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19.11.2017
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Lexikon

6. Die Grabsteine
erfasst von Redaktion 

Die ältesten erhaltenen Grabsteine waren nur mit hebräischen Zeichen versehen, die den Namen und das Datum der Errichtung überliefern. Zusätzliche Symbole kamen in der Barockzeit auf, als die Grabsteine reicher und aufwendiger wurden.

Die frühesten erhaltenen Grabsteine stammen aus dem 12. Jahrhundert. Sie präsentiern sich in der Form eines Rechtecks, gelegentlich mediterraner Tradition folgend, mit leicht angedeuteter Dachaufsattelung der Oberseite, mit einem unter Belassung eines Rahmenbandes vertieften Schriftfeld, in das die hebräische Schrift wiederum vertieft eingeschlagen war.
In seltenen Fällen genügte eine Steinritzung zur Markierung des Rahmens. Die Grabsteine zeigen also eine äußerst knappe, kunstlose Ausformung. Das vertiefte Schriftfeld erscheint gelegentlich schon im 12. Jahrhundert nach oben abgerundet, wenig später in der Form eines Halbkreises.

Die obere halbrunde Rahmung des Schriftfeldes wird zur oberen halbrunden Form des Steines entwickelt.
Dieser Typus bleibt für alle folgenden Zeiten erhalten, zumindest aber bis ins 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wird der rundbogige Abschluß im Ansatz symmetrisch eingezogen, so daß der Halbkreis gegenüber dem hochrechteckigen Schriftfeld des Steines in Umriß und Rahmung akzentuiert erscheint. Dieses Halbkreisfeld dient alsbald der Darstellung der verschiedenen Symbole.
Es kann als Kreissegment oder als gestelzter Halbkreis erscheinen.

Diese oben rund ausgeformten Grabsteine wurden häufig als die "romanischen elt es sich um schlichte, archetypische Formenbezüge. Der Halbkreis ist das Abbild des Himmels über uns. Diese Form des Grabsteins verbindet den im Erdreich liegenden Toten mit dem Himmel, in dem sein Gott wohnt. Sie ist Ausdruck einer Endzeithoffnung.

Zwar bleibt die Grundform des Grabsteins bis weit in das 19. Jahrhundert hinein allgemein verbreitet, doch können auch hier bei der künstlerischen Gestaltung die zeittypischen Strömungen festgehalten werden.
Die noch im 16. Jahrhundert in knappem bildhauerischen Relief im Gegensatz zur Schrift erhabenen Grabsymbole der Juden wurden im 18. Jahrhundert in der Vielfalt der Motive erweitert. Es tritt der Löwe hinzu, eine Anspielung auf Juda, den Vater des wichtigsten israelitischen Stammes, den Jakob als Löwe geschaut hatte. Jetzt wird die Krone als Zeichen des guten Namens dessen, zu dessen Haupt und Ehre der Stein aufgestellt wurde, von einem gegenübersitzenden, aufgerichteten Löwenpaar getragen. Es symbolisiert die Glaubensstärke.

Der zunächst knappe Rahmen ist bei gleichbleibender Grundform des Steines die einzige Ansatzmöglichkeit einer künstlerisch-bildhauerischen Gestaltung. Im 18. Jahrhundert ist es das zeitgenössische Rocaillewerk mit plastischen Voluntenformen, das einen reliefierenden Rahmenschmuck bildet.
Zum Ende des Jahrhunderts treten plastisch reliefierende Fruchtgehänge auf. Rocaillewerk, Volunten und Fruchgehänge sind Formen, die auch in der christlichen und profanen Kunst weite Anwendung finden.


Schon vereinzelt im 17. Jahrhundert, dann aber mit stark zunehmender Tendenz werden die archetypischen Inschriftsteine stärker bildhauerisch dekoriert. Die seitlichen Rahmenbänder werden als Pilaster oder als Säulen gestaltet, die Bogenfelder mit bildnerischem Schmuck, mit symbolischen Ornamenten gebildet.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts werden die jüdischen wie die christlichen Grabsteine wieder spartanisch einfach. Diese Tendenz entspricht dem zeitgenössischen Stil, dem Klassizismus, der sich gegen alles Barocke, gegen die durch Üppigkeit verwilderten Formen wendet. Die Rückbesinnung auf die Urform der Kunst bringt den Archetyp des jüdischen Grabsteins wieder stärker zum Vorschein:
den Inschriftenstein mit dem eingezogenen Rundbogen als oberen Abschluß und Bekrönung.

Die Emanzipationsbestrebungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden auch in der Grabmalskunst einen unmittelbaren Ausdruck. Viele der aus dieser Zeit erhaltenen Grabsteine zeigen eine mehr oder weniger den christlichen Steinen angepaßte Form. Sie erhielten vor allem in den Städten die denkmalhaften eben und die antikisierende oder gotisierende Stele mit entsprechenden Verdachungsprofilen aus der christlichen Tradition.

Da den Juden die handwerklichen Berufe erst im 19. Jahrhundert geöffnet wurden, mußten sie über Jahrhunderte ihre Grabsteine meist bei nichtjüdischen, christlichen Steinmetzen anfertigen lassen.
Der Auftraggeber hatte dafür zu sorgen, daß die Verbote seines Glaubens und die Wünsche seiner Väter genau beachtet wurden. Deshalb ist die Kunst, wenn sie zur Anwendung kam, stilistisch identisch mit der allgemeinen Kunst. Sie ist nur dem Inhalte nach anders als die christliche Kunst.

Es ist jedoch nicht die Kunst, die den Denkmalschutz für die Friedhöfe begründet, sondern die besondere Kultur, die religiös begründete Sitte, die in jedem Friedhof anschaubar und erlebbar wird.
Quelle: Quelle: http://www.pomoerium.de/archiv/varia/ridder1.htm
Grabsteindetail
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