monumentum.net  
Presseschau Termine ebay Alarm Forum Bücherecke Surftipp Lexikon
Anmelden / Mein Konto
29.05.2017
Drucken | Senden | Bookmark

Lexikon

Marktkreuze
erfasst von Redaktion 

Das Marktkreuz von Coesfeld
.. .. (Marktkreuze) bestehen gewöhnlich aus drei Teilen: dem stufenförmigen Sockel, einer hohen Säule und darauf einem gleicharmigen griechischen Kreuz. So erscheint das Marktkreuz schon in Abbildungen des Sachsenspiegels.

Die Bedeutung der Marktkreuze ist nicht einheitlich, hat sich auch im Laufe der Jahrhunderte nach der einen oder anderen Richtung verschoben. Sie können Hoheitszeichen und Asylstätte, Marktfriedenszeichen und Mittelpunkt des Stadtgerichtsplatzes sein und manchmal gleichzeitig auch Pranger.

Das älteste deutsche Marktkreuz ist das von Trier. In ottonischer Zeit als Herrschaftszeichen des bischöflichen Stadtherrn entstanden (958) – gleichzeitig wohl auch Siegessymbol des jungen Christentums – verengte sich seine Bedeutung mit der Erstarkung der städtischen Selbständigkeit im Hochmittelalter zum Marktfriedens- und Gerichtskreuz.

Westfalen besitzt nur ein einziges Marktkreuz, das von Coesfeld. Es stand ursprünglich mitten auf dem Marktplatz und bildete den Mittelpunkt des Gebietes, in dem die Coesfelder Stadtgerichtsbarkeit galt, einer fast kreisrunden Fläche von etwa 1600 Meter Durchmesser.

Wie dieses Kreuz ursprünglich ausgesehen hat, wissen wir nicht. 1427, als Bischof Heinrich II. von Münster die Erlaubnis gab, das steinerne Marktkreuz, unbeschadet der Rechte und Freiheiten, die an ihm hafteten, auf die nördliche Seite des Platzes – vor den mittleren Bogenpfeiler des Rathauses – zu versetzen, erhielt es die gotische Form, die – allerdings nur in der Nachbildung von 1897 – auf uns gekommen ist. Das Kreuz war 6 Meter hoch, hatte einen zweistufigen Sockel, vor dem noch ein kleinerer Stein als Tritt lag, einen vierkantigen Schaft, eine Helmbekrönung mit Krabben, darüber ein gleicharmiges Kreuz mit Nasen und in Lilien endigenden Armen ...

Im letzten Kriege wurde auch dieses, 1897 erneuerte Kreuz zerstört. Heute steht an seiner Stelle auf dem Markt eine völlige Neuschöpfung.

Soweit wir zurückverfolgen können, war das Kreuz schon nicht mehr der Ort der Gerichtsverhandlungen, sondern nur der Spruchverkündigung, wenn die Todesstrafe verhängt war; die Verhandlungen fanden unter dem Rathausbogen statt. In einem Bericht von 1632 heißt es:
”So oft es sich nun zuträgt, oder seit Menschengedenken zugetragen hat, daß einer Leib und Leben verwirkt hat und hingerichtet werden soll, so wird derselbe nicht unter dem alten Rathause, wo das ordentliche Gericht von dem Richter und den beiden Bürgermeistern gehalten und bekleidet zu werden pflegt, hingestellt, um sein Urteil anzuhören, sondern der Richter und die beiden Bürgermeister setzen sich nieder auf die steinerne Bank an dem Fuße des Kreuzes, den Rücken nach dem Kreuz gekehrt; der arme Sünder aber steht vor ihnen, das Gesicht nach dem Kreuze gewendet, und die Ratsherren stellen sich in ihrer Ordnung an beiden Seiten des Richters und der Bürgermeister mit entblößten Häuptern unter freiem Himmel auf, und so wird nach altem Brauch dem armen Sünder das Urteil gesprochen.”

An das Marktkreuz knüpften sich früher mancherlei Rechte und Privilegien.
Bis 1808 geschah vor ihm die feierliche Ratsvereidigung. Seitdem dieser alte Brauch 1947 wieder erneuert wurde, steht das Kreuz wieder, wie in alter Zeit, im Mittelpunkt des öffentlichen Lebenes
Quelle: Brockpähler, W.: "Steinkreuze in Westfalen", 1963, S. 148ff
Kopfstück des Trierer Marktkreuz
Zeichnung des Coesfelder Marktkreuzes
Marktkreuz von Breuberg
Home | Newsletter | Impressum | Urheberrecht © 1995 - 2008 monumentum.net -- Beachten Sie unseren Haftungsausschluß