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23.04.2017
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Lexikon

Burgfried - oder Malefizsteine
erfasst von Redaktion 

Anno 1582 zur Abgrenzung der Gerichtshoheit aufgestellt - Dokumentation
Eisenberg (rea/pm).

Was ein Malefiz-Bengel ist, weiß eigentlich jeder. Was jedoch hinter einem Malefizstein steckt, dürfte vielen erst klar werden, wenn sie die Dokumentation von Berthold Pölcher über die Malefizsteine rund um die Burgruine Hohenfreiberg gelesen haben. Malefacere - Übles, schlechtes machen - ist der lateinische Ursprung für den Begriff Malefiz. Und die Steine grenzten einst die gerichtlichen Zuständigkeitsbereiche zur Aburteilung von Malefiz-Bengeln gegeneinander ab.

Bertold Pölcher vom Verein zur Erhaltung der Ruine Eisenberg wird des Forschens nicht müde, wenn es um seine Heimat geht. Sein neuestes Forschungs- beziehungsweise Darstellungsobjekt waren die elf Malefizsteine, die - stellt man sich Verbindungslinien vor - einen Ring um die Burgruine Hohenfreiberg bilden. Aufgerichtet wurden die Malefizsteine, von denen nicht mehr alle erhalten sind, am 26. Juli 1582.

Ein Jahr zuvor hatten der Erzherzog Ferdinand von Österreich und Bischof Marquard von Augsburg in Tannheim einen Vertrag geschlossen, der die Obrigkeit in und um Hohenfreiberg regelte.

Wie Bertold Pölcher in seiner Vorbemerkung zur Dokumentation weiter schreibt, wurde gemäß diesem Vertrag "dem jeweiligen Inhaber der Pfandherrschaft Hohenfreiberg vom Hochstift Augsburg das Recht zugestanden, alle innerhalb eines ausgemarkten Bezirks vorfallenden Verbrechen ... aburteilen zu dürfen". Das betraf auch malefizische Verbrechen, also todeswürdige Verbrechen. Gleichzeitig verpflichtete sich das Hochstift, daß straffällige Personen durch das Gebiet des Hochstifts ungehindert an ein hohenfreibergisches Halsgericht überstellt werden dürfen.

In der Dokumentation von Bertold Pölcher sind Fotos aller noch erhaltener Malefizsteine. Auch die Standortbeschreibungen hat der Autor mit Akribie wiedergegeben.

Beim Stein Nummer eins, der nicht mehr vorhanden ist, heißt es zum Beispiel: " ...gegen Aufgang der Sonnen (Osten) auf dem gemainen Plätz zwi-schen beiden Schlössern Freyberg und Eisen-berg an den Mittelen Weg ... " Sein Nummer sieben dagegen war " .. .hinumb gegen Seggweg beim Gatter und dem farweg so von Schweinegg Inns Schloß ....... " postiert. Die Nummer sieben ist wieder dort.
Vor einigen Jahren entdeckten ihn Bertold Pölcher und Josef Berkmiller. In zwei Teile zerbrochen diente der Malefizstein als Balkenlager unter einem nahe des ursprünglichen Standorts stehenden Heustadel. Die beiden Teile wurde vom Verein zur Erhaltung der Burgruine Eisenberg geborgen, vom Steinmetzbetrieb Wirth in Seeg kostenlos restauriert und wieder zusammengefügt.

Folgt man so den Spuren der Malefizstein kann man schön rund um die Burgruine Hohenfreiberg wandern. Allerdings sollte man die Steine nicht mit neueren Grenzsteine verwechseln.

Deshalb die Malefizstein-Beschreibung: Die Steine sind aus rötlicher Kalkstein gefertigt und annähernd quadratisch (30 mal 30 Zentimeter). Der behauen Teil ist etwa 60 Zentimeter hoch. Der unbehauene Teil im Boden verdickt sich wie ein Knolle. Die Malefizsteine tragen auf einer Seite die Jahreszahl 1582. Auf der Seite zur Burg Hohenfreiberg sind die Buchstaben »ER« mit einem waagrecht dreigeteilten Wappenschild für Osterreich eingemeißelt. Auf der andere Seite befinden sich über einem senkrecht geteilten Wappenschild die Buchstaben »SA« für Stift Augsburg.

Auf der vierten Seite ist Malefizstein mit einer laufenden Nummer versehen.
Quelle: Füssener Blatt v. 16.3 1992
Der restaurierte Malefizstein Nr.7
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