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23.10.2017
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Lexikon

Jupitersäulen
erfasst von Redaktion 

Eine Jupitersäule aus dem Ende des 2. Jahrhunderts .. erhalten blieb die Säule, oder besser das, was Witterung und Wasser von ihr übrig ließen, weil sie Ende des 4. Jahrhunderts in vier Teilen in einen Brunnen geworfen wurde. ..

Entdeckung auf römischem Gutshof

Den unruhigen Zeiten unter den Einfällen der Franken im ausgehenden 4. Jahrhundert verdankt Köln heute einen wichtigen archäologischen Fund: Eine Jupitersäule aus dem Ende des 2. Jahrhunderts, die in der vergangenen Woche im Kölner Westen ausgegraben und gestern in der Restaurierungswerkstatt des Römisch-Germanischen Museums erstmals präsentiert wurde.

Der Nachwelt erhalten blieb die Säule, oder besser das, was Witterung und Wasser von ihr übrig ließen, weil sie Ende des 4. Jahrhunderts in vier Teilen in einen Brunnen geworfen wurde - zusammen mit dem Kadaver eines "mittelgroßen Hundes", dessen Skelett jetzt ebenfalls durch Grabungsleiterin Dr. Elisabeth-Maria Spiegel von der Sohle des Brunnens in 12,50 Meter Tiefe geborgen wurde.

Offenbar sollte der Brunnen damals durch die Säulenstücke und anderen Bauschutt sowie Tierkadaver unbrauchbar gemacht und vergiftet werden.

Der Brunnen gehörte zum Wirtschaftsbereich eines römischen Gutshofs im Kölner Westen, der jetzt von den Archäologen systematisch freigelegt wurde und nach ihren bisherigen Erkenntnissen von der Mitte des 1. bis ins letzte Drittel des 4. Jahrhunderts besiedelt war.

In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich aus der Anlage zwei Kleinbefestigungen, in die sich die Bewohner bei Gefahr durch die Franken zurückziehen konnten. Mit einer "technischen Superleistung", so die Grabungsleiterin, wurde der Brunnen bis zu seiner Sohle untersucht, um weitere Erkenntnisse über die Geschichte der Kleinbefestigungen zu gewinnen.

Die Jupitersäule gabs quasi als "Dreingabe" hinzu, wenn auch davon auszugehen ist, dass dieses über drei Meter hohe Götterdenkmal tatsächlich fast 200 Jahre lang den Gutshof zierte, um den Schutz der Götter zu erbitten.

Denkmal zeigt vier Götterfiguren "Wir sind glücklich über diesen Fund", strahlte gestern Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper als Chef des Römisch-Germanischen Museums. Gesichert werden konnte ein rechteckiger Sockel mit Basisprofil, zwei Säulentrommeln und das Fragment einer sitzenden, mit einem gebauschten Mantel bekleideten Jupiterfigur.

Diese Figur saß ursprünglich auf einem Thronsessel und bildete die Bekrönung der Säule. Dass weder die Säulenbasis noch das Kapitell als oberer Abschluss des Schaftes gefunden wurden, könnte nach Ansicht der Archäologen darauf deuten, dass die Säule bereits zerstört wurde, bevor sie in dem Brunnen landete.

Die beiden Säulentrommeln sind rundum mit Schuppen dekoriert, die Blattwerk stilisieren. Auf der Frontseite sind als Hochreliefs drei Götter unter baldachinartigen Nischenwölbungen zu erkennen. Die untere Säule zeigt Herkules, der die gesenkte Rechte auf eine Keule stützt und in der angewinkelten Linken einen runden Gegenstand, wohl den Apfel der Hesperiden hält.

Darüber folgt eine männliche Gottheit in kurzem, gegürtetem Gewand. Da keine Attribute erkennbar sind, ließen Spiegel und Hellenkemper gestern offen, ob es sich um Mars, Saturn oder eine andere Gottheit handeln könnte.

Auf der oberen Säulentrommel ist Minerva wiedergegeben. Sie ist mit einem schräg über die Schulter drapierten Mantel und einem Helm bekleidet. In der erhobenen Rechten hält sie die Lanze, die gesenkte Linke ruht auf einem ovalen, am Boden stehenden Schild.

Insgesamt wurden in Köln annähernd 20 Einzelfunde mit Fragmenten von Jupitersäulen nachgewiesen, wenige allerdings in dieser Vollständigkeit. Nur eine von ihnen, 1970 bei Longerich gefunden, konnte restauriert werden und ist im Museum zu bewundern. Die jetzt gefundene Säule soll restauriert das zweite Schmuckstück bilden.
Quelle: Kölnische Rundschau, 01.08.2001
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