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27.05.2017
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Lexikon

Typologische Entwicklung
erfasst von Redaktion 

Die Bildstöcke sind schon wegen ihrer regionalen Unterschiedlichkeiten hochinteressant. Fast jede Region hatte dabei ihre eigene Form entwickelt.
Die einfachen Tuffsteinbildstöcke des deutschen Voralpenlandes unterscheiden sich in Form und Qualität gewaltig von jenen in Franken; jene in Kärnten wiederum von denen in Oberösterreich, usw.

Auch wenn in anderen Gebieten die Entwicklung einen anderen Lauf nahm, so soll exemplarisch anhand der Bildstöcke in Franken eine typologische Entwicklung

Wenn wir rückblickend die typologische Entwicklung des Bildstockes im untersuchten Gebiet verfolgen, so können wir davon sprechen, daß die stilkundlichen Merkmale von der Spätgotik bis ins 15. Jahrhundert analog zur gesamten fränkischen Bildstocklandschaft gelagert sind. Als Signum der Zeit wären hier der oktogonal geformte, sockellose Schaft und das zierende Beiwerk von Krabben und Kreuzblume am Aufsatz anzuführen.

Für das 16. Jahrhundert sind leider wegen fehlender Objekte keine Vergleichsmöglichkeiten gegeben. So bleibt nur zu konstatieren, daß der ausgeprägte quadratische Sockel als Träger des Säulenschaftes bereits ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweisbar ist.


Mit Beginn des 17. Jahrhunderts setzt die Stiftungsfreudigkeit wieder ein, die offensichtlich durch die Reformation versiegt war. Neben dem Sockel und dem Säulenschaft ist vor allem die rechteckige Grundform des Aufsatzes als Stilmerkmal dieses Zeitabschnittes charakteristisch. Dabei entwickeln sich die anfänglich sehr schmalen Seiten zu immer breiter werdenden Flächen, bis schließlich Anfang des 18. Jahrhunderts vier gleichgroße Flächen am Aufsatz vorhanden sind. Die reliefierten Schauseiten zeigen bis Ende des 17. Jahrhunderts ausschließlich Szenen aus der Passion. Im Jahre 1603 ist die erste bekrönende Steinkugel nachweisbar.


Einundsechzig Prozent aller vorgefundenen Martern wurden jedoch im 18. Jahrhundert aufgestellt. Bedingt durch diese Stiftungsexplosion mußte sich zwangsläufig ein beherrschender Typ entwickeln, der dem untersuchten Gebiet seinen besonderen Stempel aufzwingt. Der charakteristische Bildstock des Kronacher Umlandes besitzt einen konkav konvex profilierten Sockel, der ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit Akanthusblätter verziert ist. Darauf aufbauend erhebt sich von einer Plinthe aus der quadratische und sich nach oben verjüngende Pfeilerschaft. Durch zwei Simse unterteilt, tragen seine Flächen reliefiertes Bandel- und Rankenwerk. Als Übergang vom Pfeiler zum Aufsatz dient ein gesimstes, nach oben breiter werdendes Kapitell, das ebenso wie der Aufsatz eine quadratische Form aufweist. Die vier Reliefs des Aufsatzes werden durch scharrierte Eckvorlagen voneinander getrennt. Vier gleichmäßig einziehende Rundbögen spannen sich über die Bilder und stehen dabei etwas über. Das Akanthusblatt ist auch hier die meistgewählte Verzierung. Die Krönung Mariens wird zum Mittelpunkt der darstellenden Reliefs. Eine Steinkugel von etwa 18 Zentimeter Durchmesser und ein aufgesetztes barockes Eisenkreuz überragen den Aufsatz und runden das harmonische Gesamtbild der als typisch für das untersuchte Gebiet zu bezeichnenden Marter ab. Die Ausstrahlung dieses Typs war so stark, daß er im 19./20. Jahrhundert die offensichtlich wenig ausgeprägte Kreativität des ländlichen Bildhauers beeinflussen konnte und von ihm mit Vorliebe als vereinfachte Kopie bis 1918 angefertigt wurde.


Für das 19./20. Jahrhundert ergibt sich durch die Vielfalt der verwendeten Formen kein einheitliches Bild. Zusammenfassend kann man davon sprechen, daß die großen Kunstrichtungen von Gotik, Renaissance und Barock die Form und den Zierat am Bildstock bestimmten. Bemerkenswert ist jedoch die beträchtliche zeitliche Verspätung, mit der sich die prägenden Elemente der Kunst durchzusetzen vermochten. Einmal mehr kommt hier die geographische Abgeschiedenheit des untersuchten Gebietes von den fränkischen Bildungszentren Würzburg und Bamberg zum Ausdruck, die zu einer gewissen geistigen und kulturellen Isolation führte
Quelle: "Die Typologische Entwicklung.." in "Geschichte am Obermain", Bd. 13, 1981/1982
Kronach,um 1430
Birnbaum,1603
Wolfersdorf
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