. Manchmal ist auch eine Hand zu sehen, die das Messer hält.

Die Rose ist kein rein jüdisches Zeichen. Sie findet sich sehr viel auch auf christlichen Grabsteinen. Häufig markiert sie das Grab eines früh verstorbenen Mädchens. Die Rose spielt in ihrer symbolischen Bedeutung eine besondere Rolle. Sie ist auch eines der häufigsten Motive auf vielen Gegenständen jüdischer Ritualkunst wie Chanukka- und Schabbatleuchter.

Das Grab einer Frau schmückte man oft mit einem Leuchter, denn es gehört zu den Aufgaben der Frau, die Schabbatlichter zu entzünden. Auf vielen osteuropäischen Friedhöfen hatten die Frauen wie in den Synagogen eigene Bereiche. Bei einem Mann dachte man sicherlich an den Vers: "Eine Leuchte Gottes ist die Seele des Menschen

Der Schmetterling gilt als Zeichen der Vergänglichkeit, des flüchtigen Lebens, symbolisiert aber auch die Unvergänglichkeit, die Verwandlung zu einem neuen Leben. Von seinem Ursprung her ein antik-hellenistisches Symbol, wurde es im späten 18. Jahrhundert wieder beliebter. Der Schmetterling als Sinnbild der Psyche symbolisiert die in verschiedenen Metamorphosen beständige "unsterbliche

Der Mann, dessen Grabstein mit einem Schofarhorn geschmückt ist, blies zu Neujahr und zum Versöhnungsfest das Schofar. Es ist eine schwierige Aufgabe, zugleich aber eine große Ehre.

Zwei schnäbelnde Tauben gelten als Zeichen inniger Liebe.

Das Tier steht häufig für die Versinnbildlichung des Vor- bzw. des Familiennamens der Verstorbenen. Der Löwe ist das Namenszeichen für Ari und Loeb (Leib), der Hirsch für Zwi und Hersch, der Bär für Dow und Ber und die Taube für Jona.

Der Weinstock oder die Weinreben symbolisieren ein erfolgreiches Leben des Verstorbenen.

Ein in der jüdischen Kunst häufig anzutreffendes Motiv, die "Tafeln des Bundes" die Doppeltafeln, die für die Zehn Gebote stehen, sind allerdings auf Friedhöfen selten zu finden. Sie sind ursprünglich ein Element der christlichen Kunst des Mittelalters. Im Christentum ist der Gedanke beliebt, die "Gebotealter Bund" Judentum). Man sieht hier jedoch, wie christlicher Einfluß und der Wunsch, auf die Allgemeingültigkeit dessen zu verweisen, was das Judentum der Welt gegeben hat, die "Tafeln des Bundes

Es ließen sich weitere Symbole aufführen, die z.T. nur eine enge regionale Verbreitung gefunden haben wie die Sanduhr auf den Grabsteinen von Amsterdamer Juden. Die Friedhöfe des bürgerlichen deutschen Judentums, vor allem in den größeren Städten, zeigen von der Mitte des 19. Jahrhunderts an vielfach die gleichen Motive wie auf christlichen Friedhöfen. Die ursprünglich jüdische Grabmalskunst ist dadurch weitgehend aufgehoben worden.

Auf jüdischen Friedhöfen selten anzutreffen sind vollplastische Darstellungen, zumal von Menschen. Sie sind im religiösen Bereich selbst bei refomerischen und assimilierten Kreisen des 19. Jahrhunderts eine Ausnahme.
Erste Auseinandersetzungen, ob es erlaubt sei ein Bild oder eine Fotografie des Verstorbenen am Grab anzubringen gab es bereits im 19. Jahrhundert. Die liberalere Auslegung hatte keine Probleme mit ihrer Zustimmung, da das Bild nur dazu diene, das Gedächtnis des Toten lebendig zu halten.

Die Großplastik bleibt jedoch auf jüdischen Friedhöfen stets etwas außergewöhnliches, sieht man einmal von so weltstädtischen Friedhöfen wie Wien oder Budapest ab. Doch finden sich auch auf wenigen Friedhöfen Nordrhein-Westfalens eindrucksvolle plastische Darstellungen. Auf dem Friedhof zu Münster findet sich ein auch auf christlichen Friedhöfen verbreitetes, der industriellen Produktion entstammendes Motiv:
eine junge Frau, die sich auf eine gebrochene Säule aufstützt. Die Friedhöfe in Düsseldorf, Dortmund und Krefeld weisen dagegen einige individuelle Auftragsarbeiten auf. Bekannte Künstler wie der Dortmunder Benno Elkan (1877-1960) und Leopold Fleischhacker haben dort ihre Spuren hinterlassen.
Quelle: Quelle: http://www.pomoerium.de/archiv/varia/ridder1.htm
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