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27.05.2017
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Lexikon

9. Der Aufbau einer Inschrift
erfasst von Redaktion 

Nach dem Hinweis auf den Ort, das Grab, den Stein folgt die Angabe, ob es sich bei dem Begrabenen um eine Frau oder einen Mann handelt. Es folgt dann die Eulogie, die Lobrede, die unterschiedlich lang und ausführlich sein mag. Sie kann sich auf zwei Worte beschränken, kann aber ebenso zehn Zeilen lang sein.
Wenn auch die Lobreden für herausragende Frauen nicht ganz so lang ausfallen wie für solche Männer, so kommen die Frauen insgesamt nicht zu kurz. Nach der Eulogie folgt die namentliche Nennung des Verstorbenen.
Frauen werden über die Väter, und wenn verheiratet, über ihre Gatten bestimmt, bei den Männern wird nur der Name des Vaters angegeben. Da fast allen Toten, und nicht nur den angesehensten in der Gemeinde, Grabsteine gesetzt wurden, läßt sich aus den Inschriften der Steine eines Friedhofs häufig die Zusammengehörigkeit wieder rekonstruieren. Doppelgräber für Mann und Frau bzw. Familiengruften werden erst seit dem 18. Jahrhundert häufiger. Die Beifügung der Väter- resp. Gattennamen war wichtig in einer Zeit, da die Juden noch keine Familiennamen trugen.
Diese wurden in Preußen erst nach 1808 gesetzlich vorgeschrieben. Mit dem Aufkommen von deutschen Inschriften fällt die Definition über den Namen des Vaters fort. Es wird neben dem Vornamen der Familienname genannt.

Die noch bekannte christlich-bürgerliche Sitte zu schreiben: Frau August Meier, geb. Gans findet sich selbst bei sehr stark assimilierten Juden nur selten, zumindest wird der Vorname beim ursprünglichen Familienname mitgenannt: Frau Salomon Windmüller, Egline geb. Oster.

Zweisprachige Inschriften auf den Steinen geben gerade bei Frauen oftmals einen kleinen Einblick in die Privatsphäre. In der hebräischen Inschrift findet sich im Text die häuslich-familiäre Ruf- oder Koseform des Namens, während in den deutschen Inschriften sich stets der korrekte offizielle Namen findet.

Nach der Nennung des Namens wird das Todesdatum eingefügt. Es ist altjüdischer Brauch, die Toten so schnell wie möglich zu bestatten. Man wollte mögliche Gefahren durch die Verwesung, vor allem in heißen Klimazonen, vermeiden, machte es aber auch wegen der Ehre der Verstorbenen, die ein "Übernachtenlassen

Das Datum des Todes ist in der hebräischen Inschrift selbstverständlich ganz nach dem jüdischen Kalender geschrieben. Eine Nennung des Geburtsdatums war früher nicht üblich. Mit der allmählichen Verbreitung einer deutschen Inschrift auf den Steinen wird wie selbstverständlich das bürgerliche Datum verwendet, wobei auch das Geburtsdatum genannt wird.

Das Schema der Inschrift schließt auf jeden Fall mit einer Segensformel ab, die kurz oder lang ausfallen kann. Von vielen im Mittelalter üblichen Varianten, ist nur eine, die schon erwähnte, übrig geblieben: "Ihre/seine Seele sei eingebunden in den Bund des Lebens

Über die Jahrhunderte hinweg sind die Inschriften keineswegs immer gleich geblieben. Sie haben sich in ihrem Stil den Zeitläufen angepaßt, waren knapper und nüchterner im Mittelalter als im wort- und ruhmesreichen Barock und nahmen mit Beginn des 19. Jahrhunderts an Länge und Formulierungskunst wieder ab. Bei aller Formelhaftigkeit dringt aber immer wieder die ganz persönliche Trauer, die Liebe und das Lob auf den Verstorbenen durch die Texte hindurch.

Die Friedhöfe in Westfalen und am benachbarten Niederrhein verfügen nicht über die Fülle und Vielfalt kunstvoller Inschriften wie die alten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit und Frömmigkeit in Osteuropa. Doch findet sich auch hier viel Interessantes und Beachtenswertes; und Geschichten könnten sie alle erzählen.

Die Formel:

Dies ist der Gedenkstein von...
Dieses Mal zu Häupten...

Hier ist begraben (verborgen)...
eine angesehene,..., Frau...
ein gottesfürchtiger,..., Mann...

(es folgt die Lobrede)

Es ist Herr/Frau...
Name..., Tochter des Herrn..., Gattin des Herrn... oder Gattin des..., Tochter des.../der... Name..., Sohn des Herrn...
Er/Sie ging hin in seine/ihre Welt (Ewigkeit) am...
Er/Sie starb am...
Gestorben und begraben am...

Hier ist verborgen
Der Toragelehrte Herr Jizchak,
Sohn des Toragelehrten Schlomo Zvi Hakohen
Geboren am Ausgang des Schabbat, dem Zweiten Tag Neujahr 571
Eingegangen in seine Ewigkeit am 4. Tag Mittwoch, dem Vorabend des
Neujahrs 646 und Begraben am 1.Tag Sonntag
Guten Lohn hat sein Wirken und Hoffnung gibt es für seinen Jüngsten Tag
Wohltätig war er, Grosszügigen HERZENS, seiner Seele zum Verdienst
Gutes vergalt er seiner Gefährtin, der Gerechten, der Gattin seines Bundes
Die Versammlung seiner Gemeinde und der Stadt seines Wohnsitzes leitet er in rat und Weisheit
Einen Namen, Besser als Söhne und Töchter, erwarb er sich zur
Ehre seines Schöpfers
Dem Lehrer-Seminar zu Köln stiftete er segen aus seinem Vermögen
mit seiner Kehle ehrte er den Herrn in Chören mit Lauterer und Reiner Zunge
Früh und spät am jedem Tag setzte er zeiten fest zum Studium der Lehre
Die Krone der Tora, des priestertums und des guten namens waren
auf seinem haupte in wohlgefallen stets verbunden
die lieblichkeit seines Wohltuns stehe uns bei in alle ewigkeit
seine seele sei eingebunden in das bündel des Lebens

Hier ist verborgen
die angesehene und fromme frau, frau esther, tochter des herrn
jehuda hakohen, gattin des toragelehrten Herrn jizchak hakohen
sie stieg auf zur höhe am 17.schewat 654
gattin eines kohen, zierde IHRES gatten - hoffnung gibt es für ihren jüngsten tag
es trauerten und klagten die vorübergehenden: wir alle haben mit ihrem
verlust verloren
alle tage des lebens erwies sie dem gatten ihrer jugend gutes
hungrige sättigte sie mit brot, verbitterte erquickte sie mit dem
honig ihrer worte
sie wußte ihrem schöpfer wohlgefällig zu sein mit ihrem gebet morgens
wie abends nach brauch und sitte
das haar ihres hauptes verbarg sie züchtig, dass es sich nicht
beim ausgehen zeigte
goldgeschmeide und silberreif stiftete sie, um die säulen der tora zu stützen
geschlecht um geschlecht soll ihre taten loben, ihr lob werde mit
lauter zunge verkündet
sie errichtete sich zeichen und namen in den toren, von der halacha
ausgezeichnet
als kohenet geboren, ward sie einem kohen zugeführt, darum auch sind ihre hände zum segen ausgebreitet
siehe ebenso wird sie gesegnet sein und ihr verdienst auf alle
ewigkeit bestehen
die lieblichkeit des ewigen erschaue sie und tue uns allen fürsprache in den
himmelshöhen
ihre seele sei eingebunden in das bündel des lebens
Quelle: Quelle: http://www.pomoerium.de/archiv/varia/ridder1.htm
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