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27.06.2017
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Lexikon

2. Die Ausbildung einer öffentlichen Begräbnisstätte
erfasst von Redaktion 

Vor dem Entstehen von öffentlichen Friedhöfen gab es bereits Familiengräber. Die Bestattungen fanden meist in Höhlen und unterirdischen Grotten statt. Manchmal wurden diese auch künstlich in die Felsen geschlagen.
Die als Grabkammern dienenden Höhlen und Grotten waren oftmals in verschiedene Räume eingeteilt, die Nischen für die Toten enthielten. Die Grabstätten wurden einerseits waagerecht in mehreren Reihen übereinander in die Felsen gehauen oder senkrecht in den Felsboden. Man unterscheidet demnach Schiebegräber von Senkgräbern.
Daneben gab es Bankgräber, bei denen die Toten auf bankartigen Erhöhungen zur Ruhe kamen.
Die Nischen und Eingänge zu den Grotten wurden durch Steine verschlossen, die durch einen steinernen Riegel gehalten wurden.
Damit sollten Grabräuber, aber auch Tiere ferngehalten werden; auch wollte man Ansteckungen durch Leichengifte ausschließen. Daneben spielte sicherlich auch die Angst vor Geister und Dämonen eine Rolle.

Ein solches Familiengrab war jedoch eine teure Angelegenheit. Der Boden mußte gekauft, die Grabkammern hergerichtet werden. Arme und Fremde konnten sich dies alles nicht leisten. Da es aber heilige Pflicht ist, die Toten zu begraben,
muß es schon frühzeitig öffentliche Begräbnisplätze gegeben haben. Dies sind wahrscheinlich die "Gräber der Söhne des Volkes" die der Prophet Jeremia (26,23) erwähnt.
In Jerusalem gab es sie im Kidrontal (II Könige 23,6). Daneben muß es auch Grabstätten für Hingerichtete gegeben haben, da sie nicht in Familiengruften begraben werden konnten (I Könige 13,22; Jesaja 53,9).
Diese "öffentlichen" Begräbnisplätze sind die eigentlichen Vorläufer unserer jüdischen Friedhöfe.

Beeinflußt durch das babylonische Exil entwickelten sich auch im Bestattungswesen bald neue Wege. Es gab die sehr alte Tradition, daß der Jude im heiligen Land seine letzte Ruhe finden sollte. Bis zum heutigen Tag ist es die traditionelle Überzeugung, daß man entweder auf seine alten Tage nach Erez Israel auswandert, um dort zu sterben, oder aber seine Gebeine dorthin überführen läßt.
Vielfach wird dem Toten stattdessen nur ein Säckchen mit Erde aus Israel in den Sarg gelegt. Um die hohen Überführungskosten zu senken und mögliche Gefährdungen beim Transport einer Leiche auszuschließen, begrub man die Toten zunächst am angestammten Wohnsitz. Nach der Verwesung der Leiche wurden die Gebeine ausgegraben, gereinigt und so nach Israel gebracht, um zur letzten Ruhe gebettet zu werden.

Mit der Zeit wurden auch diese Überführungen in das Land Israel immer schwieriger, doch die Sehnsuch in heiliger Erde begraben zu werden blieb unverändert stark. Schließlich wußte man sich zu helfen:
Die Juden glaubten, daß die in der Diaspora gestorbenen künftig auf unterirdischen Wegen in das Land Israel kommen werden (Midrasch Tanchuma Wajechi 3). Gott schafft solche Gänge, um die in der Diaspora Weilenden nicht zu benachteiligen.
Nun konnten auch außerhalb des Gelobten Landes Friedhöfe angelegt werden.

Die ältesten jüdischen Friedhöfe in Europa sind sicherlich die Katakombengräber in Italien. Sie führen aber in gewisser Weise die Tradition der Höhlengräber fort, auch wenn sie nicht als Familiengräber angelegt sind.
Die erste jüdische Katakombe in Rom wurde bereits 1602 vor der Porta Portese am Monte Verde entdeckt, dann war sie verschüttet und ist erst im 20. Jahrhundert wieder gefunden worden. Obwohl weitere Katakomben entdeckt wurden, ruhen wahrscheinlich noch viele unentdeckt unter der Erde.

Das jüdische Bestattungswesen im Mittelalter ist weitgehend unbekannt. Der Prager Friedhof stammt frühestens aus dem 9. Jahrhundert. In Mainz fand man Grabsteine eines vielleicht schon 1013 angelegten Friedhofs.
In Speyer erhielten die Juden, die dort 1084 von Bischof Rüdiger Wohnrechte zugesprochen bekamen, vom Bischof auch einen Friedhof zur Verfügung gestellt, der ihnen auf immer gehören sollte. Der Wormser Friedhof wurde 1076/77 errichtet, der älteste Grabstein dort stammt aus dem Jahr 1113. Auch in Ulm gibt es einen Friedhof, der ins 13. Jahrhundert zurückgeht. Viele andere Friedhöfe aus dem Mittelalter sind verschwunden.
Sie wurden Opfer der Pogrome, die immer wieder die jüdischen Gemeinden heimsuchten, wie z.B. während der Zeit der Kreuzzüge und der Pestjahre zwischen 1345 und 1350. In diesen Jahren fielen auch die bereits bestehenden jüdischen Friedhöfe Westfalens der Zerstörungswut anheim.

Als vom 16. und 17. Jahrhundert an viele Juden sich auch in den Städten niederlassen konnten, entstanden dort neue Friedhöfe. Von ihnen sind einige noch heute erhalten.

Friedhofszerstörungen und Vandalismus haben nicht nur im Mittelalter und zur Zeit des Nationalsozialismus die Gräber bedroht, sondern zu allen Zeiten bis zum heutigen Tag. Wenn es in früherer Zeit religiöse Motive waren, so gab es in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts bereits Vandalismus aus politischen Gründen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Quelle: Quelle: http://www.pomoerium.de/archiv/varia/ridder1.htm
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