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20.09.2017
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Lexikon

1. Zeugnis einer Kultur
erfasst von Redaktion 

Die Juden, der jüdischer Glaube, die jüdischen Gemeinden bildeten über Jahrtausende hinweg einen integralen Bestandteil der Kulturgeschichte, auch der europäischen. Ihr Status in der Geschichte schwankt von Jahrhundert zu Jahrhundert, sogar von Jahrzehnt zu Jahrzehnt:
Geachtet, geduldet, vertrieben, ermordert und wieder zurückgeholt. Wenn es die Umständen erlaubten, leisteten sie ihren Beitrag zur kulturellen Entwicklung, zur Kultur- und zur Wirtschaftsgeschichte der Staaten, in der sie lebten. Vor allem aber entwickelten sie eine eigene religiöse und soziale Kultur.

So alt das Judentum ist, so alt sind auch Anfeindung und Vertreibung, so alt aber auch die noch heute geltenden Gesetze und Bräuche des jüdischen Lebens: Gesellschaftliche Spielregeln ebenso wie hygienische und kultische Vorschriften.
Auf der Bibel fußend sind es die Traditionen der biblischen und nachbiblischen Zeit, die das Judentum geformt haben. Aus mündlichen Überlieferungen wurden Schriften, vor allem der Talmud, der im 5. Jahrhundert nach Christi niedergeschrieben wurde.

Neben den wenigen Synagogen, die all die Stürme, Hetzkampagnen und schließlich auch die sogenannte "Reichskristallnacht" ebten.

Friedhöfe als Bestattungsorte einer jüdischen Gemeinde hat es in biblischer Zeit nicht gegeben. Sie entwickelten sich erst später. Dagegen existierten schon immer Familiengräber. Es gab stets das Bestreben, mit den Vätern bzw. den Vorfahren im Tode vereint zu sein.
Als Bestattungsform ist seit ältesten Zeiten die Erdbestattung üblich. Sie steht im direkten Zusammenhang mit dem Glauben an die körperlich aufgefaßte Auferstehung.
Verbrennungen kamen nur in Pestzeiten vor. Selbst während der Phase der "Hochemanzipation" es bestehenden oder die Anlage eines eigenen Friedhofs.

Nach den Geboten der Halacha, der Sammlung von religösen Ge- und Verboten des Judentums, gehört jedem Toten der Boden auf ewig, in dem er begraben ist.
Die Ehre der Toten, die wehrlos sind, ist ein religiös-ethisches Gebot. Beschäftigt man sich mit den Grundlagen des Judentums, so wird einem schnell deutlich, wie sehr jedes Antasten eines Grabes, jedes Handanlegen an Grabsteine oder Friedhofsanlagen die Juden als Schändung, als Stören der unantastbaren Totenruhe empören muß. Dabei ist es zunächst gar nicht ausschlaggebend, ob dies ein Dummer-Jungen-Streich ist oder mehr.
Ist es aber eine bösartige Verwüstung, so muß im Geiste jedes jüdischen Bürgers die Erinnerung an die ganze Geschichte seiner Vorfahren und natürlich vor allem an die Greueltaten des Naziregimes auferstehen. An diese so schmerzliche Zeit wird er aber auch erinnert, wenn er vor einem ungepflegten Friedhof steht; wird ihm dort doch bewußt, daß es keine oder kaum Nachkommen der hier bestatteten Toten gibt, die die Einhaltung der Totenruhe ebenso gewährleisten wie die Pflege der Friedhofsanlage.
Ein jeder der einen Friedhof betritt, sollte sich vergegenwärtigen, daß der Ort, den er betritt, heiliger Boden ist. Von einem männlichen Besucher wird daher erwartet, daß er, wie in der Synagoge, eine Kopfbedeckung trägt.

Auf sehr alten jüdischen Friedhofsanlagen, wie z.B. den Gräbern im Kidrontal bei Jerusalem oder einzelnen Gräbern auf dem alten Prager Judenfriedhof, aber auch bei heute noch genutzten Anlagen bestehender jüdischer Gemeinden, wird die gesamte Fläche des Grabes durch einen liegenden Grabstein gekennzeichnet, um den stark verunreinigten Raum abzugrenzen. Insbesondere gilt dies für die Priester (Kohanim),
d.h. Nachkommen des Aaron, die besonders starken Reinheitsvorschriften unterworfen sind. Im Mittelalter zeigt sich, wohl auch durch die enge und bedrängte Situation der Judenstädte bedingt, der Trend, Grabsteine wie auf christlichen Friedhöfen senkrecht zu stellen. Da Friedhöfe ebenfalls aufgrund des Platzmangels oft mehrmals belegt werden mußten, was aber wiederum aufgrund talmudischer Bestimmungen nur mit einer Zwischenschicht von ca. 1 m Erde möglich war, ergibt sich dann das uns heutigen, nichtjüdischen Betrachtern meist seltsam anmutende wirre Bild jüdischer Friedhöfe.
Erst im 19. Jahrhundert, nach Emanzipation und Säkularisierung des Judentums in Mitteleuropa, finden wir Friedhöfe, die den zeitgleich entstandenen christlichen und kommunalen im wesentlichen entsprechen.
Quelle: Quelle: http://www.pomoerium.de/archiv/varia/ridder1.htm
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