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23.04.2017
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Lexikon

Zehnt-Steine
erfasst von Redaktion 

Einen ganz besonderen Fund machte Anton Deuringer aus Empfingen beim Umbau des Gebäudes Kehlhof 13. Eingemauert in die Außenwand des Hauses waren zwei Zehnt-Steine. Der Fund der Zehnt-Steine ist eine absolute Rarität. Bisher wurde in Empfingen ein einziger Zehnt-Stein entdeckt und im Ortsteil Wiesenstetten zwei Stück

Das bestätigte Heinz Schmid vom Verein der Kleindenkmalfreunde aus Horb und Umgebung bei einem Pressegespräch. Anton Deuringer, stellte seinen seltenen Fund Heinz Schmid, dem Empfinger Historiker Hans?Peter Müller und Günther Reich vor, der sich im örtlichen Heimatkreis engagiert. Ende Oktober 1999 hatte Deuringer mit dem teilweisen Abbruch des denkmalgeschützten Hauses im Kehlhof begonnen. Mittlerweile ist wieder ein schmuckes Fachwerkhaus entstanden, das in liebevoller Arbeit restauriert wird. Die Entstehung des Gebäudes lässt sich bis ins Jahr 1698 zurück verfolgen. Anton Deuringer gab zehn verschiedene Holzproben zur dentrochronologischen Untersuchung an die Universität Hohenheim, Das Untersuchungsergebnis bescheinigte, dass das Holz im Winter 1698 geschlagen worden war. Auch zwei Feierabendziegel vom Dach stammen aus dem Jahr 1699. Die beiden Zehnt-Steine, wurden, wie Anton Deuringer vermutet, wohl nach 1862 bei Umbauarbeiten in die Außenwand eingemauert.

Die Zehnt-Abgabe

Einst mussten die Bauern drei Abgaben, den so genannten Groß-Zehnten, den Klein-Zehnten und einen Blut-Zehnten, abgeben. Der Groß-Zehnte war der zehnte Teil "von allem was auf Halm wächst" vom Getreide also. Diese Abgabe erhielt der Fürst von Hohenzollern, der Zehnte wurde vom Haigerlocher Vogt eingetrieben und in der Zehntscheuer gelagert. Der Klein-Zehnte bezog sich auf das geerntete Heu, Kraut und Rüben und der Blut-Zehnte aufs Vieh. Beide waren für den Pfarrer bestimmt. Die beiden Zehnt-Steine aus dem Haus im Empfinger Kehlhof sind aus heimischen Material, aus welchem waren sich die Heimatforscher beim Pressegespräch nicht einig, favorisiert wurde der Schilfsandstein.
Einer der beiden Zehnt-Steine trägt die Inschrift 1741- VM - ZEHEND. Neben der Jahreszahl 1741 gibt die Inschrift VM noch Rätsel auf. Der andere Sein stammt aus der Zeit vor der Landes-Vermessung und ist ohne Jahreszahl. Die Rückseite ist mit der 10, der Nummer des Grenzsteins beschriftet, auf der Vorderseite stehen die beiden Buchstaben Z und F, was für "zehntfrei" steht. Zehntfrei waren die Grundstücke, die zur Pfarrei gehörten, erläuterte Hans?Peter Müller. Oft waren Zehnt-Grenzen identisch mit der Markungs-Grenze, so findet man in vielen Gemeinde keine Zehnt-Steine.

Zehnt-Gebiete und Zehnt-Herren

Empfingen hatte eine Besonderheit, die Wirtschaftsgebiete der Nachbarorte gingen weit in die Empfinger Markungs-Grenze hinein, deshalb wurden Zehnt-Steine aufgestellt. Im Zuge der Landes-Vermessung im Hohenzollerischen um 1846 verloren die Zehnt-Steine dann ihre Bedeutung und wurden aus den Feldern entfernt. So fanden auch die beiden Zehnt-Steine ihren Platz im Haus im Kehlhof, sie wurden einfach "recycelt".

Im zweiten Heimatbeitrag "Die Empfinger Flur im Wandel der Zeit" schreiben Müller und Reich zur Grundlasten- und Zehnt-Ablösung "die aus dem Mittelalter stammenden Feudallasten wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts in zunehmendem Maße als Fessel für die landwirtschaftliche Produktion erkannt. Die Zehnt-Ablösungsverträge wurden im Jahr 1862 abgeschlossen. Von den sieben Zehnt-Herren auf der Empfinger Markung war Hohenzollern-Sigmaringen der Größte. Die Ablösungskapitalien mussten von den Pflichtigen in 20 bis 25 Jahresraten verzinslich abbezahlt werden, erst danach konnten sich die Bauern wirtschaftlich erholen."

Die Empfinger Zehntscheuer wurde im Jahre 1737 von Fürst Joseph Friedrich von Sigmaringen erbaut und diente zur Unterbringung des Groß?Zehnten sowie des Heu- und Garten-Zehnten. Als im Jahre 1862 die Ablösung des Zehnten erfolgte, kaufte die Gemeinde Empfingen die Zehntscheuer. Der angebaute Fruchtkasten wurde darin 1880 zu einer Wohnung umgebaut, 1977 wurde die Zehntscheuer renoviert, heute beherbergt sie das Heimatmuseum und steht unter Denkmalschutz.

Die beiden Zehntsteine aus dem Gebäude im Kehlhof 13 ziehen nun noch einmal um - im Gebäude nebenan finden Sie Ihren Platz im Empfinger Heimatmuseum.
Quelle: Südwest-Presse, 16.5.2001
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