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13.12.2017
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Lexikon

Stelen
erfasst von Redaktion 

Die Säule von Pfalzfeld
von Hans-Eckart Joachim

Ursprünglich 2,8 m hoch, mißt dieses bedeutende Grabdenkmal des 5. /4. Jh. v. Chr. noch 1,48 m und zeigt rundum pflanzliche Motive. Sie sollten als symbolträchtige Darstellungen den Grabbezirk eines Höhergestellten schützen und spiegeln den frühkeltischen Kunststil wider. Der Fuß dieser Stele ist phallisch geformt, das Oberteil ist als Obelisk gebildet.

Nach Darstellungen der Jahre 1608/09 und 1739 muß die Säule oder der Pfeiler ursprünglich wesentlich höher gewesen sein. Über ihre Bekrönung heißt es in einem Bericht von 1739: »diesem nach kann sie wohl noch von dem uralten Götzendienst herrühren, zumalen, da der alten Leute desselben Ortes Aussage nach vormals oben auf der Säule ein Kopf in der Gestalt eines Menschen gestanden habe, der aber davon abgerissen worden.» Ergänzt man anhand der alten Zeichnungen die einer Halbkugel ausgesetzte Säule nach oben und krönt sie mit einer Maske, wie sie auf allen Seiten dargestellt ist, so erhält man eine Gesamthöhe von etwa 2,8 m.

Das aus Buntsandstein der Saar-Nahe-Senke hergestellte Stück hatte ursprünglich einen säulenförmigen Schaft, dem eine dreifach waagerecht gerippte phallusartige Halbkugel aufsaß. Es folgt schief herausgemeißelt eine quadratische Säulenbasis, dann schließt nach oben der obeliskenförmige Teil an. Er ist allseits gleichartig verziert und aufgrund der Erhaltungen und der alten Zeichnungen recht gut rekonstruierbar. Die Verzierungen folgen einem Grundmuster sind aber in Einzelheiten unterschiedlich orientiert. Neben liegend und stehend angebrachten Spiralen an der Säulenbasis und den aufgehenden Seitenfläche fallen die seilartig gedrehten Stege der Kanten auf. Im Mittelfeld ist jeweils ein maskenartiger Menschenkopf mit Glotzaugen und kantiger Nase plaziert, dessen Stirn ein dreifaches Blatt, Augenbrauen und ein Horizontalband zeigt. Das Kinn schmückt dreifacher »Palmettenbart«, auch ein spitz zulaufender Schnurrbart ist erkennbar. Der Kopf wird von zwei blasenförmigen Teilen einer »Krone« überwölbt. Oberhalb eines schildförmigen Dreiecksmusters schießen sich zwei gegenständige Spiralen und eine Dreifach-Palmette sowie ein »Blattsteg« an, der beidseitig von einem Doppelblattmuster bis zur Spitze begleitet wird. Das Aufsehen dieses Teils ist zeichnerisch nicht überliefert aber annähernd rekonstruierbar.

Der Kopf als Mittelpunkt des Seins

Die hervorgehobene Stellung des Kopfes auf der Stele weist auf den besonderen Kult der Kelten hin, die das Haupt als Mittelpunkt des Seins sahen. Der Gedanke, menschengestaltige oder mit Köpfen versehene Stelen zu errichten, geht im westmitteleuropäischen Raum zweifellos auf italisch-mittelmeerische Vorbilder zurück. Dieser Einfluß ist seit dem 7. Jh. faßbar und erreicht nach 500 v. Chr. einen Höhepunkt, da die Kelten nun mittelmeerisches Stilempfinden auf ihre eigene Art umdeuten. Die in die Zeit um 400 v. Chr. gehörige Pfalzfelder Säule spiegelt dies in den Masken und Ornamenten vorzüglich wider. Der Pfeiler muß ursprünglich auf einem der zahlreichen Hügelgräber des Hunsrücks gestanden haben. Er sollte eine Gottheit oder den Bestatteten darstellen. Die Verbindung von Menschenmaske und Phallus deutet auf eine unheilabwehrende Droh- und Abwehrfunktion hin.

Die ältesten Darstellungen der Säule von Pfalzfeld stammen von 1608/09. Ursprünglich dürfte die Stele 2,8 m gemessen haben. Bis 1900 erfolgte ein erheblicher Substanzverlust auf nur noch 1,48 m Höhe - eine Folge mehrfachen Ortswechsels.

Sensationeller Fund am Glauberg
von Fritz-Rudolf Herrmann

Eine Entdeckung von großer Tragweite gelang der hessischen Landesarchäologie. Im Randbereich des bekannten Fürstengrabhügels am Fuß des Glaubergs kam am 24. Juni die Großplastik eines keltischen Fürsten aus dem 5.Jh.v.Chr, ans Tageslicht.

Die lebensgroße Stele aus rötlichem Sandstein, 1,86m hoch und ca. 230kg schwer. ist vollplastisch gearbeitet und vollständig erhalten, von den abgebrochenen Füßen einmal angesehen. Die Figur trägt eine »Blattkrone«, ein Attribut, das bisher Göttern zugeordnet wurde. Sie ist mit einem Panzer bekleidet mit Schwert und Schild bewaffnet und reich mit Schmuck ausgestattet.

Die Stele könnte ursprünglich auf der Kuppe des Hügels gestanden haben, denkbar ist aber auch die Aufstellung in einem heiligen Bezirk, der dem Ahnenkult diente. Weshalb sie an der Fundstelle niedergelegt und vergraben wurde, ist bisher unersichtlich.

Zum Vergleich des ungewöhnlichen Fundes können bisher erst vier Stelen herangezogen werden, die aber nur in Bruchstücken erhalten oder stark stilisiert sind. Die vom Glauberg ist aber nicht nur die besterhaltene, sondern auch die mit den reichsten Details, die ins Denken und die Vorstellungswelt der Kelten einen Einblick gibt.

Inzwischen erschien »Die Keltenfürsten vom Glauberg« als Doppelheft 128/129 der Reihe »Archüologische Denkmäler in Hessen«. Eine Rezension folgte in AiD l/97.
Quelle: Joachim, H.-E.: "Die Säule von Pfalzfeld" in "Archäologie in Deutschland, Hsg.: Theiss Verlag, 1992, H.4, S. 32ff
Die Stele von Pfalzfeld
Die Stele von Pfalzfeld
Fotografie des Fundes
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