monumentum.net  
Presseschau Termine ebay Alarm Forum Bücherecke Surftipp Lexikon
Anmelden / Mein Konto
22.07.2017
Drucken | Senden | Bookmark

Lexikon

Wetter oder Hagelkreuz
erfasst von Redaktion 

Ein einsamer Gesell schützt vor Hagel und Unbill

Um sich vor Naturgewalten zu schützen, ließ Martinus Lindt 1765 ein Kreuz aus Stein unweit des Gutes Großlind errichten. Auch die Linden daneben haben eine Geschichte.

Es ist schon erstaunlich, auf welche Zeugen der Geschichte man stoßen kann, wenn man einen Spaziergang unternimmt. Sicherlich hat jeder schon einmal Ähnliches erlebt: Man bleibt verwundert an einer kleinen Kapelle oder vor einem Kreuz stehen und fragt sich, was es damit auf sich hat.

Die Inschrift auf dem Sockel erinnert an eine Restaurierung des Kreuzes im Jahr 1881.

So auch beim alten Hagelkreuz in der Nähe des Gutes Großlind. Einsam steht es inmitten von Feldern, umrahmt von zwei großen Linden. Die meisten Leute werden es höchstens schon einmal im Vorbeifahren bemerkt haben, wenn überhaupt. Doch das Anhalten lohnt sich hier.

Bibbernd steht der zufällige Besucher vor dem vom Sturm umwehten Kreuz und wischt die Schneereste vom grauen Stein, um die verwitterte Inschrift zu lesen. Leider kann man sie nur noch erahnen, denn der Zahn der Zeit hat schwer an ihr genagt. Auf dem Steinkreuz ist auf lateinisch der Spruch "Vor Blitz, Hagel und Unwetter möge uns der Herr bewahren" eingemeißelt.

Und damit wären wir bei der Bedeutung des Wortes "Hagelkreuz", das wörtlich zu nehmen ist. Um sich und seine Besitztümer vor den Naturgewalten zu schützen, ließ ein gewisser Martinus Lindt 1765 dieses Steinkreuz errichten. "Daran erkennt man, wie gläubig die Menschen damals waren", erzählt Rolf Schumacher, früherer Vorsitzender des Heimatbundes St. Tönis.

Auch in späteren Zeiten wurde das Hagelkreuz geschätzt. Schließlich sorgte Hermann Schumacher, der damalige Besitzer des Gutes Großlind, dafür, dass das Kreuz 1881 restauriert wurde, wovon eine Inschrift auf dem Kreuzsockel zeugt.

"Mindestens genauso interessant wie das Hagelkreuz selbst ist jedoch die Geschichte der Linden", weiß Rolf Schumacher zu berichten. Bis 1939 war das Kreuz nämlich von drei Linden umgeben, von denen heute noch zwei zu bewundern sind. Diese fast 200-jährigen Bäume sind die einzigen, die von dem alten Krefelder Friedhof übrig geblieben sind, der sich an der heutigen Rheinstraße befand.

Auf Befehl Kaiser Napoleons musste dieser Friedhof 1811 einer breiten Chaussee nach Uerdingen weichen. Glücklicherweise gelang es Gerhard Schumacher, dem Vater des besagten Hermann Schumacher und Begründer des Forstwaldes, drei der schönen Lindenbäume zu retten. Er pflanzte sie mit eigener Hand um das besagte Hagelkreuz - und dort stehen zwei davon noch heute. Kaum zu glauben, dass zwei Krefelder Friedhofs-Linden auf so ungewöhnlichem Wege bis heute erhalten geblieben sind. Die wenigsten Spaziergänger werden dieses Geheimnis wohl kennen . . .
Quelle: Westdeutsche Zeitung, 04.01.2002
Hagelkreuz
Home | Newsletter | Impressum | Urheberrecht © 1995 - 2008 monumentum.net -- Beachten Sie unseren Haftungsausschluß