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13.12.2017
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Lexikon

Grenzfelsen
erfasst von Redaktion 

zwischen Friedrichsburg und Kaltbuch
Der Grenzverlauf

Auffallende natürliche und künstliche Grenzmarken

Hutbegehungen - wichtige Rechtsakte


Kreisheimatpfleger Roland Graf schildert unseren Lesern eine sehr interessante rechtshistorische Besonderheit an der südlichen Gemarkungsgrenze von Kronach.


Diese Karte stellt den Grenzverlauf in den Jahren 1721/1768 zwischen der Hauptmannschaft Kronach und dem Gebiet derer von Redwitz dar.
Die Entdeckung von Grenzsteinfelsen im Landkreis Kronach gelang vor einigen Jahren anläßlich einer Grenzbegehung, die der Verfasser mit tatkräftiger Unterstützung von Mitarbeitern des Arbeitskreises für Heimatpflege im Landkreis Kronach und der Geologisch Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Ludwigsstadt an der südlichen Gemarkungsgrenze der Stadt Kronach, Teilstück Friedrichsburg - Kaltbuch, durchführte.

Das Gebiet, das heute an die Gemarkung Weißenbrunn angrenzt, bildete früher die Grenze zwischen der Hauptmannschaft Kronach und dem Gebiet der Adeligen von Redwitz.

An dieser Linie stehen heute noch zahlreiche Grenzsteine, die mit den eingemeißelten Buchstaben CSPVR, der Jahreszahl 1768 und der jeweils laufenden Steinnummer versehen sind. Dabei ist auffallend, daß die Jahreszahl 1768 an den meisten Steinen umgearbeitet wurde und ursprünglich 1721 lautete. Die Buchstaben CSPVR stehen für Carl Sigmund Philipp Von Redwitz, Herr auf Weißenbrunn, Wildenroth, Steinberg, Küps etc.


.. mit einer bestimmten Nummer (z.B. 29) erhielt die Kennung der Grenznachbarn und die entsprechende Jahreszahl, hier in diesem Fall 1768
Anhand der in 1768 ,,umgeschlagenen" Jahreszahl 1721 steht fest, daß zu den Teilnehmern der Grenzkommission von 1768 auch ein Steinmetz gehörte, der vor Ort die Beschriftung vornahm. Das Material zur Herstellung der Grenzzeichen stammte aus dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Sandsteinbruch von Kaltbuch.

Auffallend war das Fehlen mehrerer Steine in dieser Grenzlinie, was uns Heimatkundler dazu bewog, alle im direkten Grenzverlauf befindlichen Sandsteinblöcke und Felsen von Erdreich, Laub und Moos zu befreien. Dank der gründlichen Arbeit der Gruppe konnte des Rätsels Lösung für die nichtvorhandenen Grenzsteine gefunden werden: Beim Säubern der umherliegenden Sandsteinblöcke entdeckten wir zehn Findlinge und Felsen, die mit einem eingemeißelten R (Redwitz) und der Jahreszahl 1768 gekennzeichnet waren.

Andere trugen ein C H für Cronacher Hauptmannschaft, wie man bisher annahm, richtig ist aber Cronacher Huth, und dazu jeweils die entsprechende Weisung (Kennung), die als eingemeißelte Linie, als Winkel oder Kreuz den weiteren Verlauf der Grenze anzeigte.

Der Grenzverlauf

Das CSPVR .. steht für Carl Sigmund Philipp von Redwitz
Wer sich diesen historischen Grenzzug ansehen möchte, der sollte etwa 50 Meter unterhalb des kleinen Parkplatzes bei Kaltbuch beginnen.

Hier steht der Grenzstein mit der Inschrift CSPVR und der laufenden Nummer 37; an der Rückseite des Steines befindet sich die Nummer 24. Von hier aus muß man westlich bergab in Richtung Friedrichsburg gehen. Zwischen den Grenzsteinen Nr.30 und 29 trifft man auf den ersten Grenzsteinfelsen.

Dabei handelt es sich um einen anstehenden Sandsteinblock mit den Buchstaben MH, die in Ligatur verbunden sind. ,,Grenzstein" Nr.29 ist ebenfalls ein anstehender Sandsteinblock mit der Inschrift R 1768 + 29; des weiteren Nr.27 mit der Inschrift R 1768 + [seitlich] 27.

Neben ihm befindet sich ein weiterer mit 18 [..] bezeichneter und ein anderer mit der Inschrift CH1780. Zwischen den laufenden Nummern 23 und 22 ist ein Sandsteinfelsen mit der Bezeichnung R 1768, dazu die Weisung und die Buchstaben CH. Zwischen Nr.22 und 21, etwa drei Meter südlich der Grenzlinie, befindet sich ein anstehender Sandstein mit R 1768 + bezeichnet. Rund vier Meter von Grenzstein Nr.21 entfernt erkennt man einen anstehenden Sandsteinfelsen mit der Inschrift KH 1725 + R 1768. Circa fünfzig Meter von Stein Nr.21 entfernt liegt unterhalb des Fuhrweges ein Sandsteinblock mit der Bezeichnung CH 41.


.. der eingeritzte Flößerkopf
Kurz vor dem Steilhang östlich von Friedrichsburg wartet der größte, etwas außerhalb der Grenzlinie befindliche Felsen (3,6 x 2,5 x 1 m) mit einer Besonderheit auf: Man hat darauf das Abbild eines Flößerkopfes mit Mütze eingemeißelt. Der Kopf dürfte, wie auch die auf dem Felsen vorzufindenden Initialen M G, WSch und F Sch, neueren Datums sein.

Auffallende natürliche und künstliche Grenzmarken
Vor der Einführung von künstlichen Grenzmarken dienten in ältester Zeit markante Gegebenheiten in der Landschaft wie Gebirgszüge, einzelne Berge, Flüsse, Wälder und Wege zur Abgrenzung der einzelnen Territorien. Die großräumigen Grenzbeschreibungen aus dieser Zeit sind deshalb im Vergleich zu heute ungenau. Immer wieder kam es deshalb zu Grenzstreitigkeiten, vor allem dann, wenn ein Fluß nach einem Hochwasser sein Bett geändert und einen anderen Verlauf genommen hatte oder ein Waldgebiet durch Rodung reduziert worden war.

Mit der sich ausweitenden Besiedlung des Landes und den größer werdenden Besitzungen der Herrscher- und Adelsgeschlechter bedurfte es deshalb künstlicher Grenzmarken, um die Grenzen untereinander genau festlegen zu können. In waldreichen Gegenden bediente man sich der im Grenzverlauf befindlichen Bäume und kennzeichnete sie mit tief eingeritzten Kreuzen. Bevorzugt wurden hierbei auffallende Stücke mit einem ungewöhnlichen Wuchs, wie etwa ,,zwieselige Bäume" verwendet. Solche Bäume mit zwei Giebeln sind immer wieder in den Grenzurkunden als Lachbäume (Lach - Lage - Loch=Grenze) vermerkt. Markante Grenzzeichen bildeten auch Laubbäume in einem Nadelwald, wie Eiche, Wildkirsche oder Wildbirne, die sich durch ihr Blattwerk von den Nadelbäumen deutlich abhoben.

Eine weitere territoriale Abgrenzung stellte das Ausheben eines Grenzgrabens dar, der das gesamte Gebiet umschloß.

Diese Markierungsform ist heute noch mancherorts - wenn auch stark verflacht - zu bemerken. Circa zwei Meter rechts und links von den Grenzsteinen war der Grenzverlauf durch Aushub gekennzeichnet. Weiterhin bediente man sich der vorhandenen, natürlichen Wassergrenzen. Gewässernamen wie zum Beispiel Lachengraben oder Lochgraben lassen heute noch erkennen, daß sie einstmals Grenzfunktion hatten.

Die bekanntesten künstlichen Grenzzeichen sind jedoch die Grenzsteine, die in der Regel vor dem 15. Jahrhundert noch ohne Jahreszahlen, Wappen und Buchstaben waren. Die ältesten datierten Exemplare sind erst im 15. Jahrhundert nachweisbar. In späteren Jahren wurden die Grenzsteine in einem Grenzzug oftmals mit einer fortlaufenden Nummer versehen.

Wollte es der Zufall, daß sich im Grenzverlauf ein natürlicher Felsen befand, so verwendete man auch diesen Felsen als Markierung und schlug die entsprechenden Initialen ein. Damit ,konnten die Kosten für die Anfertigung eines Grenzsteines gespart werden, und zudem war gewährleistet, daß ein großer Felsen vor dem Verrücken geschützt war. Einzelfelsen und in steinigen Gegenden ganze Felsgruppen zählen deshalb zu den ältesten Grenzmarken. Mehrmals sind solche Grenzfelsen als rechtsarchäologische Male im europäischen Raum nachweisbar. Erinnert sei an die mit eingemeißelten Kugelkreuzen markierten Felsen der Kartäuser in der Cartusia, einer Wildnis bei Grenoble. Als der Stifter des Kartäuserordens, der hl. Bruno (1032-1101), nach Kalabrien in die Wildnis von La Torre übersiedelt und hier das erste große Kartäuserkloster gründete, wurde auch hier der Besitz mit Kugelkreuzen gekennzeichnet.1
Bekannt ist auch der Glöggufelsen in der Schweiz, der, mit Wappen verziert, die bernischen Gemeinden Nenzlingen und Grellingen sowie die basellandschaftliche Gemeinde Pfeffingen scheidet.2

Im Fichtelgebirge findet man auf dem Ochsenkopf, unweit des Unterkunftshauses des Fichtelgebirgsvereins, einen mächtigen Granitfelsen, den sogenannten Dröselstein. Er trägt die Nummer 48 und dazu das gevierte Hohenzollern-schild der Bayreuther Markgrafen sowie das Bayerische Rautenwappen. Bei Schönwald/Rehau trifft man im Staatswaldbezirk Kornberg auf einen großen, unbehauenen Granitblock, Groller Stein oder Felsen genannt, mit folgender Inschrift: JCR CGPO 1631 + 1784 HS RV (Johann Christoph Raithel - Forstmeister in Kirchenlamitz; Christoph Georg Philipp Otto - Oberförster beim Forstamt Martinlamitz).3 In alten Katasterblättern wird der Felsen mit der Grenzsteinnummer 637 bezeichnet. In der ,,steinreichen" Gegend entlang der oberpfälzischen Grenze sind noch mehrere Grenzsteinfelsen bekannt, die mit Zahlen und mit Kreuzen versehen sind.

Im Verhältnis zu der Vielzahl an Grenzsteinen sind Grenzsteinfelsen jedoch relativ selten als rechtsarchäologische Male in den Urkunden erwähnt und an Ort und Stelle zu finden, was die Bedeutung der entdeckten Grenzsteinfelsen an der südlichen Gemarkungsgrenze von Kronach hervorhebt.

Hutbegehungen - wichtige Rechtsakte
Nachdem dieser Beitrag zur Drucklegung bereitlag, fand der Verfasser im Stadtarchiv Kronach die lange Zeit vergeblich gesuchten Urkunden, die seine Aussagen belegen bzw. ergänzen. Sie fanden sich nicht, wie zu vermuten gewesen wäre, in den Akten der Grenzbegänge und Grenzstreitigkeiten der Stadt mit den angrenzenden Ritterschaften und Gemeinden, sondern in den Hutbegehungen, die von der Stadt Kronach mit den Angrenzern sporadisch durchgeführt wurden.

Hier fand sich der Beleg und die daraus resultierende neue Erkenntnis, daß die Grenzsteine mit den Buchstaben C. H. nicht die Grenze der Cronacher Hauptmannschaft markierten, wie im Heimatkundlichen Schrifttum 4 zu finden, sondern die Cronacher Hut schieden 5.

Die Besichtigung der Hutgrenze und die dabei vorgenommenen Handlungen stellten einen Rechtsakt dar. Dies zeigt die hochkarätige Besetzung der Kommission, die zur Besichtigung am 16. September 1780 antrat.

An der Besichtigung nahmen teil:

Herr Amtsbürgermeister Bautz. Herr Konsulent Titus.
Vom Senat [Rat] die Herren Apehus, Dümlein, Hofmann, Körner.
Die Viertelmeister Tobias Günther, Valentin Rimberger Georg Groß.
Der Stadtmaurer Lorenz Wagenholz [er war gleichzeitig Steinmetz und schlug vor Ort, wenn erforderlich, mit Hammer und Meißel die Buchstaben und Ziffern in die Grenzsteine und gewachsenen Felsen ein.
Der Schauer Diez.
Der Förster Johann Brenner.
Die Stadthirten Johann Hoch, Johann Kestel, Jgnaz Weber.

Nachdem man bereits am 13. und 14. September Hutbegehungen durchgeführt hatte, beginnt das Protokoll vom 16. September:

Nach ältester Beschreibung wurde anderweit die Huthbegehung fortgesetzet, und der Anfang beym rothen Felsen [unterhalb von Neuses] unter der FelsSchneidtmühl, wo der Fluß an obig rothen Felsen anschlaget, gemacht, wo vor ältern Zeiten auch ein Eichener Pfahl, worauf die Stadtrosen gebrennet war zum Zeichen der Marchung geschlagen worden, nunmehro aber nicht mehr ersichtlich.

Von dannen ginge man aufwärts zwischen denen Langächer=Hölzern, dann Theisenörther Schröden den Berg hinauf, da befindet sich gleich bei der Anhöhe 1. Stein mit R. das ist Redwitzer Gehölz rechter Hand, und links die Langäcker Hölzer abmarchend, wo sich Cronacher Gränz und Huth scheidet, mit der Jahrzahl 1768. Ferner Grad hinauf wiederum 1. Stein wie vorhero mit nehmlicher jahrzahl. Wie auch graden Wegs aufwärts noch 1. Stein wie vorige beede waren.

Endlich auf den Wolfsgrubenweg befindet sich ein Feldstein mit C. H. und der Jahrzahl 1768 ist Cronacher Huth, dann einen R. rechter Hand ist Redwitz.

Weiter gleicher Fortgang hinauf zwischen Langäcker-Schwarzen Holz dann Redwitzer Schroth auf der Höhe, da man keinen Stein nehmlicher Linie angetroffen, ist ein Fels Stein mit C. H. frisch eingehauen worden, nebst der Jahrzahl 1780 neben ein Stein mit R. und 1768 rechter Hand stehend.
Not: C. H. bedeutet Cronacher Huth.

Weiter ferner hinauf ist wieder ein Stein mit C. H. und 1725.
Von da aus auf den Kaltbucher Weeg oder Mäuerlein stehet 1. Stein mit C. H. ohne Jahrzahl worauf die Zahl 1780 frisch gemacht worden; dieser Stein stoset links an Valentin Rimbergers und Pfaffin Wittib Hölzer.
So weiter fort kommt 1. Stein mit C. H. ohne Jahrzahl neben einen Redwitzer Stein stoset links an Gröttendorfer Verwalters Holz.
Von solchen Grad für siehet man einen Stein auf der Ebene mit C. H. ohne Jahrzahl stoset links an jungen Christoph Schickels Holz an.
Weiter fürwärts ist ein liegender Stein mit ein gehauenem Kreuz stoset links an jungen Georg Wagners Färbers Holz, welchs Kreuz die Huth und Gränze mit abmarcket[...]
Grenzverlauf von 1721/1768
Grenzfelsen mit der Jahrzahl 1768
Das CSPVR .. steht für Carl Sigmund Philipp von Redwitz
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