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23.08.2017
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Lexikon

Kilometersteine
erfasst von Redaktion 

Waren das noch Zeiten, als die Menschen mit ,,krummen'' Maßen maßen! Damals war noch der Mensch das Maß aller Dinge: Ein Daumen oder ein Finger breit für die kleinen Längen, (Hand-)Spann(e), Fuß, Schuh, Elle und Klafter (Spanne zwischen den ausgebreiteten Armen) für die mittleren. Große Längen oder Distanzen bemaß man nach Schritten und Meilen (tausend Schritte, genau genommen Doppelschritte, von lateinisch milia=tausend). Das war zwar nicht sehr präzise, denn es gibt schließlich große und kleine Menschen, so daß diese Maße größer oder kleiner ausfielen. Natürlich gab es Festsetzungen, doch die fielen von Land zu Land unterschiedlich aus. Die Abweichungen, die ,,Spannbreite'', nahm man als gottgegeben hin.

Erst das Aufkommen der modernen Naturwissenschaften, die Exaktheit verlangen, hat den jahrhundertelang benutzten Naturmaßen ein Ende gesetzt. Mit der Einführung des Dezimalsystems und der Bestimmung des Urmeters (dem 40milliontel Teil eines Erdmeridians) als Grundeinheit aller metrischen Längenmaße ist im vergangenen Jahrhundert ein in weiten Teilen der Welt einheitliches Maßsystem geschaffen worden. Für Deutschland geschah dies im Gefolge der Reichsgründung. Zum 1. Januar 1872, also vor 125 Jahren, wurden die ,,krummen'', natürlichen Maße abgeschafft und die künstlichen, metrischen Längenmaße eingeführt. Nur die Sprache bewahrt in ihren bildhaften Ausdrücken noch die alten Zustände.

Seitdem sind die Entfernungsangaben in Meter oder Kilometer angegeben und nicht mehr in Meilen. Der Meilenstein am Straßenrand wurde zum Kilometerstein. Bei Möglingen im Kreis Ludwigsburg findet man einen etwa anderthalb Meter hohen Stein, der eine Entfernungsangabe weder in Meilen noch in Kilometern zeigt. Er steht an der Straße von Ludwigsburg nach Schwieberdingen, wo früher die Straße Markgröningen - Stammheim kreuzte, wie alte Karten ausweisen. Nach Stuttgart-Stammheim, so liest man da, betrage die Distanz eine Stunde. Eine Stunde Wegs zu Fuß? Eine Stunde mit dem Pferd oder dem Fuhrwerk?

Auch wenn man es damals, als der Stein gesetzt wurde, 1823, nicht gar so genau genommen haben sollte, macht das doch einen erheblichen Unterschied. Denn ein Reiter ist natürlich viel schneller - der legte etwa 20 Kilometer in der Stunde zurück - als ein Reisender in der Kutsche oder ein Fußgänger.

Des Rätsels Lösung: Die ,,Stunde'' war keine Zeiteinheit, sondern ein Längenmaß. Ein Reiter konnte leicht vier ,,Stunden'' in einer Stunde zurücklegen. Im alten Württemberg gab es sogar zwei verschiedene ,,Stunden''. Stundensteine an gewöhnlichen Straßen gaben die Entfernung in ,,Reisestunden'' an. Eine Reisestunde war 1600 Ruten lang. Da eine württembergische Rute zehn Fuß maß, also knapp 2,9 Meter, ist die Reisestunde 4,6 Kilometer lang. Auf Poststraßen, wo die Postkutschen verkehrten, galt die ,,Poststunde'', und die war nur 3,7 Kilometer lang. Die Post war schon damals etwas langsamer.

Der Möglinger Stundenstein gehört zu den rar gewordenen Zeugen der Verkehrsgeschichte. Einst hatte es diese Entfernungsanzeiger wohl zu hunderten gegeben, ähnlich wie die Hinweistafeln heute. An Landstraßen, Chausseen, aber auch Ortsverbindungswegen wiesen sie den Reisenden den Weg und verrieten ihnen wie weit es noch war. Die meisten mußten der Straßenverbreiterung weichen oder wurden, wie in der Nachkriegszeit die Alleebäume, als potentielles Unfallrisiko beseitigt. dka
Quelle: http://www.bawue.de/~wmwerner/stz/stz010997-2.html
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