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24.03.2017
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Lexikon

Grenzsteine
erfasst von Redaktion 

Mein und Dein, getrennt durch den Stein - Wissenswertes und Praktisches zu Grenzsteinen
Heinz Schmid

Bereits in der Antike, bei den Ägyptern, Griechen und Römern, taten Grenzsteine ihren Dienst. Es dauerte allerdings sehr lange, bis hierzulande entsprechende Markierungen eingeführt wurden. Anfänglich war das Gebiet nördlich der Alpen noch sehr dünn besiedelt. Zur Abgrenzung der Herrschaftsund Gemeindegebiete dienten damals natürlich topographische Gegebenheiten, wie Gewässer, Feuchtgebiete, Bergrücken oder landschaftsprägende Elemente im Zuge oder am Rande menschlicher Nutzung ' wie Straßen, Hecken, Raine oder Brachland.

Aktive Abgrenzung gegen den Nachbarn hielt mit den Lochen (Grenzbäumen) Einzug. Dies waren einzel stehende Bäume, meist Buchen oder Eichen, die besondere Markierungen aufwiesen oder mit religiösen Symbolen in Gestalt von Kreuzen oder Bildern gekennzeichnet waren. Damals schon war es streng verboten, solche Lochbäume zu fällen. Wenn dies trotzdem geschah, wurden solche Taten hart bestraft.

Erst als die Besiedlung immer dichter wurde, markierten etwa ab dem zwölften Jahrhundert nach und nach Steine die Grenze. Sukzessive wurden abgehende Lochbäume durch Grenzsteine ersetzt.

Zunächst konnten es sich nur die Reichen (Adel, Kirche und Waldbesitzer) leisten, ihr Eigentum mit behauenen Steinen kennzeichnen zu lassen. Wenn zwei Reiche aneinander grenzten, kam es sogar vor, daß jeder seine Grenzsteine aufstellen ließ, und es kam zur Doppelabmarkung. Schließlich ließen auch die Gemeinden an die Stelle von Lochbäumen große Grenzsteine rücken.

Ganz verschieden konnte ihr Material sein: Sand-, Kalkund Tuffstein fanden Verwendung. Die Jahreszahl, das Wappen, Buchstaben - als Abkürzung des Gemeindenamens - und die Grenzstein-Nummer, entweder erhaben oder vertieft herausgearbeitet, wiesen ihnen ihre Bedeutung zu. Diese Grenzsteine gehören zur Gruppe der Rechtsdenkmale.

Zur Überwachung der Grenzabmarkung und um den Nachkommen die Gemarkung und ihre Grenzen zu zeigen, wurden jährlich Grenzumgänge durchgeführt. Für alle Einwohner eines Ortes war es Pflicht, sich daran zu beteiligen. Die Jungen wurden auf den Grenzsteinen kräftig aufgestaucht oder erhielten eine Ohrfeige, damit sie sich merkten, wo die Gemeindegrenze verläuft.

An topographisqh günstigen Stellen wurden richtige Feste mit Vesper, Getränken, Musik, Tanz und Spielen veranstaltet. Später wurden diese weltlichen Grenzumgänge durch die kirchlichen Prozessionen an den Tagen vor Christi Himmelfahrt und an Himmelfahrt selbst abgelöst. Mit Beten und Singen erflehten' die Gläubigen die Gnade Gottes-für eine gute Ernte, riefen Gott um Verschonung von verheerenden Unwettern mit Hagel, Blitz und Donner an.

Quelle Text: Schmid, H.: "Im Zeichen des Kleindenkmals ",
Hsg.: Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale, 1995
Quelle Bilder: Ruppert, K.: "Grenzsteine - Grenzeugen", 1978
Hsg.: Gesellschaft zur Erhaltung und Erforschung der Kleindenkmale, 1995

Weitere Informationen zu diesem Objekt:
Absolut empfehlenswerte Internetseite die das Thema vertieft: http://www.alte-grenzsteine.de/
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